ABC der Genossenschaft

Die wichtigsten Begriffe rund um Genossenschaften

Von A wie Anteile bis Z wie Ziele: Das Genossenschafts-ABC erklärt kurz und knapp die wichtigsten Begrifflichkeiten rund um die Unternehmensform eG.

ABC Buchstaben. Foto: Panthermedia/leungchopan
Foto: Panthermedia / leungchopan


Zu den Kapiteln

A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   R   Sa   St   T   U   V   W   Z



A wie Anteile

Geschäftsanteile sind die in der Satzung festgelegten Beträge, durch die angegeben wird, mit welcher Einlage – also welchem Betrag pro Geschäftsanteil – sich ein Mitglied an der Genossenschaft beteiligen kann. Die Höhe eines Geschäftsanteils orientiert sich am Kapitalbedarf der Genossenschaft und ist für jedes Mitglied gleich. Mindest- oder Höchstbeträge sind gesetzlich nicht vorgeschrieben.

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B wie Begleitung

Wer in Bayern eine Genossenschaft gründen will, kann sich an die Fachberater des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB) wenden. Sie sind Ansprechpartner bei allen rechtlichen und organisatorischen Fragen. Die GVB-Experten begleiten die Genossenschaftsgründer von der Erstellung des Geschäftsplans bis zur Eintragung des Unternehmens beim Registergericht. 

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C wie Checkliste

Um bei den Vorbereitungen der Genossenschaftsgründung keine wichtigen Schritte zu übersehen, stellt der GVB eine Checkliste bereit. Darauf sind die wichtigsten Meilensteine zusammengefasst. Die Checkliste steht zum Herunterladen zur Verfügung.

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D wie Definition

Im Genossenschaftsgesetz (GenG) werden genossenschaftliche Unternehmen definiert als „Gesellschaften von nicht geschlossener Mitgliederzahl, deren Zweck darauf gerichtet ist, den Erwerb oder die Wirtschaft ihrer Mitglieder oder deren soziale oder kulturelle Belange durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb zu fördern.“ Übrigens kann man das Genossenschaftsgesetz online nachlesen.

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E wie Eintragung

Die Anmeldung der Genossenschaft ist elektronisch in notariell beglaubigter Form beim zuständigen Amtsgericht einzureichen. Ein Notar übernimmt die hierfür notwendigen Formalitäten. Erst mit der Eintragung in das Genossenschaftsregister erhält das Unternehmen die Rechtsstellung einer eingetragenen Genossenschaft.

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F wie Finanzierung

Das Eigenkapital einer Genossenschaft setzt sich aus Geschäftsguthaben, die von den Mitgliedern einbezahlt werden sowie aus den Rücklagen des Unternehmens zusammen. Die Genossenschaft ist eine offene Unternehmensform und verfügt daher, im Unterschied zu Kapitalgesellschaften, nicht über ein festes Grundkapital. Ein Mindestkapital ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Die Genossenschaft kann das aber in der Satzung festlegen. Darüber hinaus kann sie sich auch durch Finanzierungsinstrumente wie Genussrechte und stille Beteiligungen sowie durch Fremdkapital finanzieren.

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G wie Gründen

Beim Gründen einer Genossenschaft steht der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) zur Seite: Die Berater unterstützen die Gründer bei der Erarbeitung des Unternehmenskonzepts, des Geschäftsplans sowie der Satzung und begleiten die Genossenschaft bis zur Eintragung beim Genossenschaftsregister. Neben der Betreuung in steuerlichen, rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen führt der GVB auch die Gründungsprüfung durch. Weitere Informationen zum Gründungsprozess finden sich auf den Gründerseiten des GVB.

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H wie Haftung

Für Verbindlichkeiten der Genossenschaft haftet das Unternehmen. Die Haftung der Mitglieder ist auf die Geschäftsanteile begrenzt. Das Genossenschaftsgesetz sieht grundsätzlich jedoch für den Fall einer Insolvenz die Möglichkeit einer Nach­schusspflicht der Mitglieder vor. Dies bedeutet, dass die Mitglieder dann verpflichtet sind, Nachschuss – also weitere zusätzliche Zahlungen – zur Insolvenzmasse zu leisten, wenn die Höhe der Forderungen der Gläubiger bei der Schlussverteilung aus dem Genossenschaftsvermögen nicht befriedigt werden kann. Die Nachschusspflicht ist in der Satzung festzulegen. Sie kann auch begrenzt oder ganz ausgeschlossen werden.

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I wie Insolvenz

Die eingetragene Genossenschaft ist die insolvenzsicherste Rechtsform in Deutschland – nur in 0,1 Prozent aller Insolvenzfälle ist eine Genossenschaft betroffen. Das liegt unter anderem an der vorgeschriebenen Pflichtprüfung durch die genossenschaftlichen Prüfungsverbände.

