197. Geburtstag von Friedrich Wilhelm Raiffeisen

30.03.2015

Friedrich Wilhelm Raiffeisen, einer der Begründer des Genossenschaftswesens, wäre heute 197 Jahre alt geworden. Der Dienst am Nächsten war die treibende Kraft in seinem Leben.

Friedrich Wilhelm RaiffeisenBüste von Friedrich Wilhelm Raiffeisen.


Sein Name ist heute noch in vielen Institutionen des Genossen­schaftswesens präsent: Die Raiffeisenbanken tragen seinen Namen.  Doch wer war der Mann hinter diesem Namen?

Obwohl er eine beachtenswerte Karriere vorweisen kann, strebte Friedrich Wilhelm Raiffeisen nie nach gesellschaftlichem Aufstieg. Er mochte es nicht, im Rampenlicht zu stehen. Seine Lebensweise war von Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit geprägt. Auf Reisen wohnte er in den kleinsten Gasthöfen und setzte sich in der Eisenbahn in die Waggons der dritten Klasse. Diese Beispiele freiwilliger Entsagung waren Ausdruck seiner Aufopferung für die Ärmeren und Schwächeren. Einer seiner Aussprüche lautete: „Das Gewissen muss die Richtschnur der menschlichen Handlungen sein.“ Das wollte er in Werken und Taten, nicht nur in Worten, verwirklicht wissen. Diese pragmatische Denkweise begleitete ihn sein Leben lang. Pflichterfüllung war eine der obersten Leitmaximen des ehemaligen Offiziersanwärters.

Jeden Tag mit anzupacken, das brachte er auch seinen vier Kindern bei. Sie sollten, sobald sie dazu fähig waren, immer für den jeweils nächsten Tag einen Arbeitsplan erstellen, der ihren Tagesablauf von früh bis spät bestimmte. Die Erledigung der Aufgaben hatte oberste Priorität, sogar vor dem Spielen. Raiffeisen, der auf die Charakter- und Geistesbildung seiner Kinder größten Wert legte, verbrachte viel Zeit mit seinen Sprösslingen. Er nahm sie auch mit auf Dienstreisen. Die Erziehung war ausgerichtet an den Idealen Ordnung, Fleiß, Freundlich­keit, Sanftmut und Gottesfurcht. Die „Sorge für die Nächsten“, ein christliches Leitbild, war dabei maßgeblich. Seine Kinder sollten sich zum Beispiel bedürftige Familien suchen und für deren Unterhalt sorgen. Diese uneingeschränkte Bereitschaft zum Dienst am Mitmenschen gründete auf Raiffeisens unerschütterlichem Gottvertrauen.

Den Grundstein hierfür legte sein Elternhaus: die Religiösität seiner Mutter, ihre Frömmigkeit und Tatkräftigkeit beeindruckten ihn tief. Der Privatunterricht beim evangelischen Pfarrer Georg Seippel festigte diese Eindrücke. Sein tief verwurzelter Glaube war der rote Faden in seinem Leben und die treibende Kraft für sein Schaffen. Als pragmatisch orientierter Mensch stellte er das Handeln besonders in den Vordergrund. Allerdings habe er sich dabei kaum in philosophische oder theologische Untersuchungen vertieft, berichten Zeitgenossen. Er sei deshalb beispielsweise nie zu einer abgerundeten Anschauung des Christentums gelangt, sondern habe sich aus den verschiedenen Lehrmeinungen ausgesucht, was ihm gerade gepasst habe. Auch mit volkswirtschaftlichen Schriften habe er sich kaum intensiver auseinandergesetzt. Das Genossenschaftswesen habe er bisweilen einseitig überschätzt, warfen ihm zeitgenössische Kritiker vor. Raiffeisen allerdings war von der Richtigkeit seiner Ideen so sehr überzeugt, dass er Widerspruch kaum duldete, wie es in Schilderungen von Wegbegleitern heißt.

Zurück bleibt die Erinnerung an seine Entschlossenheit, dem Gemeinwohl zu dienen. Als Pragmatiker des Genossenschaftswesens hat er so ein bedeutsames Erbe hinterlassen.