Carsharing bei bayerischen Genossenschaften

Autos leihen bei der eG

05.12.2017

Immer mehr Menschen wollen kein eigenes Auto besitzen, sondern lieber eines teilen. Darauf reagieren bayerische Genossenschaften und bieten Carsharing an. Vier Angebote im Überblick.

Kein eigenes Auto mehr besitzen, und nur noch bei Bedarf eines ausleihen: Das ist das Carsharing-Prinzip. Immer mehr Menschen testen solche Dienste oder nutzen sie regelmäßig. Anfang 2017 waren deutschlandweit rund 1,7 Millionen Kunden bei Carsharing-Anbietern registriert. Das sind laut dem Bundesverband Carsharing knapp 1 Million mehr als vor drei Jahren.

Auch in Bayern werben viele Dienstleister um Kunden, darunter die Marktführer DriveNow und Car2Go. Die Angebote sind jedoch oftmals auf München beschränkt. In anderen Städten oder auf dem Land springen andere Unternehmen in die Bresche. Bayerische Genossenschaften zum Beispiel, die ebenfalls Potenzial sehen. Mit Carsharing wollen sie die Energiewende vorantreiben und den Bürgern zeigen, dass es ohne Zweitwagen geht.

1. Regional Versorgt – Energie- und Nahversorgung in Bürgerhand eG: Leihwagen auf dem Land durchsetzen


Im mittelfränkischen Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim gibt es viele kleine Orte, die ohne Nahversorgung und Nahverkehr auskommen müssen. Deshalb bietet die Regional Versorgt eG seit 2012 allen interessierten Menschen Carsharing an. Sie stellt dafür einen Seat Ibiza bereit. „Wir möchten den Bürgern, die sich kein eigenes Auto leisten können oder wollen, die Möglichkeit geben, mobil zu bleiben“, sagt Vorständin Christine Krämer.

Den Nutzern stehen verschiedene Tarifmodelle zur Auswahl. Ein Beispiel: Wer das Auto nur ab und zu fahren möchte, wählt den „SmartTarif“. Dann werden eine monatliche Grundgebühr von 10 Euro, ein Jahresbeitrag von 30 Euro und eine einmalige Anmeldegebühr von 60 Euro fällig. Eine Stunde Fahrt kostet 2,50 Euro, der ganze Tag 29 Euro. Der Seat stand von 2012 bis November 2017 an einer festen Station in Emskirchen.

Da der Markt mittlerweile besser an den Schienen-Nahverkehr angebunden ist, hat sich die Genossenschaft entschieden, den Wagen ins 40 Kilometer entfernte Uffenheim zu verlegen. „Wir rechnen damit, dass hier mehr Menschen einen Leihwagen benötigen“, sagt Krämer. Die Regional Versorgt sieht sich damit in einer Vorreiterrolle und hofft, dass sich Carsharing auch im ländlichen Raum durchsetzt.

Seat Ibiza, Carsharing-Wagen der Regional Versorgt eGCarsharing im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim: Bei der Regional Versorgt eG fahren die Kunden einen Seat Ibiza.


2. Carsharing bei der Energiegenossenschaft Fünfseenland

Das Fünfseenland zwischen Ammersee und Starnberger See zählt zu den wohlhabendsten Regionen Bayerns. Mehr Menschen als anderswo besitzen ein Zweit- oder Drittauto. Das möchte die Energiegenossenschaft Fünfseenland ändern und die Bürger für Carsharing begeistern. „Wir wollen die klimaneutrale Mobilität vorantreiben“, sagt der Vorstandsvorsitzende Gerd Mulert.

Um das zu erreichen, kooperiert die Genossenschaft mit zwei Partnern: dem Bauunternehmer Jochen Kirschner und dem Mobilitätsunternehmen Wunjoo. Die Genossenschaft hat vor rund einem Jahr zwei Elektroautos – jeweils Renault Zoe – gekauft und an Kirschner vermietet. Er zahlt dafür monatlich einen festen Betrag. Die beiden Fahrzeuge stehen vor Mehrfamilienhäusern in Starnberg und in Berg. Nur deren Bewohner können das Auto mieten.

