Basel IV: Einschränkung der Mittelstandsfinanzierung durch neue Baseler Standards vermeiden

19.04.2018

Ausgangslage

Die verlässliche Versorgung mit Bankkrediten ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die mittelständische Wirtschaft in Bayern und der Bundesrepublik. Die langfristige Kreditvergabe verschafft Unternehmen Planungssicherheit für ihre Investitionen. Eine zentrale Rolle bei der Mittelstandsfinanzierung haben die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken inne. Jeder fünfte Euro, den Mittelstandsbetriebe 2017 als Kredit aufgenommen haben, stammt von ihnen. Für eine angemessene Absicherung der Kreditrisiken sorgen die international vereinbarten Eigenkapitalregeln des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, die in Europa mit der Eigenkapitalverordnung und –richtlinie (CRR/CRD) umgesetzt wurden. Um den Krediterfordernissen mittelständischer Betriebe Rechnung zu tragen, wurde mit dem KMU-Korrekturfaktor abweichend von den Baseler Standards die Kapitalunterlegung für Mittelstandskredite bis zu einem Volumen von 1,5 Mio. Euro um etwa ein Viertel gesenkt. Mehrere Studien haben belegt, dass diese Anpassung aus Risikogesichtspunkten gerechtfertigt ist.

Problem

Mit der im Dezember 2017 abgeschlossenen Vollendung von Basel III wurden auch die Regeln für die Eigenkapitalunterlegung von Krediten überarbeitet. Der Baseler Ausschuss erkennt jedoch nicht an, dass Mittelstandskredite besonders risikoarm sind. Deshalb ist der KMU-Korrekturfaktor weiterhin kein Bestandteil der internationalen Standards. Sollten diese in Europa 1:1 umgesetzt und der Korrekturfaktor damit abgeschafft werden, würde die Mittelstandsfinanzierung deutlich erschwert. Darüber hinaus hat der Baseler Ausschuss die Regeln für kleinteiliges Kreditgeschäft verschärft. Bisher konnten Kleinkredite mit einem Volumen bis zu 1 Mio. Euro dem sogenannten „Mengengeschäft“ zugeordnet und dadurch mit weniger Eigenkapital unterlegt werden (Risikogewicht 75% statt 100%). Die Idee dahinter: Durch die Kleinteiligkeit sinkt das Gesamtrisiko des Kreditportfolios. Nun wurde jedoch das sogenannte Granularitätskriterium gehärtet: Künftig sollen einzelne Kredite nur noch dann dem Mengengeschäft zugeordnet werden, wenn ihr Volumen geringer ist als 0,2 Prozent des gesamten Mengengeschäfts. Im Durchschnitt umfasst das Mengengeschäft einer bayerischen Volksbank oder Raiffeisenbank rund 100 Millionen Euro. Bei Anwendung des 0,2-Prozent-Kriteriums würde der Schwellenwert für die Zuordnung zum Mengengeschäft folglich auf etwa 200.000 Euro je Kredit sinken. Für alle größeren Mittelstandskredite würden die Kapitalanforderungen um ein Drittel steigen, was mit einer Verteuerung dieser Kredite einherginge. Nur vier der 244 bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken könnten noch Mittelstandskredite bis zum bisherigen Schwellenwert von 1 Mio. Euro zu günstigen Konditionen ausreichen.

Lösung

Eine Härtung des Granularitätskriteriums liefe darauf hinaus, dass ein und derselbe Kredit mit ein und demselben Risikogehalt von Bank zu Bank mit unterschiedlich viel Eigenkapital unterlegt werden muss. Kleine Regionalbanken würden im Wettbewerb massiv benachteiligt. Im Interesse des Mittelstands muss bei der Umsetzung der neuen Baseler Regeln in Europa an der aktuellen Formulierung des Granularitätskriteriums festgehalten werden.  Außerdem muss der praxiserprobte und empirisch fundierte KMU-Korrekturfaktor beibehalten werden.