Bilanzpressekonferenz 2016

„Volksbanken und Raiffeisenbanken in Bayern sind dauerhaft erfolgreich“

03.03.2016

Wachstum im Kundengeschäft, das Eigenkapital gestärkt: Bayerns Volksbanken und Raiffeisenbanken haben sich im Geschäftsjahr 2015 erfolgreich am Markt behauptet. Doch regulatorische Eingriffe stellen das Geschäftsmodell der Kreditgenossenschaften zunehmend auf die Probe, wie der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) bei der Bilanzpressekonferenz deutlich machte.


Jürgen Gros (li.) und Alexander Büchel (re.) bei der Bilanzpressekonferenz 2016 der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken
Die GVB-Vorstände Jürgen Gros (li.) und Alexander Büchel (re.) bei der Bilanzpressekonferenz 2016.


„Die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken sind dauerhaft erfolgreich“, sagte GVB-Vorstand Jürgen Gros zum Auftakt der Pressekonferenz in München. „Auch das Geschäftsjahr 2015 ist insgesamt positiv verlaufen.“

Die Bilanzsumme der Kreditgenossenschaften im Freistaat stieg aufgrund des guten Kundengeschäfts im Jahresverlauf um 4,1 Prozent auf 146,8 Milliarden Euro. Das war die höchste Zuwachsrate seit 2010. Die durchschnittliche Bilanzsumme der 273 GVB-Mitgliedsbanken erhöhte sich um 7,1 Prozent auf rund 540 Millionen Euro je Bank.

Kreditvergabe an Privatkunden und Unternehmen ausgeweitet


Das Kreditgeschäft legte 2015 wie schon in den Vorjahren deutlich zu. Die Genossenschaftsbanken im Freistaat verzeichneten bei den Ausleihungen ein Plus von 5,0 Prozent auf 87,3 Milliarden Euro. Dabei verteilt sich das Kreditvolumen in etwa zu gleichen Teilen auf Privat- und Firmenkunden, wobei das Wachstum im Privatkundensegment mit 5,6 Prozent etwas höher war als im Firmenkundenbereich mit 4,6 Prozent.

Auch das Einlagengeschäft entwickelte sich erfreulich: Insgesamt hatten die Kunden den GVB-Mitgliedsbanken zum 31.Dezember 2015 gut 115 Milliarden Euro anvertraut. Das waren 4,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Ergebnis deutlich über dem langjährigen Durchschnitt


Die Ertragslage zeigte sich 2015 robust. Die Zinsspanne war erwartungsgemäß von der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank geprägt. Sie verringerte sich leicht um 1,4 Prozent auf 3,19 Milliarden Euro. Durch das Wachstum im Kreditgeschäft konnten die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken einem stärkeren Rückgang jedoch entgegenwirken, wie GVB-Vorstandsmitglied Alexander Büchel erklärte. Zudem gelang es den Instituten, das zinsunabhängige Provisionsergebnis um 6,7 Prozent auf 929 Millionen Euro zu verbessern.

Die Betriebskosten beliefen sich für das vergangene Geschäftsjahr auf 2,63 Milliarden Euro. Das Plus von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr ergab sich unter anderem durch die zunehmenden Regulierungsanforderungen und die gestiegenen Tarifgehälter. Zudem mussten die Volksbanken und Raiffeisenbanken erstmals die europäische Bankenabgabe abführen. Hierfür fielen rund 7 Millionen Euro an.

Video-Beitrag zur Bilanzpressekonferenz 2016 (zum Abspielen bitte auf das Bild klicken)



Unter dem Strich erwirtschafteten die bayerischen Genossenschaftsbanken 2015 ein bereinigtes Ergebnis vor Ertragssteuern in Höhe von 1,30 (Vorjahr: 1,49) Milliarden Euro. „Dennoch liegt das Ergebnis wie in den letzten sechs Jahren immer noch deutlich über dem Durchschnitt der Jahre 2001 bis 2014 von rund 850 Mio. Euro“, sagte GVB-Vorstand Alexander Büchel.

Damit können die bayerischen Genossenschaftsbanken ihre Kapitalbasis weiter stärken. Zum Jahresende wiesen die Institute eine komfortable Kernkapitalquote von 14,3 Prozent (2014: 13,4 Prozent) aus.

Keine Gleichmacherei der Geschäftsmodelle von Banken


GVB-Vorstand Jürgen Gros warnte bei der Pressekonferenz vor Maßnahmen auf europäischer Ebene, die das funktionierende Geschäftsmodell der Regionalbanken infrage stellen. Mit Blick auf die Pläne der EU-Kommission für eine europäische Einlagensicherung sagte Gros: „Wir erleben einen neuen Zentralismus.“ Die Idee sei gefährlich, so der GVB-Vorstand, da sie zu einer Vergemeinschaftung der ungleich verteilten Bankrisiken in Europa führe. Zudem befürchtet er, dass damit der bewährte nationale Sparerschutz in Deutschland faktisch abgeschafft würde.

Neben dem Trend zur Zentralisierung kritisierte Gros die überhandnehmenden Eingriffe in die Geschäftspolitik der Regionalbanken und ihrer Kunden. Als Beispiel nannte er die von der EU-Kommission geplante Kapitalmarktunion. Sie zielt darauf ab, die Unternehmensfinanzierung stärker auf den Kapitalmarkt zu verlagern - obwohl kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland traditionell Bankkredite bevorzugen.

„Die Entwicklung geht in eine falsche Richtung“, sagte Gros. „Zentralismus und Dirigismus in Europa befördern eine Gleichmacherei der Geschäftsmodelle von Banken.“ Der GVB spricht sich deshalb für eine strengere Qualitätskontrolle in der Finanzmarktregulierung aus. Gros begrüßte, dass EU-Kommission, Europäisches Parlament und Bundesfinanzministerium sowie Bundestag erste Schritte in diese Richtung unternommen haben.


Impressionen von der Bilanzpressekonferenz 2016