Deutsches Kompetenznetzwerk betriebliche Altersversorgung eG

Komplex wie ein Organismus

12.10.2016

Bei der betrieblichen Altersversorgung haben die Unternehmen nicht nur die Wahl zwischen verschiedenen Produkten. Sie müssen auch die Finanzierung für einen langen Zeitraum im Voraus planen. Eine junge Genossenschaft hilft ihnen dabei.

Vorstand Ralf Weissenfels von der Deutschen Kompetenznetzwerk betriebliche Altersversorgung eG bei einem Vortrag über das komplexe Thema Altersversorgung.

Obwohl bis zur Bundestagswahl 2017 noch einige Zeit ins Land geht, wirft sie bereits jetzt ihre Schatten voraus – zum Beispiel in Form des Dauerthemas Rente und Altersvorsorge. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles etwa hat mitgeteilt, die betriebliche Altersversorgung (bAV) pünktlich zur Wahl 2017 flächendeckend massiv ausbauen zu wollen. „Diese Ankündigung hat viele Unternehmen stark verunsichert“, sagt Andreas Jakob, Vorstand des Deutschen Kompetenznetzwerks betriebliche Altersversorgung eG (DK bAV) mit Sitz in Würzburg.

Der Grund: die enorme Komplexität des Themas. Die Unternehmen haben nicht nur die Wahl zwischen etlichen verschiedenen Produkten zur betrieblichen Altersversorgung, sondern müssen auch die Finanzierung für einen langen Zeitraum im Voraus planen und berechnen. Gleichzeitig gibt es eine Vielzahl an arbeits-, sozialversicherungs- und steuerrechtlichen Vorschriften zu beachten. „Das ist so  komplex wie ein menschlicher Organismus“, sagt Jakob. Wie beim Menschen gebe es daher auch bei der betrieblichen Altersversorgung „Fachärzte“ für die  verschiedenen Bereiche.

Kompetenzen bündeln


Diese Experten unter einem Dach zu bündeln, ist der Zweck der DK bAV. Damit will die 2014 gegründete Genossenschaft für ihre Kunden eine individuell abgestimmte Beratung zu allen Themen rund um die betriebliche Altersversorgung ermöglichen. Je nach Fall können dann die unterschiedlichen Experten aus dem Netzwerk hinzugezogen und beauftragt werden. Mit diesem Konzept ist die Genossenschaft der bisher einzige Anbieter in Deutschland. Für die Kunden hat das Modell den Vorteil, dass sie einen einzigen Ansprechpartner haben, der alle Themenfelder abdecken kann und Lösungen aus einer Hand bietet. Bisher mussten die Kunden ihre Experten je nach Themengebiet selbst suchen und koordinieren.

Um als Experte von der Genossenschaft zu einem Beratungsauftrag hinzugezogen zu werden, ist die Mitgliedschaft erforderlich. Dafür wiederum ist mehrjährige Berufserfahrung und   die Spezialisierung auf die betriebliche Altersversorgung notwendig. Unter den zwölf Mitgliedern sind unter anderem Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Renten-  und Steuerberater, Versicherungsmakler sowie Finanzmathematiker mit jeweils zwischen zwei und 30 Mitarbeitern. Neben der fachlichen Qualifikation achtet die Genossenschaft bei der Aufnahme ihrer Mitglieder zudem auf deren Reputation und Unabhängigkeit. „Neutralität ist unser oberstes Verkaufsargument“, sagt Vorstand Jakob. Man werde nur dann weiterempfohlen, wenn man als neutral  wahrgenommen werde.

Handwerker und Konzerne


Hat ein Neumitglied die strengen Aufnahmekriterien erfüllt, profitiert es neben den Aufträgen, die es über die DK bAV erhält, auch vom einheitlichen Markenauftritt. Die Marke wird zudem aktiv gepflegt, beispielsweise durch eine jährliche Fachkonferenz. Dass sie in das Netzwerk der Genossenschaft eingebettet sind, bringt den Mitgliedern noch einen weiteren Vorteil: Sie können Aufträge annehmen und akquirieren, deren Umfang sie allein überfordern würde. In diesen Fällen übernimmt die DK bAV die Federführung und zieht andere Mitglieder zur Beratung hinzu. Eine Größenbeschränkung bei den Kunden gibt es deshalb nicht. „Wir beraten sowohl Handwerksbetriebe als auch international tätige Konzerne“, sagt Jakob.

Die Vorgehensweise ist in allen Fällen ähnlich. Am Anfang stehen die Analyse sowie ein umfassender Austausch mit dem Auftraggeber. Auf dieser Basis werden dann die Ziele – etwa eine betriebliche Altersversorgung einzuführen oder zu modifizieren – gemeinsam festgelegt.

In der nächsten Phase erarbeiten die von der eG beauftragten Experten nach den Vorgaben des Kunden individuell abgestimmte Konzeptvorschläge und Verträge. Hat sich der Auftraggeber für ein Konzept entschieden, implementiert es die DK bAV im Betrieb. Ist der Auftrag abgeschlossen, besprechen die Genossenschaft und die beteiligten Mitglieder das Ergebnis mit dem Kunden und schärfen gegebenenfalls nach.

Das Konzept kommt offenbar an: „Die Zahl der Anfragen wächst stetig“, sagt Jakob. Unter den Kunden seien neben kleinen Unternehmen mittlerweile sogar Konzerne und große Pensionskassen. Und kommt die Reform zur betrieblichen Altersversorgung, dürften es noch mehr werden.

Der Artikel ist in der Oktober-Ausgabe von "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt" erschienen.