Nachhaltigkeit im Finanzwesen: Bayerischen Mittelstand einbeziehen

03.06.2020

Gemeinsame Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern, der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern, des Genossenschaftsverbands Bayern und des Sparkassenverbands Bayern

Der Mittelstand bildet das Herz der Wirtschaft. Damit dieses auch weiter kraftvoll schlagen kann, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Zusätzliche Bürokratie vermeiden, eine verlässliche Mittelstandsfinanzierung sicherstellen und Nachhaltigkeitsziele mit Augenmaß verfolgen: So lauten die Kernforderungen eines Impulspapiers, das mehrere Verbände und die Kammern der bayerischen Finanz- und Realwirtschaft vorgelegt haben.

Ausdrücklich bekennen sich diese zu den definierten Klimazielen sowie zu einem ressourcenschonenden Wirtschaften. Dennoch dürfen Klimaschutzziele die konjunkturelle Erholung im Zuge der Corona-Krise und die bewährten Finanzierungsmöglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nicht gefährden. Dies könnte angesichts der bislang vorliegenden Planungen jedoch drohen.

Kritisch sehen die Verbände und Kammern insbesondere neue Bürokratie für KMUs: „Das Erfassen, die Dokumentation, die Bewertung und die Kontrolle von Nachhaltigkeitskriterien in der bisher diskutierten Kleinteiligkeit würden KMUs überfordern. Es muss darauf geachtet werden, dass KMU grundsätzlich nicht – auch nicht von Abnehmern in einer Lieferkette beziehungsweise von Kunden – zur Erfassung, Dokumentation und Offenlegung komplexer Nachhaltigkeitskriterien gezwungen werden können“, heißt es in dem gemeinsamen Papier der Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern, der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern, des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB) und des Sparkassenverbands Bayern.

„Politische Bestrebungen für ein nachhaltiges Finanzwesen müssen die Bedürfnisse der stark mittelständisch geprägten bayerischen und deutschen Wirtschaft berücksichtigen und eine verlässliche Finanzierung sicherstellen“, heißt es in dem Impulspapier. Um der
Stimme des Mittelstands stärkeres Gewicht zu verleihen, fordern die Verbände und Kammern eine stärkere Einbeziehung von Mittelstandsvertretern in die Entscheidungsgremien eines Nachhaltigen Finanzwesens.

Mit dem Impulspapier wollen die vier Organisationen einen Beitrag zur Debatte um mehr Nachhaltigkeit im Finanzwesen leisten. Als Teil des EU-Green Deals will die EU-Kommission Vorschläge vorlegen, wie das Finanzwesen zum Klimaschutz beitragen kann. Auch die deutsche Bundesregierung beschäftigt sich in einem eigens errichteten Beirat mit der Fragestellung.

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