Craft Beer

Boom am Hopfenmarkt

15.12.2014

Der Trend zum "Craft Beer" mischt derzeit international die Brauereiszene auf. Die "handgemachten" Biere sind oft kräftiger und aromatischer, was an dem hohen Hopfengehalt liegt. Davon profitiert die Hopfenverwertungsgenossenschaft Hallertau (HVG).

Craft BeerAuswahl verschiedener Craft-Beer-Sorten: Der Trend zu den charakteristischen Brauerzeugnissen sorgt für einen Nachfrageboom am Hopfenmarkt.



Sie heißen Indian Pale Ale, English­-Style Porter oder Belgian­-Style Fruit Sour Ale. Die Rede ist von den Produk­ten der "Craft-­Brewer". So nennt man die kleinen, unabhängigen Brauereien – vor­wiegend in den Vereinigten Staaten – die seit den 1970er Jahren den Biermarkt aufmischen. Zu ihnen zählen rund 97 Prozent der 1.500 US­-Brauereien. Das Wort „craft“ bedeutet übrigens Hand­werk. 

Tatsächlich sind Craft­-Biere oft kräf­tiger, aromatischer und geschmacklich facettenreicher als die gängigen Brauerzeugnisse aus dem Getränkemarkt. Der Grund ist der hohe Hopfenanteil dieser Biere. Dank ihm profitiert die Hopfen­verwertungsgenossenschaft Hallertau (HVG) vom Trend in den USA und an­deren Ländern.

Craft-Biere benötigen ein Vielfaches an Hopfen

Zwar machen Craft­-Biere momentan nur 10 Prozent des amerikanischen beziehungsweise 1 Prozent des weltweiten Bierausstoßes aus. Ihre Herstellung be­nötigt allerdings fünf­- bis zehnmal soviel Hopfen wie handelsübliches Bier. Sie verbrauchen daher bereits 12 bis 15 Pro­zent der weltweiten Hopfenproduktion. „Die ganze Bier­- und Hopfenindustrie schaut deshalb momentan gespannt auf dieses eine Prozent des Biermarkts“, sagt Johann Pichlmaier, der Vorstand der HVG. Die Genossenschaft ist einer der weltweit führenden Händler des Dol­dengewächses.

Sollte die Craft­-Brew­-Industrie das sprunghafte Wachstum der letzten Jahre fortsetzen, mischt das die Karten auf dem Hopfenmarkt neu. Wenn ihr Anteil auf 2 oder 3 Prozent des internationalen Bierausstoßes steigt, könnten wirtschaftlich interessante Zei­ten für die Hopfenbauern in der Haller­tau anbrechen.

„Ich bin optimistisch, aber nicht eu­phorisch“, sagt Pichlmaier. „Denn ers­tens ist nicht gesichert, dass die Craft­-Brewer in den USA ihre starken Wachs­tumszahlen einfach so fortsetzen kann.“ Zweitens erwartet der Experte, dass die Brauereien früher oder später an der Ef­fizienzschraube drehen und versuchen, ihren enormen Hopfenverbrauch durch neuartige Brauverfahren zu senken. Dennoch stehen die Chancen gut, dass die Hallertauer Hopfenbauern vom neuen Trend profitieren können.

Die Hallertau könnte vom Craft-Beer-Trend profitieren

Seit 2012 wachsen in der Hallertau neue Züchtungen, die mit ihren starken Fruchtnoten eher den Bedürfnissen der Craft­-Brewer entsprechen als traditio­nelle deutsche Sorten. „Bislang handeln wir jedoch nur 10 bis 15 Prozent des Hopfens, den US-Microbrauereien ver­werten. 80 Prozent des Markts gehört amerikanischen Anbietern“, sagt Pichl­maier.

Damit dies nicht so bleibt, unter­stützt die Genossenschaft Züchter – auch finanziell – bei der Entwicklung neuer Sorten. Zudem weitet das Unter­nehmen seine Vertriebswege aus. Die HVG setzt dabei auf die Kooperation mit lokalen Partnern, um ihre Produkte auch zur entlegensten Brauerei zu lie­fern.

Auch vor Deutschland macht der Trend nicht halt: In vielen Großstädten entstehen Microbraue­reien und auch etablierte Hersteller gehen mit stark ge­hopften Spezialbieren auf den Markt. Und wer weiß: Vielleicht fragen internationale Bierken­ner bald lieber nach einem Bavarian Style Pale Lager oder einem schönen South German-­Style Hefeweizen amber.