50 Jahre Geldautomat

Bares aus der Maschine

27.06.2017

Sich mit Bargeld aus dem Automaten zu versorgen, ist heutzutage so alltäglich wie der Strom aus der Steckdose. Dabei hat dieses System erst vor fünzig Jahren begonnen, sich durchzusetzen - mit einer Idee in der Badewanne. Die bayerischen Kreditgenossenschaften griffen die Innovation frühzeitig auf.

Bankkunden am GeldautomatHeutzutage selbstverständlich: Bankkunden versorgen sich am Geldautomaten mit Barem.


Die Anfänge des Geldautomaten reichen weiter als 50 Jahre zurück: Das weltweit erste Gerät stand in den USA, und zwar schon 1939. Der aus der Türkei stammende Armenier Luther George Simjian hatte die City Bank of New York zu einem Probebetrieb seiner „Automated Teller Machine“ überredet. Doch der Test verlief enttäuschend.

Grund waren nicht technische Schwierigkeiten, sondern die mangelnde Akzeptanz der Kunden. Nach einem halben Jahr wurde das Gerät wieder abgebaut. „Es sieht so aus, dass ein paar Prostituierte und Glücksspieler, die nicht von Angesicht zu Angesicht mit Kassierern zu tun haben wollten, die einzigen Benutzer des Geräts waren“, zog der Erfinder Bilanz.

Einfall zum Geldautomaten in der Badewanne


In den 1960er Jahren hatte der Schotte John Shepherd-Barron dann ebenfalls die Idee, Bargeld mittels eines Automaten auszugeben. Dieser Einfall kam ihm an einem Samstag in der Badewanne, nachdem im das Geld ausgegangen war, da er zuvor die Öffnungszeiten seiner Bankfiliale verpasst hatte. Er entwickelte ein Gerät, das er der britischen Großbank Barclays vorstellte. Diese nahm den ersten Automaten am 27. Juni 1967 in Enfield nördlich von London in Betrieb.

In Deutschland stellte die Kreissparkasse Tübingen knapp ein Jahr später den bundesweit ersten Geldautomaten auf. Auf genossenschaftlicher Seite brachte nicht zuletzt die damalige Rechenzentrale Bayerischer Genossenschaften (RBG), in der die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken ihre EDV gebündelt hatten, die technische Entwicklung voran. Nachdem sich das Deutsche Kreditgewerbe 1982 auf einen Geldautomaten-Standard geeinigt hatte, betrieb die RBG als erste Rechenzentrale ein solches Gerät.

Rasanter technischer Fortschritt bei Bankautomaten


Von da an wurde die Vernetzung der Geräte immer wichtiger. Durch die zunehmende Digitalisierung in den Banken selbst, gewann die Anbindung an die Rechenzentralen der Banken zunehmend an Bedeutung. Anfang der 90er Jahre betrieb die RBG rund 850 Geldautomaten und 760 Kontoauszugsdrucker. 1991 betreuten 593 Mitarbeiter die damals 891 bayerischen Kreditgenossenschaften.

Heutzutage gewinnt zwar das digitale Bezahlen immer mehr an Bedeutung, dennoch ist das Bargeld nach wie vor eines der wichtigsten Zahlungsmittel. Und so nutzen die Bankkunden auch weiterhin gerne den Geldautomaten, um flüssig zu bleiben. Allein die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Bayern betreiben derzeit rund 3.800 Geräte im Freistaat und tragen so zur flächendeckenden Versorgung bei. Bundesweit umfasst das Servicenetz der Genossenschaftsbanken mehr als 18.500 Geldautomaten.