Eintrag in die Unesco-Liste

Genossenschaftsidee auf dem Weg zum Weltkulturerbe

27.07.2015

Die Genossenschaftsidee hat gute Chancen, 2016 in die internationale Unesco-Liste aufgenommen zu werden. Damit wäre sie Weltkulturerbe.


Was ist das Unesco­-Kulturerbe?

Die häufig verwendete Bezeichnung Weltkulturerbe gibt es streng genommen gar nicht. Die Unesco führt mehrere Listen und Ver­zeichnisse: Am bekanntesten ist die Liste des Welterbes. Sie umfasst mehr als 1.000 Natur- ­und Kulturstätten auf der ganzen Welt, zum Beispiel die Pyramiden Ägyptens, den Kölner Dom, das Tadsch Mahal in Indien oder die Inkastadt Machu Picchu. Deutschland ist darauf mit 39 sogenannten Welterbestätten vertreten. 
 
Die Genossenschaftsidee wird schon heute im „Bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes“ aufgeführt - gemeinsam mit 26 weiteren deutschen Traditionen und Wissensformen. Als bislang erster und einziger Eintrag ist sie im März 2015 für die Aufnahme ins Weltkulturerbe der UN-Organisation nominiert worden. Genauer: für die Aufnahme in die „Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit“. Daneben gibt es auf internationaler Ebene noch die „Liste des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes“ und ein „Register guter Praxisbeispiele“.

Wie läuft die Anerkennung ab?

Der Aufnahmeprozess für das immaterielle Kulturerbe dauert mehrere Jahre. Im Oktober 2013 beschlossen die Deutsche Hermann­-Schulze­-Delitzsch-­Gesellschaft und die Deutsche Friedrich­-Wilhelm-­Raiffeisen-­Gesellschaft, einen länderübergreifenden Antrag zur Aufnahme der Genossenschaftsidee in das „Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes“ zu stellen.

Die entsprechenden Unterlagen übermittelten die beiden Gesellschaften Anfang 2014 zeitgleich in den Heimatländern der beiden Gründerväter, Sachsen und Rheinland­-Pfalz. Die offizielle Aufnahme erfolgte im Dezember 2014.

Erst nachdem das innerstaatliche Auswahlverfahren abgeschlossen ist, kann eine kulturelle Ausdrucksform für eine der drei internationalen Unesco­-Listen des immateriellen Kulturerbes aufgenommen werden. Für das Genossenschaftswesen beschloss dies die Kultusministerkonferenz, die damit der Empfehlung des Expertenkomitees bei der Deutschen Unesco­-Kommission folgte, ebenfalls im Dezember 2014.

Wann wird das Verfahren abgeschlossen sein?

Fünf von sechs Stufen hat die Genossenschaftsidee bereits hinter sich: Im März übergaben die Initiatoren die dazu notwendigen Bewerbungsunterlagen an einen Vertreter des Auswärtigen Amts, das die Dokumente an den Sitz der Unesco in Paris weiterleitet. Die endgültige Aufnahme in die internationale repräsentative Liste soll im November 2016 erfolgen.

Nach dem Internationalen Genossenschaftsjahr 2012 wäre eine Anerkennung ein weiterer Schritt dazu, die Genossenschaftsidee zu bewahren und für künftige Generationen zu erhalten. Bislang steht noch keine Form der gesellschaftlichen Selbstorganisation auf der Liste. Die Deutsche Unesco-Kommission schreibt daher: „Die Aufnahme der Genossenschaftsidee würde der internationalen Vielfalt des immateriellen Kulturerbes eine neue Facette hinzufügen.“