Die drei „Neuen“ aus Luttenwang

23.11.2018

In Luttenwang gibt es neuerdings drei Energiegenossenschaften. Wie es dazu kam, erklärt Initiator Josef Schmid.


Das Video zeigt die Erntesaison 2018 bei der Biogas Luttenwang eG.

Gleich drei Energiegenossenschaften auf einen Schlag haben sich in dem kleinen Ortsteil der oberbayerischen Gemeinde Adelshofen gegründet: die Biogas Luttenwang eG, die NAWARO Luttenwang eG und die Bioenergie Luttenwang eG.

Initiator und heutiger Vorstand der Biogas Luttenwang eG ist Landwirt Josef Schmid. Gemeinsam mit seinem Schwager Manfred Scherer betreibt er seit 2006 eine Biogasanlage – zunächst in der Rechtsform der GbR. „Wir starteten damals mit einem 180 Kilowatt Blockheizkraftwerk. Die Anlage wird von Anfang an als Überschusseinspeiseanlage betrieben. Das heißt, dass nur der überschüssige Strom ins öffentliche Netz eingespeist wird“, so Schmid. Außerdem versorge die Anlage die beiden Wohnhäuser und Ställe mit Wärme.

Nach und nach bauten die beiden ihre Anlage aus: 2009 errichteten sie das zweite Blockheizkraftwerk, 2014 folgte das dritte. Heute produziert die Biogasanlage Strom für rund 1.250 Haushalte. Seit 2012/2013 wird die Abwärme, die bei der Stromerzeugung zusätzlich in den Blockheizkraftwerken entsteht, in ein Nahwärmenetz eingespeist. Das haben Luttenwangs Bürger in Eigenregie gebaut und es versorgt über 40 Wohnhäuser mit Wärme. Bis zu 50 Haushalte werden es in naher Zukunft sein.

Die damit einhergehenden Investitionen seien ein Grund gewesen, weshalb die Betreiber ihr Unternehmen zur Biogas Luttenwang eG umfirmierten: „In die Gesamtanlage haben wir beide knapp drei Millionen Euro investiert. Und angesichts des Risikos beim Betreiben einer solchen Anlage geht es schlichtweg auch um die Frage der Haftung.“ Diese sei bei einer eG viel geringer, so Schmid.

Ein weiterer Grund für den Rechtsformwechsel war, dass sie Schmids Sohn, der gerade in der Ausbildung ist, mit ins Boot holen wollten. „Und da bot sich die Kleinstgenossenschaft einfach an“, erzählt Schmid. Dass es dann gleich drei Genossenschaften wurden, hatte vor allem praktische Gründe: „Wir wollten die Landwirte, die Grüngut und Mais für unsere Biogasanlage zuliefern, auch mit einbeziehen – deshalb gründeten wir die NAWARO Luttenwang eG“, sagt Schmid. Um die nötigen Genehmigungen für die Anlagen zu erhalten, wurde zudem die Produktion von Strom und Biogas „aufgeteilt“: So sind die Bioenergie Luttenwang eG und die Biogas Luttenwang eG entstanden.

Die Genossenschaftsdichte im Dorf könnte sich in nächster Zeit weiter erhöhen: Die Bürger, die am Fernwärmenetz der Gemeinde angeschlossen sind, spielen derzeit mit dem Gedanken, ihre GbR auch in eine Genossenschaft umzuwandeln. Erfahrung mit der Unternehmensform eG gibt es ja bereits.