Alexander Radwan im Interview

CSU-Finanzexperte sieht Pläne zur Bankenregulierung skeptisch

23.02.2015

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan setzt sich für die Kultur der langfristigen Unternehmensfinanzierung ein. Im Interview mit "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt" spricht er über aktuelle Pläne der EU zur Regulierung von Banken in Europa und wie sie sich auf regionale Kreditinstitute in Bayern auswirken können.

Alexander Radwan (Foto: Stephan Münnich)Alexander Radwan. Foto: Stephan Münnich


Profil: Herr Radwan, es gibt Überlegungen des Baseler Ausschusses, Zinsänderungsrisiken für Banken mit mehr Eigenkapital zu hinterlegen. Dadurch würden die Mittel für die Kreditvergabe auch in Bayern drastisch reduziert. Wie bewerten Sie diese Pläne?


Alexander Radwan: Zinsänderungsrisiken hängen im Wesentlichen mit der Kernaufgabe der Banken zusammen, der Fristentrans­formation. Banken nehmen kurzfristiges Kapital entgegen und leihen es in Langfristkrediten wieder aus. Für ihre Kunden übernehmen sie dabei das Risiko, dass die Zinsen sich ändern können. Dieses Risiko bilden die Banken in einer Risiko­tragfähigkeitsberechnung ab. Grundsätz­lich prüft die Bankenaufsicht diese Be­rechnung und kann zusätzlich einen Eigenkapitalzuschlag verordnen. Dass der Baseler Ausschuss derzeit darüber nach­denkt, Zinsänderungsrisiken pauschal mit Eigenmitteln hinterlegen zu lassen, könnte die Kreditvergabe der Banken an den Mittelstand erheblich einschränken. Eine Pauschalregelung ist auch für das dreigliedrige deutsche Bankensystem weder zielführend noch wünschenswert. Darüber hinaus führt die Pauschalrege­lung zu einer Kultur von kurzfristigen Einlagen und kurzfristigen Ausleihen. Deutschland und sein Bankensystem sind bisher mit der Kultur der Langfristfi­nanzierung vorbildlich gefahren. Hier darf nicht nachgegeben werden.


Profil: Die EU­-Kommission wird womöglich den Korrekturfaktor für KMU­Kredite unter Basel III streichen. Der Faktor verhindert, dass Kredite an mittelständische Unternehmen mit mehr Eigenkapital unterlegt werden müssen. Wie werden sich die Regierungsparteien in Berlin dafür einsetzen, den Korrekturfaktor zu erhalten?

Radwan: Nahezu alle deutschen umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen sind Mittelständler. Das zeichnet Deutschland und seine Wirtschaft aus – darauf haben wir uns verlassen können, auch in der Finanz­ und Eurokrise. Der Korrekturfaktor ist von kaum vergleichbarer Wichtigkeit für den deutschen Standort. Auch die Deutsche Bundesbank sowie Erhebungen der Deutschen Kreditwirtschaft kommen zu diesem Ergebnis. Die Union ist die Mittelstandspartei, die Partei der Unternehmen. Darum werden wir uns in Berlin weiterhin für den Erhalt des Korrekturfaktors einsetzen. Ohne geht es nicht.


Profil: Ein weiteres Vorhaben mit womöglich weitreichenden Effekten für die Mittelstandsfinanzierung hierzulande ist die geplante EU­-Kapitalmarktunion. Wie stehen Sie zu den Kommissionsplänen?

Radwan: Der Vorschlag der Kapitalmarktunion sieht vor, dass sich zukünftig KMUs vermehrt über die Ausgabe von Wertpapieren finanzieren sollen. Dieses Modell passt aber nicht für Unternehmen jeder Größe. Der Zugang zu mittelstandsfinanzierenden Regionalbanken hat seine Wichtigkeit in der Vergangenheit beweisen können und muss dringend erhalten bleiben. Für viele Mittelständler ist die Kapitalmarktfinanzierung gar nicht lohnenswert und mit unnötigem Aufwand verbunden. Es muss ihnen weiterhin möglich sein, zu ihrer Hausbank zu gehen, mit der sie eine langjährige, gut funktionierende Geschäftsbeziehung unterhalten. Auf keinen Fall dürfen Regionalbanken durch diesen Vorschlag und seine mögliche Umsetzung benachteiligt werden. Auch konterkariert das Stützen auf den Kapitalmarkt im Gegensatz zur Langfristfinanzierung wieder die deutsche Kultur der geschätzten Langfristfinanzierung.


Das gesamte Interview mit Alexander Radwan lesen Sie in dier Februar-Ausgabe von "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt".