Chancen der Datenanalyse für Banken

26.08.2020

Die ABG bietet für bayerische VR-Banken das Spezialprogramm „Zertifizierter Datenanalyst“ an. Einer der Referenten, Christoph Gschnaidtner von der TU München, erklärt, warum sich die Teilnahme lohnen kann.

Herr Gschnaidtner, Daten sind das Gold des digitalen Zeitalters. Was macht Daten so wertvoll?

Christoph Gschnaidtner: In der Tat hört und liest man sehr oft von Daten als dem Gold des 21. Jahrhunderts. Dies ist aus meiner Sicht jedoch irreführend, da Daten, anders als Gold, an sich nur bedingt wertvoll sind. Was Daten so bedeutend macht, sind die potentiellen Informationen, Zusammenhänge und Erkenntnisse, die sich aus ihnen ableiten lassen. Vor diesem Hintergrund würde ich bei Daten eher die Analogie zum Rohöl herstellen: Dieses muss zunächst gefördert und aufwendig weitverarbeitet und veredelt werden. Auch Daten liefern erst wertvolle Erkenntnisse, wenn Menschen sie aufbereiten und nutzbar machen. Und hierfür sind vor allem die Fähigkeiten eines Datenanalysten gefordert.

Welche Chancen bieten sich für Unternehmen durch Datenanalysen?

Gschnaidtner: Die Möglichkeiten, die sich durch eine umfassende Analyse von Unternehmens- und Kundendaten ergeben, sind mannigfaltig – natürlich immer unter Berücksichtigung der rechtlichen Vorgaben, zum Beispiel durch die Datenschutz-Grundverordnung. Die Ergebnisse aus der Datenanalyse erlauben ein konsequentes Kunden-Profiling, das zum Beispiel zielgerichtete Marketingkampagnen oder individualisierte Kundenansprachen ermöglicht und damit kostenintensive Streuverluste verhindert. Zudem lassen sich durch die systematische Auswertung von internen Daten unnötige Kosten identifizieren und einsparen, zum Beispiel durch die Verbesserung von Prozessen.

Christoph Gschnaidtner, TU München

Was für Vorteile gibt es konkret für Banken?

Gschnaidtner: Im Finanzsektor ermöglicht die Verwendung von speziellen Methoden der Datenanalyse eine effizientere Vertriebssteuerung und hilft dabei, Kunden und deren Bedürfnisse besser zu verstehen sowie darauf aufbauend maßgeschneiderte Bedarfsportfolien zu entwickeln und anzubieten. Ebenso können Kundengewinnungs- und Kundenbindungskampagnen in Hinblick auf deren Erfolg analysiert, bewertet und verbessert werden. Bei allen Maßnahmen ist stets zu beachten, dass Daten und die Datenanalyse grundsätzlich Mittel zum Zweck sind. Fokus und wesentliches Ergebnis einer umfassenden Datenanalyse müssen datenbasierte Entscheidungsfindungen, eine datengestützte Herleitung der Unternehmens-, Bereichs-, beziehungsweise Vertriebsstrategien und letztlich bedarfsbezogene Produktabschlüsse sein.  

Sie sind einer der Referenten des Programms „Zertifizierter Datenanalyst“. Welche Inhalte werden Sie dort präsentieren und warum kann sich die Teilnahme für Mitarbeiter in der Vertriebssteuerung der Volksbanken und Raiffeisenbanken lohnen?

Gschnaidtner: Ganz allgemein geht es in dem Programm darum, die Bedeutung und Möglichkeiten der Datenanalyse darzustellen. Dabei weisen die Inhalte einen hohen Praxisbezug auf, da die Fallstudien aus dem Alltag der Banken entnommen sind. Ein weiteres wichtiges Ziel des Programms ist, die Methodenkompetenz der Teilnehmer weiterzuentwickeln. Meine Aufgabe im Rahmen des Programms besteht darin, die Methoden und Konzepte der Datenanalyse im Detail vorzustellen. Konkret bedeutet dies, dass die Teilnehmer neben den Grundlagen der Datenerhebung und -auswertung vor allem fortgeschrittene statistische Verfahren sowie Techniken des sogenannten „maschinellen Lernens“ kennen, verstehen und anwenden lernen. Dazu zählen unter anderem Klassifizierungsalgorithmen wie Random Forest, Support Vector Machines (SVM) oder k-Nearest Neighbors sowie Deep Learning Methoden wie Artificial Neural Networks (ANN) oder Deep Neural Networks.

Wie können die Absolventen des Programms ihr gelerntes Wissen im Alltag praktisch einsetzen?

Gschnaidtner: Zum einen können sie Anwendungsfelder für die betrachteten Methoden in der eigenen Bank identifizieren. Zum anderen haben sie das Rüstwerkzeug, um aus den vorhandenen Daten neue Potentiale zu schöpfen, die ein zielgerichtetes und effizientes Vorgehen – besonders im Vertriebsmanagement – ermöglichen. Um zur am Anfang erwähnten Analogie zurückzukehren: Durch die Teilnahme am Programm erhalten die Bankmitarbeiter das Methodenwissen sowie die Fähigkeit, das Rohöl des 21. Jahrhunderts zu veredeln und für die Fortentwicklung des eigenen Kreditinstituts einzusetzen.

Herr Gschnaidtner, vielen Dank für das Gespräch!

Weiterführende Informationen zum ABG-Spezialprogramm „Zertifizierter Datenanalyst“ finden Sie auf der Webseite der ABG.

Mehr zum Thema können Sie in „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ lesen.