Deutsches Aktieninstitut

Banken ziehen sich aus Aktienberatung zurück

30.09.2014

Eine Umfrage des Deutschen Aktieninstituts (DAI) hat ergeben, dass sich wegen der Bankenregulierung immer mehr Kreditinstitute aus der Beratung zu Einzel­aktien zurückziehen. „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ sprach dazu mit Christine Bortenlänger, geschäftsführender Vorstand des DAI. Sie erklärt, warum sie diese Entwicklung kritisch sieht und welche Folgen das für deutsche Anleger hat.


Christine Bortenlänger, geschäftsführender Vorstand des Deutschen AktieninstitutsChristine Bortenlänger


Profil: Nur noch wenige deutsche Kreditinstitute bieten ihren Kunden eine umfassende Aktienberatung an. Sind die Anleger hierzulande deshalb „Aktienmuffel“ ohne jegliche Aktienkultur?


Christine Bortenlänger: Diese Frage spricht zwei wichtige Aspekte an. Erstens: Wir wissen, dass die Deutschen we­nig Grund- ­und Erfahrungswissen im Umgang mit Aktien haben. Zweitens: Unsere Umfrage „Regulierung drängt Banken aus der Aktienberatung“ hat ergeben, dass mehr als jedes fünfte Kreditinstitut diese Dienstleistung nicht mehr anbietet. Bei zwei von drei Banken ist die Zahl der Kundengespräche gesunken. Wenn diese beiden Punkte zusam­mentreffen, kommt man zu folgendem Ergebnis: Die Bankkunden werden zunehmend gezwungen, ihre Anlageentscheidungen ohne die Hilfestellung eines fachkundigen Beraters zu treffen – was sie wegen ihres geringen Finanzwissens allerdings nicht gerne machen.

Profil: Als Grund für den Rückzug aus der Aktienberatung führt die Umfrage die zunehmende Regulierung an. Welche Neuerungen machen die Teilnehmer konkret verantwortlich?


Bortenlänger: Es sind die Vielzahl und die Wechselwirkungen der Regulierungsmaßnahmen, die den Beratungs­prozess bei Aktien künstlich verteuern. In unserer Studie haben wir Fragen zu mehreren konkreten Neuerungen gestellt. Insbesondere das Beratungsprotokoll, das Produktinformationsblatt (PIB) beziehungsweise die Geeignetheitsprüfung wurden dabei als problematisch bewertet. Aufgrund der Ergebnisse fordern wir, dass beispielsweise erfahrene Kunden auf ein Beratungsprotokoll zur Aktienanlage verzichten können. Darüber hinaus sollte das Produktinformationsblatt, das derzeit für jede Einzelaktie vorgeschrieben ist, wieder abgeschafft werden. Denkbar wäre stattdessen, ein PIB für Aktien einzuführen, das allgemein über die Chancen und Risiken der Anlageform aufklärt.

Profil: Welche Nachteile hat der Rückzug aus der Aktienberatung für die deutschen Anleger?


Bortenlänger: Der Anleger wird bei seiner Wertpapierentscheidung alleine gelassen, weil der Bankberater als Vertrauensperson, Wissensvermittler und Ideengeber fehlt. Papierstapel mit Protokollen und Produktinformationsblätter verunsichern den Kunden und erschweren den Beratungsprozess. Auch Selbstentscheider schätzen einen Diskussionspartner, mit dem sie einen Kauf oder Verkauf abwägen können. Wenn die Kreditinstitute diese Beratungsleistung nicht mehr anbieten, gehen ihnen am Ende unter Umständen Kunden verloren.



Das vollständige Interview mit Christine Bortenlänger lesen Sie in der Oktober-Ausgabe von "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt".

Auf der Webseite des DAI gibt es die Studie zur Aktienberatung zum Download.