Die Hausbank: modern und bewährt

Die Bewältigung der Corona-Krise wäre ohne die Institute vor Ort nicht möglich

27.07.2020

Gastbeitrag von GVB-Präsident Jürgen Gros in der Verbandszeitschrift der Wirtschaftsphilologen Bayern

Die Hausbank. Schon das Wort klingt heimelig: Es klingt nach Dorfidyll, mit Kirche, Wirtshaus und schmuck herausgeputzter Bankfiliale. Was dahintersteckt, ist aber so viel mehr als Nostalgie und die wohlige Gewissheit, dass dort das eigene Geld in guten Händen ist. Die Corona-Krise hat es deutlich gemacht – hat sie doch die Banken in den zurückliegenden Wochen sehr gefordert und wird es wohl auch in den kommenden. Eines hat sich dabei jetzt schon herausgestellt: Ohne die Hausbanken würde die Krise wohl noch weit schlimmer verlaufen.

Viel hat man gehört über KfW und LfA – die Förderbanken, die wuchtige Kreditprogramme aufgelegt haben, um die Rettungsversprechen der Politik zu erfüllen. Und doch hat kaum ein Kreditnehmer die Zentrale dieser staatlichen Institute je von innen gesehen. Denn abgewickelt wurde und wird alles über die Institute vor der Haustüre.  

Ohne Kredite wäre es unmöglich, die Krise durchzustehen. Die Kredite kamen doch von den Förderbanken, ist dann häufig zu hören. Allein, die Realität ist jedoch vielschichtiger. Die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken beispielsweise haben bisher 55 Prozent der Kredite aus eigenen Mitteln finanziert. 30 Prozent gingen in die Bücher der KfW, 15 Prozent in jene der LfA. Machen die Banken also etwas falsch, wenn sie nicht alle Kreditanfragen auf die Förderbanken durchleiten? Haben sie dabei gezögert, ihre Kunden an die staatlichen Anbieter zu verweisen oder entsprechende Anfragen gar verschleppt? Die Antwort darauf ist ein klares Nein. Der „One Size Fits All“-Ansatz der Förderbanken passt nicht immer. Die Kreditmodelle der Hausbanken sind oft einfacher, schneller und so individuell geschneidert, wie es Förderbanken niemals anbieten könnten.

Auch die neuen Schnellkredite, die KfW und LfA aufgelegt haben, würden ohne die Hausbanken nie bei den Kreditnehmern ankommen. Unbestritten sind sie ein wichtiges Instrument – schließen sie doch eine bisherige Lücke und sind vor allem auf die Bedürfnisse von kleineren Gewerbetreibenden und mittelständischen Betrieben zugeschnitten. Und auch mit ihren Laufzeiten von bis zu zehn Jahren kommen sie der Kapitaldienstfähigkeit der Kreditnehmer entgegen. Die Förderbanken übernehmen bei den Schnellkrediten 100 Prozent des Haftungsrisikos, was den Prozess beschleunigt, wozu auch eine vereinfachte, aber dennoch sorgfältige Kreditprüfung beiträgt. Diese obliegt, ebenso wie Kreditantrag und Auszahlung, der Hausbank. Denn die Förderbanken verfügen gar nicht über die Infrastruktur, um die Masse an Kreditanfragen zu bewältigen. Das unterstreicht einmal mehr, wie zentral die Rolle der Hausbanken bei der Bewältigung der Krise ist.

Die Hausbanken erfüllen nicht nur ihre Funktion als Kreditgeber, sondern auch als Finanzierer staatlicher Gelder, die längst nicht so prompt flossen, wie es oft den Eindruck macht. Tagelang war etwa das Angebot der KfW lediglich im Schaufenster der staatlichen Bank gestanden. Ausgezahlt wurden die Kredite nicht vor dem 6. April – da hatten viele Unternehmen längst Liquiditätsengpässe. Geld erhalten haben Unternehmen indes bereits vorher, weil die Hausbanken das von der KfW versprochene Geld vorgestreckt haben. Ähnlich ist es jetzt bei den Schnellkrediten. Hinzu kommt: Längst nicht jeder Unternehmer, der wegen der Corona-Pandemie auf einmal von finanziellen Sorgen geplagt wird, will sich auf einen Kredit einlassen, der die Firma auf Jahre belastet. Das zeigen die Zahlen: Während die bayerischen Kreditgenossenschaften Anfang April pro Tag 1.500 Kreditanfragen zu bearbeiten hatten, landeten gleichzeitig 1.900 Anträge auf Stundung laufender Kredite auf den Schreibtischen der Bankberater. Viele Kunden brauchen im Moment keinen Kredit, sondern eher Zahlungsaufschub auf bestehende Darlehen. Auf solche Anliegen gehen die Hausbanken ein.

Übertreiben es die Banken mit der Kreditprüfung und verschwenden damit wertvolle Zeit? Eine solche Sichtweise ist nicht sachgerecht. Trotz Erleichterungen müssen die Banken nach wie vor die von ihnen vergebenen Kredite entsprechend aufsichtsrechtlicher Vorgaben oder der Richtlinien von Förderbanken prüfen. Denn weder ist die Kreditprüfung hinfällig – auch nicht bei Schnellkrediten –, noch ist es den Banken egal, welchen Kredit sie da an KfW und LfA „durchreichen“. Das ist auch im Interesse der Kreditnehmer. Denn durch eine ordentliche Kreditprüfung erhalten sie Sicherheit, ob ein Kredit zu ihren Bedürfnissen passt. Und trotz aller Sorgfalt geht das bei den Hausbanken schnell – in der Regel dauert es einen bis drei Tage bis das Geld fließt. Die Ablehnungsquote bei den bayerischen Kreditgenossenschaften liegt bei lediglich bei 5,5 Prozent.

Die regionalen Hausbanken sind in der Krise der erste Ansprechpartner. Nur durch ihre flächendeckende Präsenz und Beratungsleistung ist es überhaupt möglich, so schnell die Kreditversorgung sicherzustellen. Sie tragen die Förderangebote für den Mittelstand in die Fläche. Das zeigt deutlich: Hausbanken sind keine Nostalgie. Sie sind hoch modern und bewähren sich als Stabilitätsanker vor Ort. Eine Erkenntnis aus der Corona-Krise mit Wirkung für das Banking von morgen steht zudem jetzt schon fest: Die Nähe zum Kunden und die Erreichbarkeit, sei es persönlich, telefonisch oder digital, ist ein unschätzbarer Vorteil. Egal ob gerade Krisenzeiten herrschen oder nicht.

Dieser Beitrag ist in ähnlicher Form in der Verbandszeitschrift der Wirtschaftsphilologen Bayern, Ausgabe 1/2020, erschienen.