Digitalisierung bei der VR-Bank Bad Kissingen-Bad Brückenau

Wenn die Drohne durch die Bankfiliale fliegt

08.12.2017

Bei der VR-Bank Bad Kissingen-Bad Brückenau können die Angestellten Drohnen fliegen lassen, mit 3D-Druckern experimentieren oder mit Virtual-Reality-Brillen die Umgebung erkunden. Roland Schmitt, Berater für elektronische Bankdienstleistungen bei dem Institut, erklärt, was dahinter steckt.

Mitarbeiter Roland Schmitt von der Volksbank Raiffeisenbank Bad Kissingen-Bad Brückenau (Mitte) zeigt einem jungen Mann, wie die „Hololens“ funktioniertHausmesse bei der VR-Bank Bad Kissingen-Bad Brückenau: Roland Schmitt (Mitte) zeigt, wie die „Hololens“ funktioniert. Das ist eine sogenannte Mixed-Reality-Brille, die Informationen oder 3D-Projektionen im Sichtfeld des Nutzers darstellt.


„Aber nicht zu schnell fliegen“, mahnt Roland Schmitt, während ein Mitarbeiter eine Drohne durch die Hauptstelle Bad Brückenau der VR-Bank Bad Kissingen-Bad Brückenau steuert. Nebenan redet ein Kollege mit einem Roboter, ein weiterer tippt mit seinen Fingern auf einer imaginären Tastatur. Er trägt eine futuristisch aussehende Brille, eine sogenannte „Hololens“. Ein 3D-Drucker spuckt Chips für Einkaufswagen aus.

Willkommen auf der Hausmesse „Digitalisierung und Zahlungsverkehr“ der VR-Bank Bad Kissingen-Bad Brückenau. An insgesamt 18 Ständen präsentieren Mitarbeiter ihren Kollegen moderne Technik.  Neben der Drohne und dem Roboter stellen sie auch die neuen Banking-Angebote der genossenschaftlichen FinanzGruppe vor, wie das Sm@rt-TAN photo-Verfahren, die Crowdfunding-Plattform „Viele Schaffen Mehr“ oder die Videoberatung.

„Wir wollen den Kollegen moderne Technik zeigen und ihnen damit Lust auf die Online-Angebote der Bank machen“, sagt Roland Schmitt. Er ist bei dem Kreditinstitut aus Unterfranken für die Digitalisierung verantwortlich und hat die Messe mitkonzipiert. Die 150 Mitarbeiter des Instituts besuchen die Veranstaltung innerhalb von zwei Tagen in Gruppen zu je 20 Personen. Sie haben zwei Stunden Zeit, um über die Messe zu schlendern und die verschiedenen Anwendungen auszuprobieren. Das kommt gut an: Die Arbeitskräfte bewerten die Messe bei einer anonymen Befragung mit der Gesamtnote 1,5. Einziger Kritikpunkt: Viele würden gerne noch länger bleiben.

Ein Mitarbeiter der Volksbank Raiffeisenbank Bad Kissingen-Bad Brückenau steuert eine Drohne.
Ein Mitarbeiter der VR-Bank Bad Kissingen-Bad Brückenau steuert eine Drohne.


Mit dem Ergebnis sind die Führungskräfte der VR-Bank Bad Kissingen-Bad Brückenau zufrieden. Sie wollen sich zukunftsfest aufstellen, da immer mehr Bankkunden Online-Dienstleistungen nachfragen. Der Einsatz des Instituts mit einer Bilanzsumme von 665 Millionen Euro zeigt, dass auch mittelgroße Banken das Thema Digitalisierung aktiv angehen können. Dazu sind keine großen Investitionen nötig, dafür aber das tatkräftige Engagement der Belegschaft.

Im Mai 2016 hat die Bank ein „Digitalisierungsteam“ gegründet, das aus elf Mitgliedern besteht. Neben Roland Schmitt gehören auch die beiden Vorstände Rainer Geis und Michael Kaiser dazu. Die Mitglieder treffen sich alle vier Wochen, um Themen zu diskutieren und Maßnahmen festzulegen. Zunächst hatte das Team eine Strategie definiert, die „Digitalisierung 2020“ heißt.

Sie ist an das Projekt Kunden-Fokus angelehnt und besteht aus vier Säulen: Erstens den digitalen Reifegrad von Mitarbeitern und Bank zu erhöhen, zweitens die internen Prozesse zu optimieren, drittens die digitalen Beratungsangebote auszubauen sowie viertens ein Omnikanalmarketing zu etablieren. Um die erste Säule mit Leben zu füllen, hat die Bank die Hausmesse veranstaltet.

Besucher in einer Filiale der Volksbank Raiffeisenbank Bad Kissingen-Bad Brückenau interagieren mit einem Roboter.
Ein Roboter zieht auf der Hausmesse die Aufmerksamkeit auf sich.


Zudem wurden sogenannte „digitale Lotsen“ ausgebildet. Das sind Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen, die sich einmal im Monat treffen und ein Thema festlegen, über welches sie die Kollegen anschließend informieren. Im Oktober stellten die Multiplikatoren beispielsweise Maßnahmen vor, wie Kunden für das Thema Online-Sicherheit sensibilisiert werden können. Hauptziel ist es, die Online-Banking-Quote der Kunden zu erhöhen. Diese liegt aktuell bei rund 40 Prozent.

Bei der zweiten Säule, der Optimierung der internen Prozesse und Abläufe, hat das Digitalisierungsteam zusammen mit der Abteilung Organisation große Fortschritte erzielt. Die meisten Vorgänge, wie das Vorschlagswesen, sind digitalisiert. Dafür setzen sich auch die Vorstände im Digitalisierungsteam aktiv ein. „Das verkürzt die Entscheidungswege sehr“, sagt Schmitt.

Vor allem perspektivisch verfolgt das Digitalisierungsteam die dritte und vierte Säule. Ziel ist es, weitere digitale Beratungs- und Vertriebsangebote zu etablieren und ein Omnikanalmarketing aufzubauen. So plant das Institut, Videoberatung einzuführen sowie das Kundenservicecenter zum Kundendialogcenter (KDC) auszubauen. „Mit der Hausmesse ist der erste Schritt getan. Nun geht es darum, die Inhalte der Strategie konsequent umzusetzen, um unseren Kunden möglichst viele digitale Dienstleistungen anzubieten“, sagt Schmitt.


Der Beitrag ist in der Dezember-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.