Die Entscheidung für dieses Modell hat Hausbesitzer Kirschner getroffen, der den Mietern eine Zusatzleistung anbieten möchte. Wenn die Mieter das Auto nutzen wollen, können sie es per Smartphone auf einer Serviceplattform reservieren, die Wunjoo bereitstellt. Eine Stunde kostet 4,95 Euro. Bei den Bewohnern sei das Angebot gut angekommen, mit den Nutzerzahlen ist Bauunternehmer Kirschner zufrieden. Unabhängig davon plant die Energiegenossenschaft, weitere E-Autos anzuschaffen. Diese sollen dann nicht mehr einem festen Kreis, sondern allen Interessierten zur Verfügung stehen. 

Schwarzer Renault Zoe, Carsharing-Wagen der Energiegenossenschaft Fünfseenland
Die Energiegenossenschaft Fünfseenland setzt beim Carsharing auf den Renault Zoe.


3. Bürger-für-Bürger-Energie eG gewinnt Mitglieder durch Carsharing

Die Bürger-für-Bürger-Energie eG mit Sitz im oberfränkischen Neunkirchen will den Menschen in der Region zeigen, dass sie keinen Zweitwagen benötigen. Deshalb hat sie im April 2017 einen Renault Zoe angeschafft. Vom Bund gab es 2.000 Euro als Förderung, der Händler gab einen Rabatt in gleicher Höhe. Den restlichen Betrag, 18.000 Euro, stemmte die eG aus Eigenmitteln.

Der Wagen kann über eine Buchungsplattform gemietet werden. Mitglieder der Genossenschaft zahlen pro Stunde 3 Euro oder am Tag 30 Euro, Nicht-Mitglieder 4 Euro pro Stunde oder 40 Euro am Tag. Wenn es nicht benötigt wird, steht das Auto auf einem Parkplatz im Zentrum von Neunkirchen. Rund fünfmal pro Woche ist der Wagen im Einsatz.

„Die Menschen, die das Auto nutzen, sind sehr glücklich über unser Angebot“, sagt Vorständin Barbara Cunningham. Bereits drei neue Mitglieder hat die Genossenschaft durch das Carsharing gewonnen. Um Zusatzeinnahmen zu generieren, dient der Renault als Werbefläche. Derzeit loten die Vorstände aus, ob es in den Nachbarorten ebenfalls Bedarf gibt. 

Renault Zoe, Carsharing-Wagen der Bürger-für-Bürger-Energie eG
Auch die Bürger-für-Bürger-Energie eG verwendet fürs Carsharing einen Renault Zoe.


4. Kommunale Energie Regensburger Land eG (KERL eG) baut Carsharing-Projekt aus

Von Sommer 2015 bis Sommer 2017 hat die KERL eG, ein Zusammenschluss des Landkreises Regensburg sowie aller 41 Landkreisgemeinden, getestet, wie Carsharing in der Region ankommt. Mit Erfolg: Die drei E-Autos, zwei BMW i3 und ein VW e-Golf, legten insgesamt über 90.000 Kilometer zurück. Nutzen konnten die Leihautos nicht nur die Bürger, sondern auch die Mitarbeiter der Kommunen und des Landratsamts für ihre Dienstfahrten. Eine Stunde Fahrt kostete 5 Euro, ein Tag 25 Euro. Projektkoordinatorin Maria Politzka ist zufrieden.

„Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten, unsere Erwartungen wurden voll erfüllt“, sagt sie. Deshalb hat die Genossenschaft entschieden, das Projekt auszubauen. Anfang 2018 sollen weitere E-Autos angeschafft werden, die standortgebunden in sieben Landkreisgemeinden für zwei Jahre zur Verfügung stehen. Die Nutzer können die Fahrzeuge nach einer einmaligen Registrierung online reservieren. Mit rund 150 öffentlich zugänglichen Ladepunkten steht in der Region Regensburg die passende Infrastruktur bereit.

Weißer VW e-Golf, Carsharing-Wagen der Kommunale Energie Regensburger Land eG (KERL eG)
Die KERL eG hat für ihr Carsharing-Angebot unter anderem einen VW e-Golf im Fuhrpark.



Der Artikel ist in der Dezember-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.