Bert Van Roosebeke im Interview

Keine überzeugenden Argumente für EU-Einlagensicherung

02.12.2015

Das Vorhaben einer europäischen Einlagensicherung stößt in Deutschland auf breiten Widerstand. Bundesregierung, Bundestag und die Deutsche Kreditwirtschaft lehnen wie der GVB die Pläne der Europäischen Kommission ab. Auch das Centrum für Europäische Politik (CEP) sieht eine Vergemeinschaftung skeptisch, wie Finanzmarktexperte Bert Van Roosebeke im Interview erklärt.

Bert van RoosebekeCEP-Finanzmarktexperte Bert Van Roosebeke findet für das Brüsseler Vorhaben einer EU-Einlagensicherung keine überzeugenden Argumente.


Profil: Herr Van Roosebeke, die EU-Kommission tritt für eine europäische Einlagensicherung ein. Was halten Sie von diesem Plan?


Bert Van Roosebeke: Ein Zusammenlegen der nationalen Einlagensicherungssysteme hätte grundsätzlich theoretische Vorteile. Wie bei einer Krankenversicherung wären die Risiken besser gestreut und die Widerstandsfähigkeit wäre größer. Diese positiven Folgen kommen allerdings nur zur Geltung, wenn die sechs Bedingungen erfüllt sind, die wir in unserer Studie aufgestellt haben. Sie besagen unter anderem, dass eine europäische Einlagensicherung aus nationalen Kammern bestehen muss. Am Ende spricht daher unserer Ansicht nach viel dafür, die bereits bestehenden Regelungen beizubehalten. Diese sehen vor, dass jedes Land bis 2024 einen Einlagensicherungsfonds für seine Kreditinstitute schaffen muss, der auch über ausreichende Mittel verfügt.

Profil: Was spricht Ihrer Ansicht nach am ehesten gegen eine europäische Einlagensicherung?

Van Roosebeke: Ich sehe keinen ausreichenden politischen Willen, das Problem der Eigenkapitalhinterlegung von Staatsanleihen zu lösen. Eine Eigenkapitalhinterlegung wäre aber zwingend notwendig: Bei einer europäischen Einlagensicherung geht es darum, das Vertrauen in die jeweiligen Kreditinstitute zu stärken. Insbesondere in Südeuropa könnten Einleger daraufhin mehr Geld zu ihren Banken tragen. Damit würden diese Anleihen des jeweiligen Staats kaufen, um von momentan risikolosen Renditen zu profitieren. Gerät ein südeuropäisches Land aber in Zahlungsschwierigkeiten, müssten deutsche Steuerzahler, Einleger und Kreditinstitute für das Verhalten der südeuropäischen Banken haften. Ohne eine Hinterlegungspflicht wäre eine Einlagensicherung also kontraproduktiv, weil sie falsche Anreize setzen würde.

Profil: Die deutschen Einlagensicherungssysteme haben sich in den vergangenen Jahrzehnten bewährt. Warum lässt man etwas, das funktioniert, nicht bestehen?

Van Roosebeke: Aus Sicht der Kommission sollte das Vertrauen der Einleger in die Banken in einem echten europäischen Binnenmarkt durch eine gemeinsame Einlagensicherung überall gleich sein, um Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern. Das würde voraussetzen, dass eine deutsche Kreditgenossenschaft oder Sparkasse in direkter Konkurrenz mit einer griechischen Großbank steht. Die Frage ist nur, ob das in der Praxis wirklich relevant ist.


Das ungekürzte Interview mit Bert Van Roosebeke ist in der Dezember-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.