Bilanzpressegespräch 2018

Volksbanken und Raiffeisenbanken in Bayern sind kerngesund

14.03.2018

Die Volksbanken und Raiffeisenbank in Bayern sind im Geschäftsjahr 2017 deutlich gewachsen, insbesondere im Kreditgeschäft mit dem Mittelstand. Auch Ergebnis und harte Kernkapitalquote legten zu, wie der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) beim Bilanzpressegespräch in München bekanntgab.

Die Vorstände des Genossenschaftsverbands Bayern, Jürgen Gros (li.) und Alexander Büchel (re.) beim Bilanzpressegespräch 2018 der bayerischen Volksbanken und RaiffeisenbankenGVB-Präsident Jürgen Gros (li.) und GVB-Vorstand Alexander Büchel (re.) beim Bilanzpressegespräch 2018 der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Bayern.


Ergebnisse der bayerischen Genossenschaftsbanken im Privat- und Firmenkundengeschäft


Das Volumen der ausgereichten Kredite steigerten die bayerischen Kreditgenossenschaften im Freistaat um 5,3 Milliarden Euro (5,8 Prozent) auf 96,5 Milliarden Euro. Die Dynamik bei den Privatkunden ließ mit einem Plus von 2,0 Milliarden Euro (4,4 Prozent) auf 47,0 Milliarden Euro im Vorjahresvergleich leicht nach. Dagegen wuchs das Firmenkundensegment um 3,2 Milliarden Euro (7,4 Prozent) auf 46,3 Milliarden Euro.

Dieses Ergebnis sei nicht allein die Folge der guten Konjunktur, sondern auch das Resultat einer intensiveren Marktbearbeitung, wie Verbandspräsident Gros vor den Journalisten betonte. Den Marktanteil im Firmenkundengeschäft weiteten die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Bayern um 0,6 Prozentpunkte auf 20,0 Prozent aus.

Bayerns Volksbanken und Raiffeisenbanken weiten Einlagengeschäft aus


Beim Einlagengeschäft haben die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken ebenfalls das Volumen ausgeweitet. Der Bestand an verwalteten Kundengeldern wuchs im Vorjahresvergleich um 4,1 Milliarden Euro und damit um 3,5 Prozent auf 124,1 Milliarden Euro. Zwar schwächte sich die Wachstumsrate damit gegenüber 2016 etwas ab, sie lag aber immer noch im langjährigen Durchschnitt. Der Marktanteil der Volksbanken und Raiffeisenbanken blieb mit 18,9 Prozent stabil. Die Refinanzierungsbasis in Form von Kundengeldern sei ein Stabilitätsanker für die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken, betonte Gros.

Die zusammengefasste Bilanzsumme der 244 Mitgliedsbanken des GVB stieg wegen des gemäßigteren Zuflusses von Kundengeldern etwas langsamer als im Vorjahr. Sie erhöhte sich um 6,6 Milliarden Euro, also 4,3 Prozent, auf 160,1 Milliarden Euro. Bayerns Volksbanken und Raiffeisenbanken befinden sich damit seit 2000 auf einem durchgehenden Wachstumspfad. Im jährlichen Durchschnitt hat die Bilanzsumme um 2,9 Prozent zugelegt.


Video-Mitschnitt: GVB-Präsident Jürgen Gros über die Geschäftsentwicklung bei den bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken.


Bayerische Genossenschaftsbanken steigern Provisionsergebnis, senken Kosten, beherrschen Risiken 


Das extreme Niedrigzinsumfeld belastete die Ertragslage der Volksbanken und Raiffeisenbanken im Freistaat 2017 weiterhin. Das Zinsergebnis als wichtigster Ertragsbringer sank im Vergleich zum Vorjahr um 70 Millionen Euro und damit um 2,3 Prozent auf 3,013 Milliarden Euro. Die Genossenschaftsbanken in Bayern haben jedoch einen noch stärkeren Rückgang durch die Ausweitung des Kreditgeschäfts verhindert. Außerdem konnten sie das Provisionsergebnis um 77 Millionen Euro (8,1 Prozent) auf 1,030 Milliarden Euro steigern.

