Brennereigenossenschaften

Eine eG erfindet sich neu

14.02.2014

Das deutsche Branntweinmonopol läuft Ende 2017 aus. Das stellt Brennereigenossenschaften vor große Herausforderungen. Das Beispiel der Brennerei- und Energiegenossenschaft Buchberg zeigt aber, wie man sich neu aufstellen kann.


Die Biogasanlage der Brennerei- und Energiegenossenschaft Buchberg aus der Luft.

Die Biogasanlage der Brennerei- und Energiegenossenschaft Buchberg aus der Luft.


Das deutsche Branntweinmonopol läuft in wenigen Jahren endgültig aus. Es endet nach fast 100 Jahren am 31. Dezember 2017. Die landwirtschaftlichen Brennereien stellt das schon seit Längerem bekannte Vorhaben vor große wirtschaftliche Probleme: Ohne die staatlichen Subventionen können die allermeisten von ihnen nicht überleben. Die Brennerei- und Energiegenossenschaft Buchberg hat sich daher neu aufgestellt und ihr Geschäftsmodell geändert. Der gemeinschaftlichen Rohstoffverwertung ist die eG jedoch treu geblieben.

Schon frühzeitig haben sich die Mitglieder, 14 Landwirte aus der Region um Kemnath am Buchberg, Gedanken über die Zukunft ihres Unternehmens gemacht. „Aus unserer Sicht stellt der Wegfall des Branntweinmonopols kein Problem mehr dar“, erklärt Geschäftsführer Emmeran Gebert. Bereits 2011 beschloss die Genossenschaft, eine Biogasanlage und ein Wärmeleitungsnetz zu bauen. Finanziert wurde die 2,5 Millionen Euro teure Investition mithilfe der Ausgleichszahlungen der Bundesmonopolverwaltung. Die Landwirte können dadurch weiterhin ihre Rohstoffe, etwa Mais, Gras oder Hirse, anliefern und verwerten lassen.

Die 2012 erbaute Biogasanlage lief im vergangenen Jahr zu 95 Prozent. „Allein durch die Stromeinspeisung können wir sie wirtschaftlich betreiben“, erläutert Gebert. Die bei der Fermentation entstehende Wärme wird an eine Nachbargenossenschaft, die AOVE-Bioenergie eG aus Hahnbach, verkauft. An das Leitungsnetz, das zu etwa einem Drittel bereits fertig ist, sollen 60 Haushalte angeschlossen werden. „Wir rechnen noch im laufenden Jahr mit ersten Erlösen“, so der Geschäftsführer.

Für das alte Brennereigebäude gibt es ebenfalls Weiterverwendungsmöglichkeiten. Auf dem Dach plant die Genossenschaft, eine Photovoltaikanlage zu installieren. Die Büros sollen an ein Unternehmen vermietet werden, das unter anderem Straßengras verbrennt oder Blockheizkraftwerke zur Stromerzeugung betreibt – und die vorhandenen Anlagen somit teilweise nutzen kann. „Es war klar, dass wir die Ausgleichszahlungen nicht zum Rückbau und zur Verschrottung der Brennereianlagen verwenden wollen – wir wollten die Innovation ergreifen und unseren Mitgliedern neue Möglichkeiten eröffnen“, erklärt Gebert. Das sei nur durch das genossenschaftliche Zusammengehörigkeitsgefühl möglich gewesen, so der ehemalige Verbandsprüfer: „Friedrich Wilhelm Raiffeisens Motto ,einer für alle – alle für einen‘ galt damals im Jahr 1968 bei der Genossenschaftsgründung wie auch heute.“