Die Qualität macht's

01.06.2015

Am Milchmarkt wird Qualität zunehmend zum Verkaufsargument. Trotzdem nutzen längst noch nicht alle Landwirte im Freistaat Zertifizierungsprogramme wie „Qualitätsmanagement Milch“.

Kühe auf der Wiese
Am System „Qualitätsmanagement Milch“ nehmen nur etwa 50 Prozent aller bayerischen Milchlieferanten teil.



Qualität – das ist ein Begriff, der ganz großgeschrieben wird in der Milch­wirtschaft. Fast alle Milchverarbeitungsunternehmen haben deshalb Qualitätsmanagementsysteme in irgendeiner Form in ihren Unternehmen implementiert und sind nach IFS beziehungsweise DIN ISO 9001 ff. zertifiziert. Sie haben längst erkannt, dass es beim Begriff „Qualität“ nicht nur um die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen geht, sondern auch um die Einsparung etwaiger Fehlerkosten, eine entsprechende Vermarktung ihrer Produkte, ja um eine „Unternehmensphilosophie“.

Seit dem Jahr 2001 wird nun auch die Einführung von Qualitätsmanagementsystemen auf Ebene der Milchlieferanten diskutiert und regional sehr unterschiedlich praktiziert. Entwickelt wurde das Programm „Qualitätsmanagement Milch“, kurz „QM­-Milch“ genannt. Dieses lag zunächst in Form eines Leitfadens vor, in dem im Wesentlichen gesetzliche Vorgaben zur Milchproduktion verankert wurden.

Nahm ein Landwirt an QM­-Milch teil, konnte er sichergehen, dass sein Produktionsprozess entsprechend dokumentiert und die gesetzlich geforderten Unterlagen in regelmäßigen Abständen kontrolliert wurden. Für die abnehmende Molkerei stellte die Teilnahme der Lieferanten an QM­-Milch ein Lieferantenbewertungssystem dar, das im Rahmen der Zertifizierung des Molkereiunternehmens nach IFS gefordert und anerkannt wurde.

Qualitätsmanagement Milch liefert Zündstoff

Die Meinung der Molkereien und der Landwirte über die Notwendigkeit der Teilnahme an QM­-Milch war bei dessen Einführung sehr gespalten. Während die einen Molkereien argumentierten, sie bräuchten QM-­Milch unbedingt, entwickelten die anderen alternative Lieferantenbewertungssysteme. „Wenn wir die Vorgaben sowieso schon erfüllen müssen, ist es nicht schlimm, das System einzuführen“, argumentierten die einen. „Warum sollen wir etwas einführen, das gesetzliche Vorgaben berücksichtigt, die sowieso schon eingehalten werden müssen“, hielten die anderen entgegen.

Die gegensätzlichen Meinungen haben für sehr viel Zündstoff unter den Molkereien und den Milcherzeugern geführt. Eine große Rolle spielte dabei sicherlich die Angst der Milcherzeuger, sich neben den staatlichen Kontrollen einer weiteren Kontrolle im Rahmen von QM-­Milch unterziehen zu müssen, die Audits womöglich gar nicht bestehen zu können. Diese Angst war und ist jedoch unbegründet. Mehr als 97 Prozent aller teilnehmenden Landwirte in Bayern bestanden bisher das QM­-Milch-­Audit im ersten Anlauf.

Regionale Unterschiede bei Qualitätsmanagement Milch

So unterschiedlich die Meinungen bezüglich QM­-Milch sind, so unterschiedlich ist auch die Umsetzung in den einzelnen Regionen Deutschlands. Während in Niedersachsen, Schleswig-­Holstein und Thüringen nahezu 100 Prozent der Milchlieferanten an QM­-Milch teilnehmen, sind es in Bayern nur etwa 50 Prozent. Deutschlandweit liegt der Anteil bei 65 Prozent.

Seit dem Jahr 2012 ist das QM-­Milch­Leitfadensystem nun in ein akkreditiertes System übergeführt worden. Die Deutsche Akkreditierungsstelle hat den bundeseinheitlichen Standard offiziell als Zertifizierungsgrundlage für Prüfstellen anerkannt. Inhaltlich ist der Standard ebenfalls etwas überarbeitet und an die geänderten gesetzlichen Bedingungen angepasst worden.

Diese Änderung beim QM-­Milch­System hat nun das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zum Anlass genommen, die Verbreitung von QM-­Milch in Bayern weiter voranzutreiben. So werden die Kosten der Landwirte für das Erst­-Audit nach dem neuen akkreditierten Standard finanziell gefördert. Für jede erfolgreich bestandene Erstzertifizierung bezahlt das Ministerium 85 Euro, was in etwa den Nettokosten für das Audit entspricht. Die Landwirte müssen dazu einen entsprechenden Antrag an die Regionalstelle QM-­Milch stellen. Antragsunterlagen gibt es auf der Webseite des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums.

Förderung von QM-Milch nutzen

Die Molkereien, die QM-­Milch bereits seit längerer Zeit als Lieferantenbewertungssystem nutzen, sollten ihre Milchlieferanten auf jeden Fall dazu anhalten, die Förderung in Anspruch zu nehmen. Die Audits nach dem alten System gelten nämlich voraussichtlich nur noch bis Ende 2017. Danach müssen sich alle Milchlieferanten bei Weiterführung von QM­-Milch nach dem neuen Standard auf eigene Kosten oder auf Kosten der Molkerei auditieren lassen. Auch Landwirte, die ihr Produktionssystem freiwillig absichern wollen, sollten die Förderung nutzen.


Der vollständige Artikel ist in der Juni-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.