Energiegenossenschaft Inn-Salzach (EGIS)

Sieben Fußballfelder Photovoltaik

04.05.2017

Die Energiegenossenschaft Inn-Salzach eG (EGIS) betreibt die größte Dach-Photovoltaikanlage, die 2016 in Europa gebaut wurde. Im Interview erklärt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Christoph Strasser, wie die kleine Genossenschaft dieses gewaltige Bauvorhaben stemmen konnte.

Dachphotovoltaikanlage der Energiegenossenschaft Inn-Salzach50.000 Quadratmeter Fläche hat das Dach des künftigen Amazon-Logistikzentrums im rheinland-pfälzischen Frankenthal – das entspricht der Größe von sieben Fußballfeldern. Dieser Platz reicht für ein Solarkraftwerk, das 1.050 Haushalte mit Strom versorgen kann.


Mit besonderen Projekten kennt sich die Energiegenossenschaft Inn-Salzach aus. Im vergangenen Jahr präsentierte die eG die weltweit erste Schallschutzwand mit integrierten Solarmodulen. Kürzlich sorgte die EGIS erneut für Schlagzeilen: Sie betreibt die größte Aufdach-Photovoltaikanlage, die 2016 europaweit errichtet wurde. Die 3,6-Millionen-Investition am Amazon-Logistikzentrum im rheinland-pfälzischen Frankenthal soll jährlich rund 3,7 Gigawattstunden Strom liefern. Das reicht, um rund 1.050 Haushalte mit Strom zu versorgen.

Herr Strasser, die EGIS ist eine oberbayerische Genossenschaft, die PV-Anlage liegt jedoch in Rheinland-Pfalz. Wie kam das Projekt zustande?

Christoph Strasser: Dazu muss man wissen, dass wir uns in der Satzung von Anfang an nicht regional beschränkt haben. Damit wir finanziellen Spielraum für kleine regionale Vorhaben und Prototypen haben, benötigen wir große Anlagen im Portfolio. Die sind nicht überall realisierbar. Deshalb müssen wir dahin, wo solche Projekte möglich sind. Das ist sozusagen das inoffizielle Motto der EGIS. Wir haben in der Folge eine strategische Partnerschaft mit einem Projektentwickler, der MaxSolar GmbH aus Traunstein, abgeschlossen. Die Gesellschaft sucht geeignete Vorhaben – das ist ja ihr täglich Brot. Wir als EGIS fahren im Schlepptau und steigen ein, wenn das Vorhaben in trockenen Tüchern ist. Das können wir anderen Genossenschaften nur empfehlen.

Die Anlage hat 3,6 Millionen Euro gekostet. Für die meisten Energiegenossenschaften ist das eine enorme Summe – wie sind Sie mit dem Risiko umgegangen?

Strasser: Die MaxSolar GmbH hat die Anlage geplant und gebaut. Die EGIS ist, wie auch schon bei anderen Vorhaben, nach Projektabschluss zum 1. Januar 2017 eingestiegen und hat die Anlage übernommen. Auf diese Weise konnten wir alle Planungsrisiken umgehen. Das ist ein großer Vorteil.

Zwischen Baubeginn und Netzanschluss liegen nur rund sechs Monate. Wie war das möglich?


Strasser: Das ging dank der durchgehend engen Abstimmung mit allen beteiligten Firmen: vom Projektentwickler bis hin zum Gebäudeeigentümer und dem späteren Mieter Amazon. Wir haben anfangs vorsichtig kalkuliert und zunächst den Mai als ersten Einspeisemonat angepeilt. Weil wir schon ab Mitte April einspeisen, können wir die ertragsstarken Monate von Mai bis August komplett mitnehmen.

Durch die Montage im Jahr 2016 mussten Sie noch nicht an einer Ausschreibung teilnehmen, die ab 2017 für Anlagen ab 750 Kilowatt Spitzenleistung Pflicht sind. Sie bekommen noch die klassische Einspeisevergütung. Wie wichtig war das?

Strasser:
Aktuell bekommen wir 9,55 Cent pro Kilowattstunde. Das Mittel der letzten Ausschreibungsrunde lag bei knapp 6,49 Cent. Mit den neuen Regeln wäre unser Ertrag also wesentlich schlechter ausgefallen. Es wäre kaum möglich gewesen, das Projekt mit rund sechs Cent pro Kilowattstunde zu realisieren. In Deutschland befinden sich dementsprechend im Moment keine großen Aufdachanlagen im Bau. Wir hatten da eine einmalige Gelegenheit.

...die es so wohl nicht mehr geben wird. Welche Pläne können Energiegenossenschaften nach der EEG-Novelle noch umsetzen?

Strasser: Im Photovoltaikbereich ist das relativ klar: Bei großen Freilandanlagen wird die Höhe der Einspeisevergütung in einem Ausschreibungsverfahren festgelegt. Da sollten sich Genossenschaften Partner suchen, die das Risiko des Bieterwettbewerbs übernehmen. Ansonsten bietet sich im Moment die 750 Kilowatt-Regel an. Die ist sehr attraktiv, weil es bis zu dieser Leistungsgrenze einen festen Vergütungssatz gibt: 8,91 Cent pro Kilowattstunde. Da sind Bürgerenergieprojekte noch möglich.

Wie sieht vor diesem Hintergrund das Geschäftsmodell der EGIS in den nächsten Jahren aus?

Strasser: Wir setzen auf eine Mischung aus überregionalen und regionalen Projekten. Im zweiten Halbjahr 2016 haben wir beispielsweise eine kleine Wasserkraftanlage in Altötting in Betrieb genommen. Aktuell verfolgen wir ein Projekt mit einer Photovoltaikanlage auf öffentlichen Carports. So etwas können kleine Genossenschaften zusammen mit ihrer Kommune sehr einfach stemmen. Wir wollen da bewusst Vorreiter für andere sein. Daneben betreiben wir auch große Anlagen wie jene in Frankenthal und wollen weitere akquirieren. Lediglich Windkraft ist aufgrund des schwankenden Ertrags und wegen vieler Vorschriften wie der 10H-Regel kein Thema. Photovoltaik ist da unkomplizierter.


Das Interview ist in der Mai-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.