BürgerEnergie Essenbach und Energiewende Münsing

Eine Genossenschaft für die Gemeinde

22.07.2014

Häufig initiieren Entscheidungsträger von Gemeinden die Gründung einer Genossenschaft oder unterstützen diese. Zwei Beispiele aus Essenbach in Niederbayern und Münsing in Oberbayern zeigen, wie das geht.

Othmar Holzer (li.), Vorstandsvorsitzender der Energiewende Münsing eG, und Ernst Grünwald (Mitte): Die Kommune unterstützt die Genossenschaft durch die Zurverfügungstellung von Dachflächen.Othmar Holzer (li.), Vorstandsvorsitzender der Energiewende Münsing eG, und sein Stellvertreter Ernst Grünwald (Mitte): Die Kommune unterstützt die Genossenschaft durch die Zurverfügungstellung von Dachflächen.


In Essenbach im niederbayerischen Landkreis Landshut war es der Lärmschutzwall zur A92, der den Anstoß zur eG-Gründung gab. Dieser war wie gemacht für eine Photovoltaikanlage. Um diese Fläche gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu nutzen, schlug der damalige Bürgermeister die Gründung einer Genossenschaft vor. Bei vielen Bürgern, unter anderem bei Martin Hujber, der selbst Energietechniker ist, traf der Vorschlag auf offene Ohren. Zusammen mit anderen Bürgern und der Unterstützung des Markts Essenbach gründete er die BürgerEnergie Essenbach eG (BEE), deren Vorstandsvorsitzender er nun ist.

Mit der Solaranlage konnte die BEE von Anfang an mit einem konkreten Projekt werben. Das bescherte der Genossenschaft gleich 370 Mitglieder. Auf dieser soliden wirtschaftlichen Basis errichtete die BEE bereits eigenständig eine Photovoltaikanlage im Isartal eigenständig errichten. Die abschließenden Verhandlungen für eine weitere Freiflächenanlage laufen bereits.

Momentan erbringen die Anlagen der eG eine Leistung von siebeneinhalb Megawatt. „Um unser Ziel von zehn Megawatt zu erreichen, würden wir gerne einen Anteil eines Windparks erstehen“, sagt Hujber. Die Kommune hätte auch schon ein geeignetes Projekt in Aussicht. Doch derzeit ruht das Vorhaben wegen Einsprüchen zur Abstandsregelung im Flächennutzungsplan. Dies wurde nicht zuletzt auch ausgelöst durch den vom Bayerischen Ministerpräsidenten geforderten Mindestabstand zwischen Windrädern und Wohnhäusern.

Solaranlage der BürgerEnergie Essenbach eG: Derzeit hofft die Genossenschaft, auch im Bereich der Windenergie tätig werden zu können.Solaranlage der BürgerEnergie Essenbach eG: Derzeit hofft die Genossenschaft, auch im Bereich der Windenergie tätig werden zu können.


Trotz aller Unsicherheiten ist der Vorstandsvorsitzende optimistisch. Gerade die Rechtsform eG könne die Bevölkerung zu mehr Akzeptanz der erneuerbaren Energien bewegen. Die Unterstützung der Gemeinde stärke das Vertrauen. Damit dem weiterhin so ist, will  sich die BEE demnächst mit dem neu gewählten Gemeinderat zusammensetzen. „Ein großer Erfolg wäre es, wenn wir mit dem Gemeinderat und auf Landkreisebene eine gemeinsame Strategie für eine autarke Energieversorgung erreichen würden“, so Hujber.

Energiewende Münsing: Unabhängige Energieversorgung im Oberland

An eine unabhängige Energieversorgung glauben auch die Menschen im bayerischen Oberland. Nach dem Motto „global denken – regional handeln“ unterstützt die Bürgerstiftung Energiewende Oberland eine nachhaltige Entwicklung, um zukünftigen Generationen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen. Ein Ziel ist, dass das bayerische Oberland bis 2035 energieunabhängig wird. In diesem Rahmen bot sich die Gemeinde Münsing der Stiftung 2008 als Pilotgemeinde für eine dezentrale Energiewende an.

„Wir wollten diesen Auftrag gemeinsam mit den Bürgern realisieren“, so Ernst Grünwald, der dritte Bürgermeister: „Deshalb haben wir uns für eine gemeinnützige Genossenschaft ohne Dividendenauszahlung entschieden.“ 2010 gründeten Bürger und politische Entscheidungsträger die Energiewende Münsing eG.

Die kommunale Unterstützung ist der Genossenschaft immer sicher – allein schon durch das persönliche Engagement der Entscheidungsträger: Neben dem dritten ist auch der erste Bürgermeister Michael Grasl als Aufsichtsratsvorsitzender aktiv. Zahlreiche Gemeinderäte sind Mitglied. Auch bei den Windenergieplänen der eG engagiert sich die Gemeinde. Sie hat die notwendigen Standortanalysen veranlasst. „Mit zwei bis drei Windrädern könnten wir die Energiewende zumindest beim Strom schaffen“, sagt Grünwald. Die Politik auf Landes- und Bundesebene hat aber, wie den Essenbachern so auch den Münsingern, einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt herrschen Unsicherheit und Ablehnung. Grünwald will jedoch weiterkämpfen: „Wir müssen immer wieder verdeutlichen, dass die Genossenschaft es ermöglicht, die Energiewende so zu gestalten, wie wir Bürger es wollen.“



Alle Hintergründe zur BürgerEnergie Essenbach und zur Energiewende Münsing lesen Sie in der Juli-Ausgabe von "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt".