Echt Brombachseer eG

Marketing fürs Kirschenland

08.09.2017

Die Echt Brombachseer eG vermarktet Kirschprodukte aus dem Fränkischen Seenland. Damit trägt sie zum Erhalt der hiesigen Kulturlandschaft bei. Dieses Jahr muss die Genossenschaft wetterbedingt mit einer kargen Ernte auskommen. Doch aus Marketingsicht kann das auch etwas Positives haben.

Schnapsbrenner Jürgen Wiesinger (li.) und Dieter Popp von der Echt Brombachseer eGDieses Jahr erhielten Schnapsbrenner Jürgen Wiesinger (li.) und Dieter Popp von der Echt Brombachseer eG gut 75 Prozent weniger Kirschen als in den Jahren zuvor.


Dieter Popp weiß noch genau, wie er in der Nacht zum 21. April mit Bangen das Wetter verfolgt hat: Werden die kalten Temperaturen den Kirschbäumen im Brombachseer Hügelland schaden oder kommen sie noch einmal davon? „Es war eine wolkenlose und eiskalte Nacht“, erzählt er. Für vier Stunden stürzte das Thermometer schließlich auf minus 10 Grad ab. Die Folgen für die Kirschbäume rund um den Brombachsee waren verheerend: Im Frost erfror der Großteil der Knospen. Nur dort, wo Nebel den Temperatursturz etwas gedämpft hatte, überlebten einige Blüten.

Drei Monate später, an einem Wochenende im Juli, stand Popp in der Brennerei des Obst- und Gartenbauvereins Kalbensteinberg und Umgebung. Der zentrale Termin für den Kirschenankauf der Echt Brombachseer eG. Aus den süßen Früchten produziert die Genossenschaft vor allem Weine, aber auch Sirup oder Senf. Popp hoffte zu diesem Zeitpunkt, dass möglichst viele Hofbesitzer ihre Ernte retten konnten und liefern. Doch er wurde enttäuscht.

Gerade einmal neun Obstbauern fuhren an diesem Tag vor. Aus Körben schütten sie ihre Kirschen auf die Waage, 2,80 Euro für das Kilogramm. Anschließend lassen Popp und Schnapsbrenner Jürgen Wiesinger die Früchte in große, graue Wannen prasseln. Davon stehen 20 Stück im Raum, in jede passen 400 Kilogramm. Am Ende des Tages sind drei Wannen gefüllt: 1,2 Tonnen. Das entspricht gerade einmal einem Viertel der Ernte des Vorjahres.

Kirschernte 2017 so miserabel wie noch nie


Auch die Kirschbäume von Beate Volkert hatte es dieses Jahr voll erwischt. Um ihren Hof zu erreichen, fährt man mit dem Auto auf der Landstraße in Richtung Spalt im mittelfränkischen Landkreis Roth, immer bergauf. Irgendwann zweigt ein Schotterweg ab und führt zum Hof. Dort stehen 140  Süßkirschenbäume, es ist der größte Betrieb dieser Art rund um den Brombachsee. Einige der Bäume sind über zehn Meter hoch und mehr als 100 Jahre alt. Von der Anhöhe sieht Kalbensteinberg mit seinem spitz zulaufenden Kirchturm in der Ortsmitte winzig aus.

Seit 40 Jahren betreibt Volkert zusammen mit ihrem Mann den Hof. „So miserabel wie dieses Jahr war die Ernte noch nie“, schimpft sie. Neun von zehn Kirschen sind erfroren, dann kommen noch faule und kaputte Früchte weg. Am Ende bleiben gerade 300 Kilogramm. Zum Vergleich: In den besten Jahren waren es bis zu zehn Tonnen. Einen Teil der Kirschen hat Volkert an die Echt Brombachseer geliefert – die sie unterstützen möchte. „Es ist gut, dass die Genossenschaft unsere Kirschen überregional bekannt macht“, sagt die Hofbesitzerin. Zudem schätzt sie, dass sich die eG für den Schutz der hochstämmigen Kirschbäume einsetzt, die das Landschaftsbild in der Gegend prägen.

Die Region am Brombachsee ist wegen ihrer Kirschvielfalt in Mitteleuropa einzigartig. Rund 30 verschiedene Süßkirschenarten wachsen hier, darunter viele alte hochstämmige Sorten, die sich auf den Streuobstwiesen sehr wohl fühlen. Doch viele dieser Kirschen werden seit einiger Zeit nicht mehr vom Handel angenommen. Der Grund: Sie verderben schnell. Viele Besitzer wollten deshalb ihre alten Kirschbäume aufgeben und sie durch niederstämmige Plantagen ersetzen. Das würde jedoch das typische Landschaftsbild zerstören und die Artenvielfalt gefährden.

Kommunen und Vereine aus der Region gründeten die Echt Brombachseer eG


Um den Kirschbauern neue Absatzwege zu eröffnen, gründeten die Stadt Spalt, die Marktgemeinde Absberg sowie die örtlichen Obst- und Gartenbau-, Heimat- und Tourismusvereine 2015 die Echt Brombachseer. Sie stellt aus den Kirschen Dessertweine, Rosés oder mit Schokolade umhüllte Kirschen her. Zudem hilft die Genossenschaft dabei, die Erzeugnisse überregional bekannt zu machen. Denn Marketing und Vertrieb kann ein einzelner Hof alleine nur bedingt stemmen. Der Erfolg gibt der Genossenschaft Recht: Die Zahl der rund 80 Kirschhöfe im Brombachseer Hügelland rund um Spalt und Absberg ist seit Gründung konstant. Nur von Bauern aus diesem Gebiet bezieht die Echt Brombachseer ihre Früchte. „Die Nachfrage nach unseren Kirschen ist in den letzten Jahren exorbitant gestiegen“, sagt Dieter Popp.

Feinschmecker können aus einem breiten Sortiment an Produkten wählen. Um ihnen die Angebotsvielfalt zu zeigen, hat die Genossenschaft eine sogenannte „Prunothek“ in einer ehemaligen Schule in Absberg eingerichtet. Der Name leitet sich vom lateinischen Namen der Süßkirsche, „Prunus avium“, ab. In der Prunothek verkauft die Echt Brombachseer ihre eigenen Erzeugnisse, aber auch Schnäpse aus den umliegenden Höfen. Bisher öffnet das Geschäft nur am Freitagnachmittag.

Das soll sich bald ändern. Denn die Genossenschaft plant, in der Prunothek eine Kirschenausstellung zu präsentieren. Dort soll erzählt werden, wie die Kirsche aus den Küstengebieten des Schwarzen Meers nach Mitteleuropa kam, wie Kirschen angebaut, geerntet und veredelt werden und was die Genossenschaft zur Rettung der Brombachseer Kulturlandschaft unternimmt. „Für diese Themen möchten wir vor allem Touristen, aber auch Schüler aus der Region sensibilisieren“, sagt Popp. Die Eröffnung ist für Mai kommenden Jahres geplant.

Bereits seit 2014 organisiert die Genossenschaft jährlich im Sommer ein „Kirschhoffest“. Angelehnt an die Winzerfeste präsentieren die Betriebe ihre Erzeugnisse, zusätzlich können die Gäste einmal selbst Kirschen pflücken. 2017 fand das Kirschhoffest im Juli statt, es kamen fast 6.000 Besucher. „An diesem Tag verkauften die Bauern so viele Produkte wie sonst nie im Jahr“, sagt Popp.

Verkaufsschlager der Echt Brombachseer eG: Kirschglühwein


Mit der diesjährigen Kirschenernte kann die Echt Brombachseer zumindest wieder einen Vorrat an Glühwein produzieren. Der Verkaufsschlager macht 70 Prozent des Umsatzes aus. „Im Gegensatz zu industriell produzierten Glühweinen verursacht unserer kein Sodbrennen, weil er natürlich und ohne künstliche Aromastoffe hergestellt wird“, erläutert Popp. Deswegen akzeptieren die Kunden auch einen höheren Preis.

Zumindest aus Marketinggründen kann Popp der geringen Ernte etwas Positives abgewinnen. Die Genossenschaft kauft nämlich keine Kirschen aus anderen Gebieten an. Wenn ein Produkt ausverkauft sein sollte, kann Popp auf die schlechte Ernte verweisen: „So stellen wir unsere Glaubwürdigkeit unter Beweis, dass es bei der Echt Brombachseer nur echte Brombachseer Kirschen gibt.“

Außerdem können die Kunden auf den Apfelmost der Genossenschaft zurückgreifen. Den macht die Echt Brombachseer ausschließlich aus Äpfeln aus der Region. Die positive Nachricht zum Schluss: „Wir erwarten eine mittelgute Apfelernte im Oktober und hoffen, auch in diesem Jahr einen tollen Most produzieren zu können“, sagt Popp.


Der Artikel ist in der September-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.