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J wie Jahresabschluss

Der Jahresabschluss muss vom Vorstand der Genossenschaft in den ersten fünf Monaten des laufenden Geschäftsjahres für das vergangene Geschäftsjahr aufgestellt werden. Die Prüfung des Jahresabschlusses einschließlich der Buchführung und des Lageberichts (soweit dieser gesetzlich erforderlich ist) ist eine gesetzlich vorgeschriebene Pflichtprüfung und wird von einem Prüfer des Genossen­schaftsverbands Bayern (GVB) durchgeführt.

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K wie Kosten

Die Kosten für die Gründung einer Genossenschaft hängen vom Umfang des Gründungsvorhabens ab. Berechnet wird dabei der Aufwand für die Beratung und die Prüfung des Gründungsvorhabens, die Analyse und Bewertung der vorgelegten Unterlagen sowie Kalkulationen und Planungen. Die Erstberatung ist kostenfrei. Die vorgeschriebenen Prüfungen der Genossenschaft im laufenden Betrieb sind kostenpflichtig. Diese wiederholen sich je nach Bilanzsumme des Unternehmens in jedem oder nur alle zwei Jahre.

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L wie Leistungen des GVB

Der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) unterstützt seine Mitglieder mit einem umfangreichen Leistungskatalog. Dazu gehören die betriebswirtschaftliche, steuerliche und rechtliche Beratung der Mitglieder, Prüfung, Interessenvertretung und Weiterbildung. Einen Überblick über das gesamte Spektrum bietet die GVB-Webseite unter dem Menüpunkt „Unsere Dienstleistungen“.

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M wie Mitglied

Um eine Genossenschaft gründen zu können, sind mindestens drei Mitglieder notwendig. Sie können unbürokratisch ein- und austreten: Sie müssen nur durch eine schriftliche oder elektronische Beitrittserklärung ihre Mitgliedschaft anmelden beziehungsweise kündigen. Der Vorstand muss einwilligen, es ist allerdings nicht nötig, dies notariell zu beurkunden. Die Genossenschaft ist eine Unternehmensform mit offener Mitgliederzahl. Eine Zustimmung anderer Mitgesellschafter zum Ein- oder Austritt ist nicht notwendig. Die Rückzahlung des Geschäftsguthabens erfolgt zum Nennwert, das ausscheidende Mitglied erhält keine Beteiligung an den Rücklagen.

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N wie Neugründungen

In den vergangenen acht Jahren wurden in Bayern mehr als 360 neue Genossenschaften gegründet. Die meisten stammen aus der Energiebranche, aber auch die Bereiche Soziales und Dienstleistungen sind stark vertreten. Informationen zu den Neugründungen finden sich unter anderem im  GVB-Jahresbericht.

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O wie Organe

Die wichtigsten Organe einer Genossenschaft sind die General- bzw. Vertreterversammlung, der Aufsichtsrat und der Vorstand.

Der General- bzw. Vertreterversammlung gehören alle Mitglieder der Genossenschaft oder deren gewählte Vertreter an. Eine Vertreterversammlung kann bei mehr als 1.500 Mitgliedern der Genossenschaft durch Bestimmung in der Satzung eingeführt werden. Die Versammlung wählt aus der Mitte der Mitglieder den Aufsichtsrat (mindestens drei natürliche Personen), wenn dieser aufgrund der Größe der Genossenschaft gebildet werden muss. Sofern die Satzung nichts anderes bestimmt, wählt die Versammlung auch den Vorstand (mindestens zwei natürliche Personen). Darüber hinaus entscheidet sie unter anderem über die Verwendung des Jahresergebnisses sowie über die Satzung und Satzungsänderungen.

Der Aufsichtsrat wiederum überwacht die Geschäftsführung des Vorstands. Als Kontrollorgan der Genossenschaft besteht er in der Regel aus mindestens drei Mitgliedern. Hat eine Genossenschaft insgesamt nicht mehr als 20 Mitglieder, kann sie auf den Aufsichtsrat verzichten.

Der Vorstand einer Genossenschaft besteht aus mindestens zwei Mitgliedern. Bei weniger als 20 Mitgliedern kann der Vorstand auch von nur einer Person gebildet werden. Er vertritt die Genossenschaft nach außen, schließt Rechtsgeschäfte ab und ist verantwortlich für die ordnungsgemäße Buchhaltung. Der Vorstand wird gemäß Genossenschaftsgesetz von der Generalversammlung gewählt, die Satzung kann jedoch eine andere Art der Bestellung vorsehen. Üblich in der Praxis, insbesondere bei Kreditgenossenschaften ist die Bestellung durch den Aufsichtsrat.

