Einlagensicherung: „Warum sollte man etwas aufgeben, das seit Jahrzehnten funktioniert?“

30.10.2015

GVB-Vorstand Jürgen Gros im Interview mit der Bayerischen Staatszeitung

GVB-Vorstandsmitglied Jürgen Gros hat in einem Interview mit der „Bayerischen Staatszeitung“ auf die Risiken einer von Brüssel geforderten europäischen Einlagensicherung hingewiesen. „Die EU-Kommission meint, mit diesem Schritt die Finanzstabilität stärken zu können. Doch sie würde das Gegenteil erreichen“, sagte Gros dem Blatt. Im Falle einer Vergemeinschaftung bestünde die Gefahr, dass „Turbulenzen von einzelnen Märkten auf ganz Europa überspringen“. Außerdem sei es völlig inakzeptabel, wenn die bayerischen Kreditgenossenschaften für Risiken anderer Banken in Haftung genommen werden können.

Der GVB tritt deshalb mit Nachdruck dafür ein, die nationalen Sicherungssysteme zu bewahren. „Die Volksbanken und Raiffeisenbanken verfügen seit mehr als 80 Jahren über ein bewährtes Institutssicherungssystem, das die Einlagen ihrer Kunden schützt“, sagte Gros und stellte die Frage: „Warum sollte man etwas aufgeben, das seit Jahrzehnten funktioniert?“ Er begrüßte, dass Bundesregierung und Bundestag eine europäische Einlagensicherung im Interesse der Sparer ablehnen.

In dem Gespräch hob Gros darüber hinaus die Bedeutung der kreditbasierten Unternehmensfinanzierung hervor. „Der deutsche Mittelstand wird auch in Zukunft nicht in Scharen an die Börse pilgern“, sagte der GVB-Vorstand mit Blick auf die geplante europäischen Kapitalmarktunion. Stattdessen sei für die Betriebe ein verlässlicher Zugang zu Krediten erforderlich. Wenn er daran von den Regulierungsbehörden gehindert würde, wäre das „verheerend“. Gros verwies in diesem Zusammenhang auf Überlegungen, den sogenannten Mittelstandsfaktor abzuschaffen. Dieser erlaubt eine reduzierte Eigenkapitalhinterlegung von Krediten an kleine und mittlere Unternehmen und sorgt damit für eine angemessene Kreditversorgung.