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14.10.2021

Standpunkt Verbraucherkredite

Zielgenaue Regulierung statt Gießkannenprinzip
Kernforderungen
  • Beratung bei Ratenkauf im Handel und Internet verbessern
  • Kreditwürdigkeitsprüfung muss verhältnismäßig sein
  • Flexible Kreditvergabe an Verbraucher weiterhin ermöglichen
  • Marktwirtschaftliche Preisfindung erhalten
Worum geht es?

Die EU-Kommission hat im Juni 2021 einen neuen Vorschlag zur Überarbeitung der Richtlinie über Verbraucherkredite vorgelegt. Dieser hat den verbesserten Schutz von Verbraucherinteressen zum Ziel. Der Anwendungsbereich der Richtlinie wird auf Über-ziehungskredite sowie Crowd-funding-Kreditdienstleistungen ausgeweitet. Zudem sollen Zinsobergrenzen und eine um-fangreichere Kreditwürdigkeits-prüfung eingeführt werden. Künftig sollen für die Prüfung der Kreditwürdigkeit die gleichen strengen Anforderungen  gelten wie bei Immobilienkrediten.

Gezielt dort regulieren, wo Verbraucher unzureichend beraten werden.

Dies ist vor allem bei Kreditangeboten direkt am Point of Sale der Fall. Diese verändern die Denkweise der Kunden über Kredite, indem der Kreditantrag Teil des Bezahlprozesses wird, wie z.B. beim Ratenkauf im Einzelhandel oder Internet. Aufgrund mangelnder Beratung können einige Verbraucher die Auswirkungen auf ihren finanziellen Handlungsspielraum nicht richtig einschätzen. Hier sollte der Gesetzgeber genauer hinsehen und zielgerichtet regulieren, um vor schwarzen Schafen am Kreditmarkt zu schützen.

Verhältnismäßigkeitsprinzip wahren.

Die EU-Kommission schlägt in der überarbeiteten Verbraucherkreditrichtlinie vor, die Kreditwürdigkeitsprüfung künftig an den strengen Vorgaben von Immobilienkrediten zu orientieren. Es ist weder sachgerecht, noch verhältnismäßig, denselben Prüfungsumfang an Bankkredite von wenigen Hundert Euro und mehreren Hunderttausend Euro zu fordern. Der unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedeutung von Immobilienkrediten und sonstigen Verbraucherkrediten muss angemessen Rechnung getragen werden. Andernfalls werden Kunden wie Banken unnötig mit Bürokratie belastet.

Flexible Kreditvergabe an Verbraucher sicherstellen.

Der Anwendungsbereich der Richtlinie soll laut EU-Kommission u.a. auf Überziehungskredite, zu denen auch Dispo-Kredite gehören, ausgeweitet werden und die Kleinstdarlehensgrenze von 200 Euro soll zukünftig entfallen. Überziehungskredite zeichnen sich dadurch aus, schnell und unkompliziert zur kurzfristigen Überbrückung verfügbar zu sein – im Gegensatz zu Verbraucherkrediten mit höheren Summen, die Beratung erfordern. Die umfangreiche Kreditwürdigkeitsprüfung würde im Widerspruch dazu stehen. Der Gesetzgeber „überschützt“ hier Verbraucher entgegen ihrer eigenen Interessen und bevormundet sie unangemessen. Schlimmstenfalls führt dies dazu, dass Verbraucher ihren Kreditbedarf anderweitig bei unseriösen Darlehensgebern decken müssen. Aus diesem Grund sollten die bisherigen Ausnahmebestimmungen für Überziehungskredite beibehalten werden.

Effiziente Preisfindung durch Marktmechanismus erhalten.

Die von der EU vorgeschlagenen Zinsobergrenzen für Verbraucherkredite sind ein dirigistischer Markteingriff. Durch Angebot und Nachfrage bildet sich ein adäquater Zinssatz. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass der durchschnittliche Zinssatz für Konsumentenkredite seit vielen Jahren rückläufig ist. Marktversagen ist nicht erkennbar, ein Eingriff ist daher ungerechtfertigt.

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