Außerdem haben Bayerns Volksbanken und Raiffeisenbanken weiter Kosten gespart. Die Kostenspanne, also das Verhältnis von Betriebskosten zur Bilanzsumme, ist seit Jahren rückläufig. Darüber hinaus erzielten sie 2017 eine Kostensenkung in absoluter Höhe. Trotz des höheren Geschäftsvolumens haben sie die Betriebskosten um 30 Millionen Euro, und damit um 1,1 Prozent auf 2,591 Milliarden Euro verringert. Dieser Effizienzgewinn ist einem verbesserten Verhältnis von Aufwand und Erträgen zu verdanken: Um einen Euro zu erlösen, mussten die Institute 64,1 Cent einsetzen. Im Vorjahr waren es noch 64,7.

Auch ihre Risiken haben die Kreditgenossenschaften im Freistaat fest im Griff. Die Wertkorrekturen im Wertpapierbestand beliefen sich 2017 auf insgesamt 62 Millionen Euro. Sie lagen damit auf einen im langjährigen Vergleich niedrigen Wert. Im Forderungsbereich haben sie durch die gute Konjunkturlage erneut Beiträge für die Risikovorsorge in Höhe von 31 Millionen Euro aufgelöst.

Unter dem Strich weisen die Mitgliedsbanken des Genossenschaftsverbands Bayern ein Vorsteuerergebnis von 1,481 Milliarden Euro aus. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Zuwachs von 22 Millionen Euro, also 1,5 Prozent. Auch ihre harte Kernkapitalquote ist im vergangenen Jahr gestiegen: Sie hat sich um 0,5 Prozentpunkte auf auskömmliche 15,4 Prozent zum Jahresende verbessert. „Die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken sind kerngesunde Banken“, sagte GVB-Präsident Gros angesichts dieser Entwicklung beim Bilanzpressegespräch.

Ausblick für 2018: Volksbanken und Raiffeisenbanken investieren ins Kundengeschäft


Im angelaufenen Geschäftsjahr 2018 wollen die bayerischen Genossenschaftsbanken ihr Kundengeschäft weiter stärken. Deshalb planen sie Investitionen in Höhe von mehr als 230 Millionen Euro. Davon wollen sie gut 100 Millionen Euro verwenden, um digitale und traditionelle Vertriebskanäle weiterzuentwickeln, wie Gros ankündigte.

Fortschritte erwarten die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Bayern bei der politischen Debatte über eine verhältnismäßigere Bankenregulierung. „Es kommt jetzt darauf an, nicht mehr nur über die Entlastung kleinerer Kreditinstitute zu reden, sondern sie auch tatsächlich herbeizuführen“, forderte der Verbandspräsident. Er begrüßte den im November 2017 vorgelegten Berichtsentwurf des Europaabgeordneten Peter Simon: Dieser sieht unter anderem vor, Regionalbanken von überzogenen Berichtspflichten zu befreien. Diese verursachten einen erheblichen bürokratischen Aufwand, so Gros, ohne dass sie einen Mehrwert für die Finanzstabilität liefern.

Den Forderungen nach einer europäischen Einlagensicherung (EDIS) erteilte der GVB-Präsident eine klare Absage: „Ein gemeinschaftliches Haftungssystem wäre nichts anderes als das Abwälzen hausgemachter Probleme mancher europäischer Nachbarn auf Banken und Sparer in Bayern und Deutschland“. Statt über das Teilen von Haftungsrisiken nachzudenken, sei es wichtig, den hohen Anteil ausfallgefährdeter Kredite in Südeuropa nachhaltig zu senken. Gros präsentierte dazu einen Sieben-Punkte-Plan mit Maßnahmen, die Risiken abbauen und Stabilität in Europa herstellen sollen.


 

Impressionen vom Bilanzpressegespräch 2018