Baywa-Chef Lutz im Interview

„Genossenschaftliche Wurzeln ausgesprochen wichtig“

19.05.2016

Die Baywa ist ein international tätiger Handelskonzern, der vergangenes Jahr fast 15 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet hat. Im Interview spricht Vorstandschef Klaus Josef Lutz über die genossenschaftlichen Wurzeln des Unternehmen und welche Rolle sie heute noch spielen.

Klaus Josef Lutz. Foto: Thomas Dashuber
Im Gespräch: Klaus Josef Lutz. Foto: Baywa/Thomas Dashuber


Profil: Herr Lutz, wie oft hatten Sie heute schon Kontakt mit Genossenschaften?

Klaus Josef Lutz: Spontan fallen mir zwei Situationen ein. Ich war heute Mittag im Ratskeller in München und habe dort einen Vortrag vor pensionierten Mitar­beitern der Baywa gehalten. Das sind alles Urgesteine der bayerischen Genos­senschaftswelt. Was mich beeindruckt, ist nicht nur ihre Loyalität gegenüber dem Genossenschaftswesen an sich, sondern auch gegenüber der Baywa als Unter­nehmen. Mein zweiter Kontakt mit der Genossenschaftswelt: Ich habe Geld bei der Münchner Bank abgehoben. Das ist meine Hausbank, bei der ich als gebür­tiger Münchner seit vielen Jahren Mit­glied bin.

Profil: Sie haben 2011 ein Buch mit dem Titel „Erfolgsmodell Genossenschaften“ veröffentlicht. Welche Rolle spielt dieses Erfolgsmodell für die Wirtschaft in Bayern?

Lutz: Eine sehr wichtige Rolle. Genos­senschaften sind eine tragende Säule der Sozialen Marktwirtschaft. In den vergan­genen Jahren haben wir eine Renais­sance des Genossenschaftswesens und vor allem des Wertesystems, das dahin­tersteht, erlebt. Das gilt beispielhaft nicht nur für die Energiegenossenschaften, de­ren Zahl sich stark erhöht hat. Das gilt auch für die Kreditgenossenschaften. In­folge der Finanzkrise haben sie als Zei­chen des Vertrauens ihrer Kunden einen erheblichen Liquiditätszuwachs verzeich­net und auch ihren Marktanteil im Kreditgeschäft gesteigert. Sie haben sich als Stabilitätsfaktor für Privatkunden und die mittelständische Wirtschaft erwiesen. Das gilt insbesondere auch für den länd­lichen Raum. Für einen Flächenstaat wie Bayern ist das essenziell.

Profil: Wie wichtig sind die genossenschaftlichen Wurzeln für die Baywa heute noch – und wo zeigen sie sich?

Lutz:
Wer die eigene Geschichte nicht versteht, kann die Zukunft nicht gestalten. Allein aus diesem Grund sind die genossenschaftlichen Wurzeln für die Baywa ausgesprochen wichtig. Sie zeigen sich in der Eigentümerstruktur. Sie zeigen sich in unserer nachhaltigen Geschäfts­- und Dividendenentwicklung. Sie zeigen sich darin, dass die Baywa keine „Hire und Fire“­-Mentalität an den Tag legt. Ohnehin verfolgt die Baywa einen sogenannten Stakeholder-­Value­-Ansatz. Alle Interessengruppen, die mit der Baywa zu tun haben, müssen von uns angemessen behandelt und berücksichtigt werden. Das führt natürlich hin und wieder zu Konflikten oder Widersprüchen, für die wir dann Kompromisse finden.

Profil: Eine persönliche Frage zum Schluss: Wo fühlen Sie sich wohler - bei einer Investoren-­Roadshow in London oder bei einem genossenschaftlichen Agrartag?

Lutz:
Das Schöne an meinem Job ist, dass ich im Trachtenjanker zu einer Veranstal­tung mit Landwirten gehe und dort eine Rede über die Globalisierung halte – mit bayerischem Akzent natürlich, weil ich bin ja Bayer. Anschließend geht es zum Flughafen. Dort wird der Trachtenjanker gegen einen dunkelblauen Blazer ausge­tauscht und ich fliege zu einer Analys­tenkonferenz – und sage dort das Glei­che nochmal, allerdings in Englisch.


Das vollständige Interview mit Klaus Josef Lutz ist in der Mai-Ausgabe 2016 von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen. Darin spricht der Vorstandsvorsitzende über die Krise in der Landwirtschaft und die Internationalisierung der Baywa.