Bitcoins

Virtuelles Geld – reale Gefahr?

03.06.2013

Die Kritik an Bitcoins und anderen Internetwährungen wächst – offenbar aus gutem Grund

Bitcoins: Die Anmutung von Kasino-Jetons täuscht nicht – die digitale Währung entpuppt sich mehr und mehr als Glücksspiel. Foto: PantherMedia/Alfonso de TomasBitcoins: Die Anmutung von Kasino-Jetons täuscht nicht – die digitale Währung entpuppt sich mehr und mehr als Glücksspiel. Foto: PantherMedia/Alfonso de Tomas


Für die einen sind sie die Demokratisierung der Geldwirtschaft, für die anderen das gefährlichste Open-Source-Projekt aller Zeiten. Die Rede ist von Bitcoins, der ersten rein virtuellen Währung der Welt. Sie ist fälschungssicher, anonym und universell: Im Grunde kann jeder, der mit ausreichend Rechenkapazität ausgestattet ist, sein eigenes Geld schöpfen. Doch seit Langem schon warnen Kritiker aus unterschiedlichsten Gründen vor den virtuellen Münzen. Mittlerweile sind die Regulierungsstellen zahlreicher Staaten auf die Ersatzwährung aufmerksam geworden. 2013 könnte daher zum Entscheidungsjahr für die Zukunft des digitalen Gelds werden.


Bereits seit ihren Anfangstagen 2009 stehen Bitcoins im Kreuzfeuer der Kritik. Mitte 2011 warnte  beispielsweise der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) vor dem Open-Source-Projekt. Bitcoins böten das Potenzial, der gesamten Gesellschaft nachhaltig zu schaden. Der BVDW-Vizepräsident Christoph N. von Dellingshausen sprach sogar von „zersetzenden Kräften“, die versuchen, unabhängige Währungen zu schaffen, und prognostizierte über kurz oder lang ein Verbot der Kunstwährung durch staatliche Stellen.

Gefahren bei Bitcoins


Doch was macht Bitcoins so gefährlich? Grundsätzlich führen die Gegner des Internetgelds drei Hauptkritikpunkte ins Feld. Der erste lautet, dass das Monopol zur Geldschöpfung ausschließlich bei Staaten beziehungsweise ihren Zentralbanken liegen sollte. Denn volkswirtschaftlich betrachtet stellen Bitcoins und andere Parallelwährungen, die momentan im Netz entstehen, eine unkontrollierte Ausweitung der Geldmenge dar – mit potenziell gravierenden Auswirkungen auf den Geldkreislauf. Zwar ist die Zahl der Bitcoins auf 21 Millionen begrenzt – und diese Summe soll erst im Jahr 2140 erreicht sein. Doch haben sich mittlerweile zahlreiche Nachahmerprojekte im world wide web gebildet. Eine langfristige Zunahme der virtuellen Geldmenge zeichnet sich also ab. Das Bundesfinanzministerium, das die Entwicklung im Netz beobachtet, sieht momentan allerdings keinen akuten Handlungsbedarf.

Der zweite Kritikpunkt ist die Angst, dass Bitcoins für kriminelle Zwecke missbraucht werden könnten. Da sie über spezielle Handelsplattformen beliebig in reale Währungen konvertierbar sind und völlig anonym gehandelt werden können, sind sie in der Tat für Geldwäsche prädestiniert. Seit März unterliegen Bitcoins daher in den USA den geltenden Geldwäscheregulierungen. Zudem wecken die Bitcoins selbst Begehrlichkeiten. Im Herbst 2012 meldete die europäische Handelsplattform Bitfloor den Diebstahl von rund 24.000 Bitcoins durch Hacker.

Darüber hinaus erlaubt die Anonymität des Bezahlvorgangs, Bitcoins zum Kauf von illegalen Waren aller Art – sei es Waffen, Drogen oder Kinderpornografie
– zu nutzen. Naturgemäß ist eine Erhebung, in welchem Maß das virtuelle Geld hierzu Verwendung findet, schwer. Tatsächlich waren es zunächst vor allem Pornografie-Anbieter, die das Bezahlen mit Bitcoins ermöglichten. Mittlerweile erlauben allerdings immer mehr seriöse Internetshops und Dienstleister mit dem digitalen Geld zu bezahlen, sodass eine generelle Verortung von Bitcoins in die Schmuddelecke nicht gerechtfertigt ist.

Bildet sich eine Bitcoin-Blase?


Zuletzt steht die Frage im Raum, ob sich derzeit eine Bitcoin-Blase bilden könnte. Innerhalb eines Jahres stieg der Kurs der Parallelwährung von 5 Dollar auf ein Rekordhoch von 266 Dollar im April. Dann folgte ein Crash. Auf der größten Handelsplattform Mt. Gox stürzte der Kurs innerhalb weniger Stunden auf rund 78 Dollar. Mittlerweile liegt die Währung wieder bei einem relativ stabilen Kurs von 120 Dollar. Was zu denken geben sollte: Bis heute weiß man nicht, was den Kurssturz auslöste. Spekulationen reichen von Hackerangriffen über gezielte Zockerei eines Hedgefonds bis hin zur etwas verwegenen Erklärung, dass den Bitcoins ihr Erfolg zum Verhängnis geworden sei. Da immer mehr Menschen mit dem Internetgeld handeln würden, sei die Plattform zu langsam geworden, was Frustverkäufe nach sich gezogen habe.

Fest steht, dass Bitcoins eine hochspekulative Anlage sind – vor allem, wenn sie tatsächlich verboten werden sollten. In diesem Fall wären sie vermutlich von heute auf morgen nichts mehr wert und ein Totalverlust für die Anleger. Wobei sich hier schon eine weitere Frage stellt, die die Hilflosigkeit der Politik angesichts des Netzphänomens veranschaulicht: Wie verbietet man virtuelles Geld, das seinen Wert allein daraus zieht, dass Menschen ihm einen Wert zuschreiben?

Seit Kurzem sehen sich die Internetwährungen übrigens zusätzlich Kritik von gänzlich unerwarteter Seite ausgesetzt: Offenbar ist das Schöpfen von Bitcoins, das sogenannte Mining, ähnlich umweltschädlich wie der Rohstoffabbau in der realen Welt. Denn Bitcoins werden generiert, indem Computer hochkomplexe kryptografische Rätsel lösen – das benötigt Energie. Laut dem Nachrichtenportal Bloomberg soll das Bitcoin-Projekt jeden Tag 1.000 Megawattstunden Strom im Wert von 150.000 US-Dollar verschlingen. Ein Desaster für die Umwelt, so die amerikanische Website.


Mehr zum Thema Bitcoins:

Die Schattenwährungen ("Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt", 11/2011)