125-jähriges Verbandsjubiläum

GVB stellt Chronik zur bayerischen Genossenschaftsgeschichte vor

10.07.2018

München, 10. Juli 2018 – Was hat ein Vulkanausbruch in Indonesien 1883 mit den bayerischen Genossenschaften zu tun? Wieso haben diese Unternehmen in den nachfolgenden Jahrzehnten die Wirtschaftsgeschichte des Freistaats geprägt? Und warum sind heute 2,9 Millionen Menschen Mitglied einer Genossenschaft in Bayern? Diese Fragen beantwortet eine Chronik, die der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) in München Medienvertretern vorgestellt hat. Sie erscheint zum 125-jährigen Verbandsjubiläum in diesem Jahr.

„Die Chronik ist eine Schatzkiste voller Genossenschaftsgeschichte“, sagte GVB-Präsident Jürgen Gros. Angereichert mit umfangreichem, teils unveröffentlichtem Bildmaterial stellt Autor Reinhard Heydenreuter auf mehr als 200 Seiten die Entwicklung der Genossenschaften im Freistaat dar. Dabei orientiert sich die Chronologie des Buchs an den Meilensteinen der bayerischen Geschichte. Denn: „Die Genossenschaftsgeschichte ist ein Spiegel der gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Bayern und reicht bis ins Frühmittelalter zurück“, so Gros.


Der Genossenschaftsverband Bayern hat zu seinem 125-jährigen Jubiläum eine Chronik veröffentlicht. Das Video zeigt die Entstehung der Jubiläumsschrift.

Erst im 19. Jahrhundert blühte das genossenschaftliche Engagement im Freistaat aber richtig auf. Die vom Prinzip der Selbsthilfe und Eigenverantwortung geleiteten Unternehmen versorgten damals Landwirte und Handwerker mit Krediten oder unterstützten sie bei der Produktion und Vermarktung ihrer Erzeugnisse. Sie trugen damit erheblich zur wirtschaftlichen Entwicklung des Freistaats bei. Wie die Chronik belegt, halfen sie dabei, die Folgen ökonomischer Brennpunktphasen wie die durch den Vulkanausbruch verursachten Missernten, Hyperinflation, Weltwirtschaftskrise oder die Finanzkrise zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu überwinden.

„Genossenschaften schaffen Stabilität, wenn Märkte versagen und Gesellschaften sich verändern“, stellte Gros fest. Sie übernehmen aber auch Verantwortung in ihren Heimatregionen, indem sie Versorgungslücken schließen. Das zeigte sich etwa in den Wirtschaftswunderjahren als die Volksbanken und Raiffeisenbanken das Wachstum der mittelständischen Unternehmen mitfinanzierten. Die Institute demonstrierten in dieser Zeit auch, wie sich Genossenschaften den technischen Fortschritt zunutze machen. So nahmen sie in den 1960er-Jahren ein Rechenzentrum in Betrieb, das den bargeldlosen Zahlungsverkehr ermöglichte.

Mit der Geschichte der Genossenschaften erzählt die Chronik zugleich die Geschichte des GVB. Sie beginnt 1893 als eine Gruppe von Landwirten, Kaufleuten, Lehrern und Geistlichen den Bayerischen Landesverband landwirtschaftlicher Darlehenskassenvereine gründete. Ihr Ziel war es, einen eigenständigen bayerischen Verband zu schaffen, der übergeordnete Aufgaben übernehmen sollte. Ganz bewusst grenzten sie sich von einem in Neuwied bestehenden Zentralverband ab. „Die Gründer des GVB wollten ihre Anliegen in Bayern selbst regeln. Das prägt bis heute die Identität des Verbands“, sagte Verbandspräsident Gros.

Der Genossenschaftsverband Bayern versteht sich bis heute als erster Dienstleister der bayerischen Genossenschaften. Er prüft seine Mitglieder, berät sie und vertritt ihre Interessen gegenüber Politik, Öffentlichkeit und den Verbundpartnern. 1.260 genossenschaftliche Unternehmen gehören derzeit zum GVB, die in 35 Branchen aktiv sind und rund 50.000 Arbeitsplätze stellen. Dazu zählen neben den 244 bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken mehr als 1.000 ländliche und gewerbliche Unternehmen.

Der GVB überreicht die Chronik zum 125-jährigen Jubiläum allen Gästen des Verbandstags am 12. Juli in Unterschleißheim als Präsent. Interessenten können eine elektronische Ausgabe nach dem Verbandstag kostenfrei online unter www.gv-bayern.de/chronik abrufen. Für Medienvertreter ist der Zugang bereits jetzt freigeschaltet.

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