Ein Historiker erklärt die Tradition des Sparens

Warum die Deutschen vorsorgen

17.10.2018

Mit Sonderaktionen wie Kinderschaltern oder Gewinnspielen begrüßen die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken ihre jungen Kunden zur Sparwoche Ende Oktober. Der Historiker Robert Muschalla hat die Tradition des Sparens untersucht.

Am 30. Oktober 2018 begehen die deutschen Banken den Weltspartag zum 94. Mal. Viele Kinder kommen an diesem Tag mit ihrem Sparschwein zu ihrer Hausbank, um ihr Erspartes auf ihr Konto einzuzahlen. Eingeführt wurde der Weltspartag auf dem 1. Internationalen Sparkassenkongress 1924 in Mailand. Bis heute hat er zum Ziel, den Gedanken des Sparens weltweit zu erhalten und weiterzugeben. Im Laufe der Zeit ist aus dem Aktionstag eine ganze Aktionswoche entstanden – die Weltsparwoche. Sie findet heuer vom 23. bis zum 30. Oktober statt.


Mit diesem Motiv werben die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken für die Sparwoche vom 22. bis 30. Oktober 2018.

Deutsche sparen trotz Niedrigzinsphase

Auch für die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken ist die Sparwoche traditionell Anlass, gemeinsam an die Bedeutung des Sparens zu erinnern. Insbesondere in Zeiten des demografischen Wandels spielt das bewusste Sparen eine wichtige Rolle bei der Schließung der drohenden Rentenlücke. Einer Umfrage des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) zufolge spart die Mehrheit der Deutschen trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase. Ihr Anteil ist in den vergangenen Jahren allerdings deutlich gesunken.

Nach den aktuellen Zahlen der BVR-Erhebung zum Sparverhalten legen noch 71 Prozent der Bundesbürger einen monatlichen Geldbetrag zur Seite. Im Jahr 2016 waren es noch 80 Prozent. Grund für den Rückgang dürfte in erster Linie die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank sein. Insbesondere bei Geringverdienern ist der Anteil an Nichtsparern besonders ausgeprägt.

Absicherung gegen wirtschaftliche Schwierigkeiten

Was treibt die Deutschen an, so viel zu sparen? „Eine wesentliche Motivation ist die Absicherung gegenüber wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der Zukunft“, erklärt Robert Muschalla. Der Historiker hat die Ausstellung „Sparen – Geschichte einer deutschen Tugend“ kuratiert, die noch bis zum 4. November 2018 im Deutschen Historischen Museum (DHM) in Berlin läuft. In der Vergangenheit sei das Sparen häufig mit den kollektiv wirtschaftenden „fleißigen“ Bienen verglichen worden. „Das verrät viel über das Selbstbild der Deutschen“, so Muschalla. In Deutschland sei die Sparbewegung schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts massiv popularisiert worden. Daran habe sich bis heute nur wenig geändert. „Das Sparen gehört nach wie vor zur festen Gewohnheit der Deutschen“, sagt der Experte.

Dabei sparen die Deutschen ganz unterschiedlich. „Am deutlichsten ist der Unterschied zwischen den Altersgruppen ausgeprägt“, sagt Muschalla. Im Wesentlichen stimmten die Annahmen der sogenannten Lebenszyklus-Hypothese, die davon ausgeht, dass die Menschen mittleren Alters am meisten Sparen. Jüngere Menschen sind dazu mangels Einkommen noch nicht in der Lage. Zudem müssen für die Gründung eines Haushaltes viele Dinge angeschafft werden. Im Alter macht das Sparen dann weniger Sinn. Das Einkommen durch die Rente ist geringer als zuvor und so werden dann die Sparreserven aufgebraucht. „Wir sehen auch regionale Unterschiede, die nicht zuletzt durch die unterschiedliche wirtschaftliche Situation der Regionen bedingt sind“, so der Berliner Historiker.

Deutsche passen Sparverhalten an niedrige Zinsen an

ie Mehrheit der Deutschen hat ihr Sparverhalten an die Niedrigzinsphase angepasst, gänzlich vom Sparen lassen sie sich aber nicht abbringen. So waren laut BVR Wertpapiere unter den Sparern zuletzt besonders gefragt. Sie verzeichneten in 2017 und 2018 das höchste Nachfrageplus. Getrieben wurde die Nachfrage nach Anlagen mit mehr Risiko und Rendite in erster Linie vom aktuellen Niedrigzinsniveau. Von Ende 2016 bis zum ersten Quartal 2018 stieg das Sparen in Wertpapiere um mehr als 27 Milliarden Euro auf 63,9 Milliarden Euro. Besonders beliebt waren Investmentzertifikate und Aktien. Absolut betrachtet erhielten Bankeinlagen weiterhin den größten Zuspruch in Höhe von 105,6 Milliarden Euro. Das Versicherungssparen stieg im vergangenen Jahr um 70,6 Milliarden Euro.

15,1 Billionen Euro Gesamtvermögen

Das Gesamtvermögen der Bundesbürger lag zum Ende des vergangenen Jahres nach Einschätzung des BVR bei 15,1 Billionen Euro. Größte Posten des Gesamtvermögens sind neben dem Geld-, das Gebrauchs- und das Immobilienvermögen sowie das Vermögen in Grund und Boden. Das Finanzvermögen machte Ende des abgelaufenen Jahres mit 6 Billionen Euro rund 40 Prozent des gesamten Brutto-Vermögens der privaten Haushalte aus.