DEWE Brünofix

Produktionsstätte mit Säurebad

27.09.2016

Vor vier Jahren wechselte DEWE Brünofix aus Unzufriedenheit die Bankverbindung. Mit der Raiffeisenbank Roth-Schwabach fand der fränkische Mittelständler einen neuen Partner, der den Wachstumskurs begleitet.

DEWE Brünofix

Vor der Brünieranlage (v. li.): Der Leiter der Firmenkundenbank Ralph Weber sowie Firmenkundenbetreuer Gerhard Enzenhöfer von der Raiffeisenbank Roth-Schwabach mit Brünofix-Geschäftsführer Ralf S. Schmidt.

Die neue Lager- und Produktionshalle der DEWE Brünofix GmbH in Rednitzhembach sieht von außen unscheinbar aus. Doch im Inneren wird deutlich, dass dort ein innovativer Mittelständler zu Werke geht: In Behältern so groß wie Badewannen blubbern dunkelfarbige Säuren, es riecht nach Chemikalien. Über den Becken fährt eine zimmerhohe Maschine wie in der Autowaschstraße auf und ab. Sie stellt Körbe mit Metallteilen in die Säurebäder und holt andere schwarzgefärbte Werkstücke scheinbar planlos in unregelmäßigen Zeitabständen wieder heraus. „Doch, doch, die Maschine weiß genau, wann ein Korb ins Säurebad und wieder hinaus muss“, sagt Brünofix-Geschäftsführer Ralf S. Schmidt und lacht.

Was auf den ersten Blick nach Zufallsprinzip aussieht, heißt „Brünieren“ und ist die Kernkompetenz des mittelfränkischen Unternehmens. Bei dem ausgereiften Verfahren werden Metallteile mit einer Schutzschicht aus Mischoxiden überzogen, um Korrosion zu vermeiden. Es hat aber noch mehr Vorteile: Auf brünierten Elementen verteilen sich Flüssigkeiten besser, beispielsweise der Ölfilm in Autogetrieben. Das schont das Metall und reduziert Reibungsverluste. Die Teile finden vor allem in Motoren und Getrieben Verwendung: Autos, Windkraftanlagen oder Walzwerke zählt Schmidt zu den häufigsten Einsatzgebieten der brünierten Produkte.

Über 1.000 Kunden in 25 Ländern


Eigentlich war das Brünieren schon totgesagt. Doch DEWE Brünofix fand vor rund 15 Jahren eine Lösung, um den Prozess für die Massenproduktion tauglich zu machen. Heute ist das 1905 gegründete Unternehmen der europaweit einzige Systemanbieter, der nicht nur die für das Brünieren notwendigen Chemikalien verkauft und im Auftrag von anderen Unternehmen selbst brüniert, sondern auch die Anlagen konzipiert, vertreibt und wartet. Eine Brünofix-Maschine kann heute bis zu acht Körbe mit Metallteilen steuern. Zudem bietet der Mittelständler weitere Lösungen bei der Oberflächenbearbeitung an.

Die Nachfrage ist groß: Nachdem vor 15 Jahren rund 20 Mitarbeiter bei Brünofix gearbeitet haben, sind es heute 69. Auch der Umsatz wuchs rasant und betrug im letzten Jahr über 7 Millionen Euro. Brünofix beliefert 1.000 Kunden in  über 25 Ländern. Der letzte Großauftrag, der Bau einer Brünieranlage, kam aus Südkorea. Ein dort ansässiger Autozulieferer verschifft derzeit seine Metallteile bis nach Rednitzhembach – der Ort liegt am Main-Donau-Kanal – wo sie behandelt werden. Anschließend geht es per Frachter zurück nach Ostasien. Nun möchten die Südkoreaner selbst brünieren, im Frühjahr des nächsten Jahres liefert Brünofix die Anlage. „Das ist einer unserer bisher größten Aufträge“, erzählt Schmidt, der den Mittelständler seit 2007 führt, nicht ohne Stolz. Es läuft also gut. Doch um die zunehmenden Aufträge abarbeiten zu können, war der Bau der neuen Lager- und Produktionshalle notwendig, von der bereits die Rede war. Sie hat 1,4 Millionen Euro gekostet und ist im Frühjahr 2016 fertig geworden.

