Energiegenossenschaft Oberes Werntal

Strom erzeugen mit Gummibändern

12.01.2016

Die Energiegenossenschaft Oberes Werntal und das Fraunhofer Institut wollen an kleinen Wehren Kraftwerke installieren. Der Strom entsteht dabei auf ungewöhnliche Weise - durch das Dehnen von Gummibändern.

Wasserlauf im Oberen Werntal, wo die dortige Energiegenossenschaft ein Kleinkraftwerk errichten möchte.
An diesem vormaligen Wehr an der Weidenmühle in der Nähe von Poppenhausen wird im Laufe des Jahres ein Degreen-Kraftwerk errichtet.


Bei der Umsetzung der Energiewende in Bayern spielt die Wasserkraft eine wichtige Rolle. 41 Prozent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien stammt von rund 4.200 Wasserkraftwerken im Freistaat. Doch der Nutzen gerade kleinerer Anlagen ist umstritten. Sie greifen bei überschaubarem Ertrag in das Ökosystem ein, wie Umweltschützer bemängeln.

Zeit also für innovative Ansätze. Einen solchen verfolgt Bernhard Brunner, Wissenschaftler am Center Smart Materials des Fraunhofer Instituts für Silicatforschung in Würzburg. Als Projektleiter entwickelt er mit seinen Kollegen ein neuartiges Verfahren zur Stromerzeugung aus Wasserkraft mit dem Namen Degreen (Dielektrische Elastomergeneratoren für regenerative Energie). Finanziert wird das Projekt vom bayerischen Wirtschaftsministerium. Als Partner mit im Boot: Die Energiegenossenschaft Oberes Werntal aus dem unterfränkischen Poppenhausen.

Beim Degreen­-Projekt setzt Brunner auf Elastomere. Das sind stark dehnbare Folien, vergleichbar mit Gummibändern, auf die beidseitig eine leitende Schicht aus Graphit sowie eine Schutzschicht aufgetragen wird. Durch Dehnung und Entspannung, beispielsweise in fließendem Wasser, können sie Strom erzeugen. Die Vorteile: Der Generatoraufbau lässt sich besonders gut an die Gegebenheiten vor Ort anpassen, da nur wenig Platz benötigt wird, etwa an kleinen Wehranlagen. Dort ist auch die Fließgeschwindigkeit für die neue Technik ideal. Wehranlagen gibt es in Bayern nach Schätzungen der Technischen Universität München rund 30.000 Stück – „viele Möglichkeiten also für unsere Elastomergeneratoren“, sagt Brunner. Ein weiterer Vorteil: Das Wasser muss nicht künstlich angestaut werden, wie es bei normalen Turbinen üblich ist.

Seit 2012 arbeitet Brunner mit seinem Team an Degreen. Nach Tests in Laboren geht das Projekt nun in die entscheidende Phase mit Versuchen unter realen Bedingungen. Im Frühjahr wollen die Wissenschaftler einen ersten Prototyp installieren. Hier kommt die Energiegenossenschaft Oberes Werntal ins Spiel.

Bei einer Messe kam Brunner mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Göbel und dem Vorstandsvorsitzenden Jürgen Hack ins Gespräch. Schnell einigten sie sich, zusammen einen geeigneten Standort am Fluß Wern zu suchen. „Wir kennen die Gegend“, sagt Jürgen Hack. Eine besondere Motivation brauchten sie nicht. „Es ist eine tolle Sache, Grundlagenforschung zu unterstützen“, sagt Göbel. Den gewünschten Platz fanden sie schließlich mit dem Wehr an der Weidenmühle in der Nähe von Poppenhausen.

Bis zur Einsatzreife der neuen Technik ist noch viel Forschungsarbeit notwendig. Bisher ist die erzeugte Strommenge überschaubar. „Unsere ersten Laboraufbauten leisten circa 10 Watt, dass reicht für eine Energiesparleuchte“, sagt Brunner. Der Forscher ist aber davon überzeugt, dass die Generatoren leistungsstärker werden.

Vorstandsvorsitzender Hack und Aufsichtsratsvoristzender Göbel hoffen, dass die Elastomergeneratoren in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur Energiewende in der Region leisten. Denn wie heißt es so schön: Kleinvieh macht auch Mist.


Der ungekürzte Artikel ist in der Januar-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.