Anlageberatung: Entbürokratisierung vorantreiben

30.03.2017

Der Bundestag hat in seiner Beratung zum zweiten Finanzmarktnovellierungsgesetz („FiMaNoG“) bürokratische Entlastungen bei der Anlageberatung beschlossen. Auf Initiative der Regierungsfraktionen soll ein Bankkunde bei der Wertpapierberatung zukünftig nur noch ein standardisiertes Informationsblatt für den Produkttyp „Aktie“ erhalten. Bisher mussten Finanzdienstleister in Deutschland ihren Kunden dagegen in der Beratung für jeden Einzeltitel ein eigenes Informationsblatt aushändigen.

Die Standardisierung des Produktinformationsblatts hilft insbesondere Regionalbanken und ihren Kunden, denn sie ermöglicht eine praxistaugliche Anlageberatung. Informationsblätter sollen Anleger über die Chancen und Risiken von komplexen Finanzprodukten aufklären. Allerdings bieten produktspezifische Informationen bei einfachen Wertpapieren wie DAX-Aktien für den Anleger keinen Mehrwert. Die Erstellung verursacht lediglich zusätzlichen Aufwand, worunter kleine Institute besonders leiden.

Auch deshalb lohnt sich die Anlageberatung für viele kleine Banken kaum mehr: Die Kosten der Dokumentation im Rahmen des Anlegerschutzes verzehren mehr als 50 Prozent des entsprechenden Rohertrags. Folglich ziehen sich viele Institute aus der Wertpapierberatung zurück. Die durch die neuen Regeln angestoßene bürokratische Entlastung ist daher überfällig.

Gleichzeitig ging die bisherige Vorschrift über geltende EU-Vorgaben hinaus. Denn diese sehen Informationsblätter lediglich für komplexere Produkte wie Investmentfonds, kapitalbildende Lebensversicherungen und Zertifikate vor. Dennoch hatte die Bundesregierung an ausführlichen Informationen für einfache Finanzprodukte festgehalten. Mit der vom Bundestag vorgeschlagenen Einführung eines standardisierten Informationsblatts verlässt Deutschland endlich seinen nationalen Sonderweg. Im Sinne des Kunden sollte über weitere Entlastungen in der Anlageberatung nachgedacht und neue Regeln auf ihre Verhältnismäßigkeit überprüft werden.