Bürgergenossenschaft Frauenzell

Wie eine eG eine Dorfwirtschaft wiederbelebte

24.02.2015

Die ehemalige Dorfwirtschaft in Frauenzell im Allgäu stand vor dem Verfall. Dann gründeten Bewohner der Ortschaft die Bürgergenossenschaft Frauenzell und verwandelten das Gasthaus wieder in einen sozialen Treffpunkt im Dorf.


Dorfwirtschaft Zur Traube der Bürgergenossenschaft Frauenzell
Die Dorfwirtschaft "Zur Traube" der Bürgergenossenschaft Frauenzell.


Rund drei Jahre lang beobachtete Alois Gruber aus Frauenzell im Oberallgäu, wie die Fassade des ehemaligen Dorfwirtshauses immer weiter verfiel. Dann wollte er nicht mehr zusehen: Im November 2013 gründete er mit Gleichgesinnten die Bürgergenossenschaft Frauenzell, um das Gasthaus wieder herzurichten, zu eröffnen und dem Ort einen lebendigen Treffpunkt zurückzugeben.

Das war auch dringend notwendig. Der letzte Betreiber hatte sich beruflich umorientiert. Der zweite Wirt im Ort hatte seinen baldigen Ruhestand angekündigt. Damit stand fest: Frauenzell würde bald gar keine Wirtschaft mehr haben.

Die wenigen Interessenten für das Haus hatten andere Pläne. Gerüchte von der Umwandlung in eine Wohnimmobilie bis hin zum angeblichen Interesse eines ­Rockerclubs kursierten im Dorf. Das mobilisierte die Einwohner. Sie wollten die Tradition fortführen: Schließlich existiert das Gasthaus laut einer Inschrift bereits seit 1503.

Gruber und seine Mitstreiter gründeten die Bürgergenossenschaft Frauenzell. „Bei einer eG müssen die Mitglieder im Gegensatz zum Verein nur einmalig einen Beitrag zahlen“, so der Vorstand der Genossenschaft: „Damit stand uns von Anfang an Kapital zur Verfügung.“

Bürgergenossenschaft Frauenzell stemmt Renovierung mit Einlagen und Ehrenamt


Mit den Einlagen der rund 200 Mitglieder konnten Gruber und seine Kollegen die Umbauarbeiten bezahlen. Viele engagierten sich darüber hinaus handwerklich: „Es kamen weit über 3.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden zusammen“, erzählt Gru­ber. Insbesondere die Fassade wurde erneuert. Außerdem bauten die Frauenzeller eine neue Küche ein. Der Hauskauf selbst wurde über einen Kredit finanziert. Für den Betrieb des Gasthauses wurde aus Haftungsgründen eine GmbH gegründet.

Die Dorfwirtschaft „Zur Traube“ – wie sie bereits vor Hunderten von Jahren hieß – hat Ende Mai 2014 wiedereröffnet. Das Wirtshaus bietet Platz für 90 Personen. Im Sommer können sich die Gäste auch in einem Biergarten niederlassen. „Mit unseren Wirtsleuten haben wir einen Glücksgriff gelandet“, sagt Gruber. Das polnische Ehepaar bietet gutbürgerliche bayerische Küche an, zubereitet aus regionalen Zutaten. 

Gruber ist nicht nur kulinarisch zufrieden: Das Wirtshaus ist gut besucht, unter anderem von den örtlichen Vereinen. Einige Gäste kommen sogar aus dem nahe gelegenen Baden­-Würt­temberg. Sonntags wird regelmäßig der Platz knapp. Dank der Genossenschaft hat Frauenzell nun wieder einen sozialen Treffpunkt und einen schöneren Ortskern.


Die Bürgergenossenschaft Frauenzell ist nicht das einzige Beispiel, bei dem engagierte Einwohner eine Dorfwirtschaft wiederbelebt haben. Auch bei der Friedrich Wilhelm Raiffeisen Dorf leben eG oder beim genossenschaftlichen Projekt "Ein Dorf wird Wirt" konnten Bürger mit Hilfe der eG ihren sozialen Treffpunkt im Ort erhalten.


Blick ins Wirtshaus