Vertrauensvorschuss für die Bank


Für so eine große Investition brauchte Schmidt den passenden Partner. An dieser Stelle kommt die Raiffeisenbank Roth-Schwabach ins Spiel. Sie hat die Halle komplett finanziert. Die Beziehung von Bank und Unternehmen ist dabei noch jung. Im Nachgang der Finanzkrise von 2007, so erzählt Schmidt, habe er gemerkt, dass er einen neuen Finanzierungspartner braucht. Der Berater seines alten Kreditinstituts hatte kaum Zeit für ihn, zudem war der Mittelständler mit den anonymen Entscheidungen oft nicht einverstanden.

2012 schloss Schmidt bei der R+V Versicherung eine Kautionsversicherung ab. Da er dafür ein eigenes Konto einrichten wollte, blieb er innerhalb der genossenschaftlichen FinanzGruppe und entschied sich für die Raiffeisenbank Roth-Schwabach. Schnell fasste er Vertrauen zur Bank. „Schon der erste Kontakt war sehr positiv und daran hat sich bis heute nichts geändert“, sagt Schmidt. Das bestätigt sein Ansprechpartner Gerhard Enzenhöfer: „Herr Schmidt hat der Bank einen großen Vertrauensvorschuss gegeben, indem er mir intensiv das  Geschäftsmodell von Brünofix erklärt hat.“ Mit der Zeit nahm Schmidt immer mehr Dienstleistungen der Bank in Anspruch. Mittlerweile lässt er große Teile seiner Geschäftskonten sowie Bürgschaften, Kredite und den Zahlungsverkehr über das Kreditinstitut abwickeln.

Der Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Bank erfolgte fast zeitgleich mit der neuen strategischen Ausrichtung der Raiffeisenbank Roth-Schwabach. 2013 setzte sich das Kreditinstitut das klare Ziel, „beste Mittelstandsbank in der Region“ zu werden und möglichst viele Firmenkunden von ihren Kompetenzen zu überzeugen. Um das zu erreichen, setzte Ralph Weber, der damals von einer baden-württembergischen Kreditgenossenschaft nach Mittelfranken kam, auf Kundennähe. „Wir müssen vor Ort sein, um die Lage der Unternehmen richtig einschätzen zu können“, sagt Weber. Dafür hat er ein Team aus 15 Beratern und fünf Assistentinnen aufgebaut.

Die Mittelständler in der Region profitieren von dieser Aufstellung: Ihre Berater sind schnell vor Ort und besitzen eine hohe Entscheidungskompetenz. „Und falls einmal eine größere Sache ansteht, sind Herr Weber oder einer der Vorstände schnell greifbar“, ergänzt Enzenhöfer.  Durch den engen Kontakt zu den Firmenkunden, bei Brünofix meistens zwei bis drei Mal im Monat, kann er außerdem die Lage genau einschätzen. „Ich muss mir nicht immer aufs Neue ein Bild machen. Deshalb bleibt mehr Zeit für das  esentliche“, sagt der erfahrene Kundenberater.

Offene und direkte Kommunikation


Die Kommunikation ist offen und direkt. Brünofix-Chef Schmidt führt als Beispiel das Jahresgespräch an, bei dem ihm vor dem Wechsel zur Raiffeisenbank kommentarlos ein Rating vorgelegt wurde. „Ich habe bei manchen Punkten nicht verstanden, wie das Ergebnis zustande gekommen ist“, sagt er. Zudem war ihm unklar, wie er seine  onditionen verbessern konnte. Die Probleme sind nun beseitigt. „Wir sprechen offen darüber, wie die Konditionen ermittelt werden und was das für mich bedeutet“, sagt Schmidt.

Auch die Bestellung aus Südkorea hat die Raiffeisenbank intensiv begleitet. Nachdem Schmidt Enzenhöfer über die Auftragsfinanzierung informiert  hatte, überlegte sich der Berater, was bei Brünofix noch zu tun ist. Beim nächsten Treffen schlug er dann weitere Leistungen aus dem Versicherungsbereich vor und präsentierte passend dazu die Konditionen. „Das erwarte ich von meiner Bank: Dass sie sich nicht erst auf Nachfrage um meine Wünsche kümmert, sondern selbst aktiv  wird, wenn ich ihnen von einem neuen Auftrag erzähle“, sagt Schmidt. Der Bankwechsel hat sich für das Unternehmen also ausgezahlt.

Der Artikel ist in der September-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.