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P wie Prüfung

Jede Genossenschaft muss per Gesetz Mitglied in einem Prüfungsverband sein. Dieser erstellt bei der Gründungsprüfung ein Gutachten, indem die wirtschaftlichen Verhältnisse sowie Aussichten und Risiken der Genossenschaft beurteilt werden. Gleichzeitig ist es Grundlage für die Eintragung in das Genossenschaftsregister. Daneben finden je nach Bilanzsumme der Genossenschaft in Abständen von ein oder zwei Jahren Prüfungen statt. Hier untersuchen die Verbandsprüfer die wirtschaftlichen Verhältnisse und die ordnungsgemäße Arbeit des Vorstandes.

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R wie Rückvergütung

Die genossenschaftliche Rückvergütung ist eine steuerliche Sonderregelung, die es der Genossenschaft erlaubt, den aus dem Geschäft mit den Mitgliedern erzielten Überschüsse nachträglich – nach Aufstellung der Bilanz – wieder an diese ganz oder teilweise zurückzuzahlen. Die Rückvergütung mindert den steuerlichen Gewinn der Genossenschaft für das Jahr, für das sie gewährt wird, so dass die Auszahlung ohne steuerliche Belastung auf Ebene der Genossenschaft dem Mitglied zu Gute kommt.

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S wie Satzung

Die Satzung legt die Spielregeln fest, die in der Genossenschaft für alle Mitglieder gelten und kann dementsprechend individuell ausgestaltet werden. Sie enthält Angaben wie den Unternehmensnamen und -sitz, den Gegenstand der Genossenschaft und beschreibt die Rechte und Pflichten der Mitglieder sowie die Verantwortlichkeiten von Vorstand und Aufsichtsrat. Der Unternehmensgegenstand muss deutlich machen, wie die Genossenschaft ihren Förderzweck für die Mitglieder erfüllt. Darüber hinaus werden unter anderem die Höhe eines Geschäftsanteils sowie Einzahlungspflichten und Kündigungsfristen geregelt.

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S wie Steuern

Generell unterliegen Genossenschaften der Körperschaft- sowie der Gewerbesteuer. Es gibt aber eine Reihe von Steuervorteilen: So sind zum Beispiel Genossenschaften steuerfrei, wenn sich ihr Geschäftsbetrieb auf die Verwertung landwirtschaftlicher Produkte beschränkt. Außerdem stellt die genossenschaftliche Rückvergütung eine abziehbare Betriebsausgabe dar.

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T wie Tipps

Auf seinen Gründerseiten und der Facebook-Seite „Wir Genossenschaftsgründer“ gibt der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) zahlreiche Tipps und Tricks rund um das Thema Genossenschaftsgründungen.

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U wie Unternehmensstart

Nach der Gründung einer Genossenschaft sind mehrere organisatorische Fragen zu klären, zum Beispiel Gewerbeanmeldungen, Versicherungen oder die Anlage und Führung der Mitgliederliste. Auf der GVB-Webseite gibt es eine Checkliste mit allen wichtigen Schritten.

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V wie Vorteile

Mit der Rechtsform Genossenschaft können sich Unternehmer zusammenschließen, um Wettbewerbsnachteile durch zu geringe Größe auszugleichen. Auch Bürger können sich als Genossenschaft engagieren, um etwa die Nahversorgung im ländlichen Raum zu sichern. Ein weiterer Vorteil einer Genossenschaft ist ihr demokratischer Ansatz: Jedes Mitglied hat eine Stimme– unabhängig von seinem Anteil.

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W wie Weiterbildung

Bayerns Genossenschaften können auf ein umfangreiches Weiterbildungsangebot der Tochtergesellschaft des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB), der ABG GmbH, zurückgreifen. An den Tagungsstätten in Beilngries und Grainau finden unter anderem Trainings, Vorträge, Seminare und Schulungsprogramme statt.

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Z wie Ziel

Das Ziel einer Genossenschaft ist nicht ein möglichst hoher Gewinn, sondern die Mitglieder zu unterstützen und zu fördern. Die Genossenschaft erfüllt diesen Förderauftrag, wenn sie eine Leistung für die Mitglieder erwirtschaftet und das eigene Unternehmen absichert, um langfristig förderfähig zu bleiben. Die Förderung kann einen ökonomischen, sozialen oder kulturellen Zweck haben und wird mit dem konkreten, in der Satzung festgeschriebenen Unternehmenszweck verwirklicht.

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Weitere Informationen
auf der GVB-Webseite