500 Jahre Reinheitsgebot

Ein Garant für Qualität

19.04.2016

Das Bayerische Reinheitsgebot wird 500 Jahre alt. Die Brauerei- und Hopfengenossenschaften aus dem Freistaat berichten, welche Bedeutung es für sie hat.

Mann und Frau trinken BierBiergenuss und Reinheitsgebot gehören in Bayern fest zusammen.


Am 23. April 1516 erließen die Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. in Ingolstadt eine Verordnung, wonach Bier in Bayern nur aus Gerste, Hopfen und Wasser bestehen darf. Später kam noch die Hefe dazu, von deren Existenz die Menschen im 16. Jahrhundert noch nichts wussten. Auf diesen vier Zutaten baut das moderne Reinheitsgebot auf. Auch für die 13 genossenschaftlichen Brauereien in Bayern hat es eine große Bedeutung.

Brauerei Hutthurm

Die Brauerei Hutthurm ist ein Betrieb der Raiffeisenbank i. Lkr. Passau-­Nord. Braumeister Markus Kampf erklärt, warum das Reinheitsgebot nicht nur eine lange Tradition, sondern auch eine Zukunft hat.

Markus Kampf: „Diese Frage wird unter Brauern immer wieder diskutiert. Die einen sehen es als Qualitätssiegel, das die bayerische Braukunst als Handwerks­technik geprägt hat, mit nur vier Rohstof­fen ein einzigartiges Produkt zu erzeugen. Andere freilich meinen, durch die auf­erlegte Selbstbeschränkung bestimmte Trends nicht bedienen zu können. Es wird in Zukunft wahrscheinlich so sein, dass sowohl das Reinheitsgebot für die Braue­reien als Referenz für höchste Qualität ge­nutzt wird, aber parallel dazu auch Biere entstehen werden, die sich dieser Tradition entziehen. Der Biergenießer kann dann wählen, welche Qualitäten und Geschmä­cker für ihn die Richtigen sind.Auch diese Art der Vielfalt macht die bayerische Bier­kunst dann aus.“


Der Begriff „Reinheitsgebot“ wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts einge­führt. Am 4. März 1918 erklärte der baye­rische Landtagsabgeordnete Hans Rauch: „Wir halten fest am Reinheitsgebote, weil wir der Tradition treu bleiben.“ Noch im Jahr 1908 war im Landtag dagegen von ei­nem „Surrogatverbot“ die Rede gewesen. Das „Reinheitsgebot“ dagegen war als Wort viel griffiger und setzte sich deshalb schnell durch – und ist heute in der gan­zen Welt bekannt. Selbst in Großbritian­nien und den USA kennt man das Gesetz als „The Reinheitsgebot“.

Brauerei­genossenschaft Oberhaching

Die erst kürzlich gegründete Brauerei­genossenschaft Oberhaching im Land­kreis München hat sich ebenfalls intensiv mit dem Reinheitsgebot auseinanderge­setzt. Vorstand Florian Schärpf erklärt, wie sich die Genossenschaft der 500-­jäh­rigen Tradition stellt.

Florian Schärpf: „Nach Gründung der Brauereigenossenschaft Oberhaching im November 2015 wurde eine sogenannte Brau­-Eule angeschafft, die es er­möglicht, Rezepte in kleinen Mengen von 30 Litern zunächst auszuprobieren. Mit Hilfe der Testsude können wir Geschmacksnuancen verbessern. So entstanden bereits ein süffiges Weiß­bier, Kellerbier und Stark­bier, alle Sorten naturtrüb. Wir legen großen Wert auf handwerklich hergestelltes Bier mit Wasser und Malz aus der Region und Hop­fen aus Bayern – ganz im Sinne des Bayerischen Rein­heitsgebots.“

HVG Hopfenverwertungsgenossenschaft

Das größte Anbaugebiet für bayerischen Hopfen ist die Hal­lertau. Dort ist die HVG Hopfenverwertungsgenossenschaft ein wichtiger Partner der Hop­fenpflanzer. Weil das Reinheits­gebot nur vier natürliche Zuta­ten zulässt, ist deren Qualität für ein gelungenes Bier umso wichti­ger. Vorstandsvorsitzender Johann Pichlmaier erklärt, was einen guten Hopfen ausmacht:

Johann Pichlmaier: „Hopfen besteht aus einer Vielzahl an Bitter­, Aroma- ­und Gerbstoffen. Die Zusammensetzung ist sortentypisch, hängt aber auch von der Anbau­region ab. Guter Hopfen zeichnet sich dadurch aus, dass er dem Bier eine angenehme Bittere, ein charakteristisches Aroma und einen guten Schaum verleiht. Durch unser großes Sorten­spektrum ermöglichen wir es den Braumeistern, auch innerhalb des Reinheitsgebots eine nahezu un­begrenzte Anzahl einzigartiger und cha­raktervoller Biere herzustellen. Durch die Sortenzüchtung am Hopfenforschungs­zentrum in Hüll wird die Vielfalt unseres Hopfens ständig erweitert.“ 

 

Brauerei Gut Forsting

Während die bayerischen Braumeister auf heimischen Hopfen als idealen Aro­mageber setzen, werden in anderen Län­dern munter weitere Inhaltsstoffe ins Bier gemischt. In der oberbayerischen Privat-Brauerei Gut Forsting eG wird dagegen seit über 100 Jahren Bier nach dem Reinheitsgebot gebraut. Daran wird sich auch nichts ändern, sagt Vorstand Georg Lettl. An der ältesten
Lebensmittelvorschrift der Welt darf nicht gerüttelt wer­den, fordert er.

Georg Lettl: „Unantastbar ist das Bierbrauen nach dem Reinheitsgebot von 1516 in un­serer Firmenphilosophie ver­ankert. Die von vielen selbster­nannten „Craftbrauern“ gefor­derte Aufweichung dieser uralten Regel kommt für unser Haus nicht infrage. Auch mit den vier Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe können schier unendlich viele unter­schiedliche Biere gebraut werden. Einen Beweis dafür liefern die baye­rischen Brauereien seit Jahrhunderten mit einer Angebotsvielfalt, die weltweit ihresgleichen sucht. Es gilt, dieses Gebot zu bewahren und einen klaren gesetzlichen Rahmen dafür zu schaf­fen.“