ABZ Abrechnungs- und Beratungsgesellschaft für Zahnärzte eG

Wie aus einer Protestgruppe ein Medizindienstleister wurde

24.11.2017

Die ABZ Abrechnungs- und Beratungsgesellschaft für Zahnärzte eG wurde vor 25 Jahren gegründet, um eine Revolution im Medizinsektor anzuzetteln. Doch dann kam alles anders und die Gründer schmiedeten neue Pläne.

Patientin bei der Behandlung beim Zahnarzt. Foto: imago/Westend61
Die ABZ Abrechnungs- und Beratungsgesellschaft für Zahnärzte eG ist ein Rundum-Dienstleister für Zahnmediziner. Foto: imago/Westend61



1992 war bei vielen Zahnärzten im Freistaat das Maß voll. Die damalige Bundesregierung hatte sich mit der Opposition auf eine neue Gesundheitsreform, das „Gesundheitsstrukturgesetz“, geeinigt. Und das hatte es aus Sicht der Zahnärzte in sich. Es sah eine verschärfte Bedarfsplanung durch Zulassungsbeschränkungen, Preisvorschriften sowie Eingriffe in die Selbstverwaltung der Kassenzahnärztlichen Vereinigungen vor. Viele Zahnärzte witterten eine Verstaatlichung des Gesundheitswesens.

Einige von ihnen fassten damals einen drastischen Plan: Alle Zahnärzte sollten gemeinsam ihre Kassenzulassung zurückgeben und das Gesundheitssystem zusammenbrechen lassen. Sämtliche Abrechnungen für Zahnbehandlungen sollte stattdessen eine eG übernehmen – unter Umgehung der Krankenkassen. Es war die Geburtsstunde der heutigen ABZ Abrechnungs- und Beratungsgesellschaft für Zahnärzte.

ABZ eG will wirtschaftliche Bedingungen ihrer Mitglieder, der Zahnärzte, verbessern


„Das Problem an der Sache war: Eine solche Erpressung funktioniert nicht. Man kann den Staat nicht zwingen, sich auf so etwas einzulassen“, sagt 25 Jahre später Hartmut Ohm, der heutige  Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft. Obendrein wollten auch nicht genügend Zahnärzte mitmachen. Die Revolution fiel aus. Die ABZ aber gab es schon. Die Gründer besannen sich daher darauf, die Genossenschaft nicht für politische Ziele, sondern für andere Zwecke einzusetzen: Um die wirtschaftlichen Bedingungen der damals 102 Mitglieder zu verbessern.

Ansatzpunkte gab es viele – etwa die Auslagerung der Abrechnung mit Privatpatienten an die Genossenschaft. Hierbei übernimmt die ABZ Forderungen, die Zahnärzte gegenüber Privatpatienten haben und zahlt die Rechnungssumme mit einem Abschlag sofort aus. Um die Zahlung durch die Patienten kümmert sich dann allein die Genossenschaft. „Wir verschaffen dem Zahnarzt schnell Liquidität und sparen ihm Bürokratie“, sagt Ohm.

Daneben unterstützt die Genossenschaft Zahnärzte mit Beratungsdienstleistungen, beispielsweise zu Investitions- und Sanierungsmaßnahmen sowie deren Finanzierung. Die Beratung wird in letzter Zeit aufgrund des technischen Fortschritts immer wichtiger. Zur Jahrtausendwende habe noch die Faustregel gegolten, dass eine Praxis alle 25 Jahre technisch neu eingerichtet werden muss, sagt Ohm. Heute seien es nur noch 15 Jahre. Hinzu kommen zahlreiche neue Geräte, die für Zahnärzte zunehmend unerlässlich werden – beispielsweise Scanner, welche die bei Patienten unbeliebten Gipsabdrücke des Gebisses ersetzen.

„Wir sind bei der Beratung absolut unabhängig und objektiv“, sagt Ohm. Genau das könne man von einem Einrichter, der Geräte verkaufen will, nicht erwarten. Um eine Praxis auszustatten, kommen schnell Summen um 500.000 bis 750.000 Euro zusammen. Die Frage, was tatsächlich angeschafft werden muss und wie das zu finanzieren ist, hat existenzielle Bedeutung.

Demografische Entwicklung als Herausforderung für die ABZ eG


Eine weitere Herausforderung, vor der viele ABZ-Mitglieder derzeit stehen, ist der demografische Wandel: In manchen Regionen Bayerns schrumpft die Bevölkerung und damit die Zahl potenzieller Patienten. Daneben erreichen in den nächsten Jahren viele Zahnärzte das Rentenalter und finden trotz lukrativer Praxen keinen Nachfolger. „Wir bekommen zum Teil verzweifelte Anrufe von Ärzten oder Bürgermeistern, die uns fragen, ob wir einen Zahnarzt für ihre Praxis oder Gemeinde kennen“, berichtet Ohm.

Zugleich gibt es in Städten wie München eine massive Überversorgung, verbunden mit einer angespannten Ertragslage. Der Beratungsbedarf in Standortfragen sei vor diesem Hintergrund gerade bei jungen Ärzten enorm. Die ABZ hilft mit Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung, vermittelt Kontakte zu Praxen bei denen die Übergabe ansteht, entwickelt Businesspläne und bietet Seminare zu Buchhaltung und Praxisführung.

Über ihre Dienstleistungen will die ABZ zudem neue Mitglieder finden. „Auch wir als Genossenschaft merken den demografischen Wandel“, sagt Ohm. Derzeit hat die eG rund 3.300 Anteilseigner und erreicht dadurch im Schnitt jede zweite Praxis im Freistaat. Das soll so bleiben. Und dafür gibt es Ohm zufolge nur einen Weg: „Innovative Dienstleistungen und Beratung ohne Hintergedanken“.


Der Artikel ist in der November-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.