Bilanzpressegespräch 2017

Volksbanken und Raiffeisenbanken in Bayern setzen Wachstumskurs fort

09.03.2017

Die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken haben im Jahr 2016 ihren Wachstumskurs fortgesetzt und ihre Kapitalbasis deutlich gestärkt. Sie zählen damit zu den stabilsten Kreditinstituten Europas, wie GVB-Präsident Jürgen Gros beim Bilanzpressegespräch in München sagte.

Bilanzpressegespräch zum Geschäftsjahr 2016 der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken: Jürgen Gros, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (li.) und Alexander Büchel, Vorstand des Genossenschaftsverbands Bayern (re.)Präsident Jürgen Gros (li.) und Vorstand Alexander Büchel (re.) vom Genossenschaftsverband Bayern beim Bilanzpressegespräch 2017.



„Das Jahr 2016 war geprägt von der Verteidigung des Geschäftsmodells der Regionalbanken gegen wirtschaftliche und politische Herausforderungen“, machte GVB-Präsident Jürgen Gros bei der Vorlage der Geschäftszahlen deutlich. Er verwies auf die Belastungen durch die extreme Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Zudem kritisierte Gros den unverhältnismäßigen bürokratischen Aufwand, der die Regionalbanken erheblich belastet – ohne der Finanzstabilität zu dienen.

Dennoch hätten die Institute ihre Marktstellung behauptet und ihre Bilanzen durch den Aufbau zusätzlicher Kapitalpuffer gestärkt, so der GVB-Präsident: „Die Volksbanken und Raiffeisenbanken zählen heute zu den stabilsten Banken in Europa.“

Bayerns Volksbanken und Raiffeisenbanken vergeben 2016 so viele Firmenkredite wie nie


Die Bilanzsumme der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken stieg um 7,6 Milliarden Euro (5,2 Prozent) auf 153,5 Milliarden Euro zum Jahresende 2016. Die Kapitalbasis stärkten die genossenschaftlichen Kreditinstitute um 731 Millionen Euro (4,8 Prozent) auf einen neuen Höchstwert von 15,9 Milliarden Euro. Damit haben sie ihr Eigenkapital binnen zehn Jahren verdoppelt.

Der Bestand an ausgereichten Krediten wuchs deutlich um 4,5 Milliarden Euro (5,1 Prozent) auf 91,2 Milliarden Euro. Dabei verzeichneten die Volksbanken und Raiffeisenbanken im Firmenkundensegment ein Plus von 2,2 Milliarden Euro (5,5 Prozent) auf 43,1 Milliarden Euro - und damit die höchste jemals erzielte Bestandszunahme.

Die Kreditvergabe an Privatkunden steigerten die Kreditgenossenschaften um 2,1 Milliarden Euro (4,8 Prozent) auf 45,0 Milliarden Euro. In diesem Segment war die Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen der Treiber. „Ohne die Bremseffekte durch die missglückte Umsetzung der europäischen Wohnimmobilienkreditrichtlinie hätte die Kreditvergabe wohl noch stärker zugelegt“, hob GVB-Präsident Gros hervor.

Kunden vertrauen den bayerischen Genossenschaftsbanken


Die Zunahme der Kundengelder im vergangenen Jahr spiegelt das hohe Vertrauen der Kunden in die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken wider. Die von den Kreditgenossenschaften verwalteten Einlagen wuchsen trotz der marktbedingt niedrigen Einlagenzinsen um 5,7 Milliarden Euro (5,0 Prozent) auf 120,0 Milliarden Euro. Wie in den Vorjahren setzten die Sparer bevorzugt auf kurzlaufende Anlageformen und investierten verstärkt in Wertpapierfonds.


Videobeitrag zum Bilanzpressegespräch 2017.


„Der Einlagenzufluss ist ein Vertrauensbeweis der Kunden, aber für viele Banken kein Grund mehr zur Freude“, stellte Gros mit Verweis auf die Zinspolitik der EZB fest. Den Instituten falle es aufgrund der niedrigen Zinsen immer schwerer, mit den Geldern eine angemessene Rendite bei vertretbarem Risiko zu erwirtschaften. Sie müssten deshalb den Markt genau im Blick behalten. Gros: „Wenn Wettbewerber verstärkt Negativzinsen berechnen, müssen auch die Volksbanken und Raiffeisenbanken im Freistaat vermehrt über eine Anpassung ihrer Konditionen nachdenken. Die Institute gehen sonst das Risiko ein, von Liquidität überschwemmt zu werden.“

Volksbanken und Raiffeisenbanken in Bayern weiter auf Konsolidierung


Zudem forcierten die Volksbanken und Raiffeisenbanken ihren Konsolidierungskurs. Die Zahl der im GVB zusammengeschlossenen Institute belief sich nach 13 Fusionen im Jahresverlauf auf 260. Zugleich richteten die Genossenschaftsbanken ihre Infrastruktur an den Kundenbedürfnissen aus: Sie investierten 273 Mio. Euro unter anderem in die Modernisierung von Standorten oder den Ausbau des digitalen Leistungsangebots. Ende 2016 unterhielten die Kreditgenossenschaften 2.569 mit Personal besetzte Geschäftsstellen und damit das dichteste Filialnetz Bayerns.

Die feste Marktposition der Genossenschaftsbanken im Freistaat zeigt sich auch im Mitgliederzuwachs: So erhöhte sich die Zahl der Anteilseigner bei den Volksbanken und Raiffeisenbanken im Freistaat 2016 um rund 22.000 auf 2,669 Millionen und stieg somit das achte Jahr in Folge.

Unverhältnismäßige Bürokratie belastet Genossenschaftsbanken im Freistaat

Neben dem Zinsumfeld belasten die hohen Bürokratiekosten von jährlich rund 138 Mio. Euro Bayerns Volksbanken und Raiffeisenbanken. „Die oft undifferenzierten bürokratischen Auflagen strapazieren insbesondere die in der Mittelstandsfinanzierung starken Regionalbanken und gefährden damit die funktionierende Kreditversorgung der Unternehmen“, machte GVB-Präsident Gros deutlich.  Bei den politischen Entscheidungsträgern wachse jedoch das Bewusstsein, dass auf Verhältnismäßigkeit in der Regulierung geachtet werden muss. So plant die EU-Kommission im Rahmen der Novelle der Eigenkapital- und Liquiditätsregeln (Basel III), kleinere Banken von überzogenen Melde- und Offenlegungspflichten zu befreien.

Der GVB begrüßt den Vorschlag aus Brüssel. Der Verband spricht sich aber dafür aus, die Intensität der Regulierung nicht allein an der Bankgröße auszurichten. Gros stellte ein Konzept des Verbands vor, das auch Geschäftsmodell, Komplexität und Vernetzung von Banken berücksichtigt. Um die Finanzierung der Realwirtschaft dauerhaft zu erhalten, sei es notwendig, Regionalbanken im Rahmen der laufenden Überarbeitung von Basel III von überzogenen regulatorischen Anforderungen zu befreien. Gros: „Im Jahr der Bundestagswahl ist die Zeit gekommen, eine Bürokratiebremse für Regionalbanken einzuführen.“


 
Impressionen vom Bilanzpressegespräch 2017