Energiegenossenschaften in Bayern

Strom und Wärme für den Freistaat

30.01.2017

In Bayern sind 261 regionale Stromerzeuger und Netzbetreiber genossenschaftlich organisiert. Ein Überblick.

Bürgerenergie Pleichach-Kürnach
Die Bürgerenergie Pleich-Kürnach eG aus Unterfranken - nur ein Beispiel von derzeit mehr als 260 Energiegenossenschaften in Bayern.


Wie viele Energiegenossenschaften gibt es in Bayern?


Bayern ist die Hochburg der Energie­genossenschaften in Deutschland: 261 zählte der Genossenschaftsverband Bay­ern zum Jahresende 2016 unter seinen 1.278 Mitgliedern. Damit liegt der Frei­staat im Vergleich zu den anderen Bun­desländern ganz vorne, wie eine Erhebung des Instituts für Genossen­schaftswesen in Münster gezeigt hat.

Warum sind in jüngster Zeit so viele Energiegenossenschaften entstanden?


Von den 261 bayerischen Energiegenos­senschaften sind mehr als 200 noch keine zehn Jahre alt. Grund für das lebhafte Gründungsgeschehen in der jüngeren Vergangenheit war zunächst die Neufassung des Genossenschaftsgesetzes im Jahr 2006, die den Aufbau von eGs er­leichtert hat. Weiteren Anschub verlie­hen die Novellen des Erneuerbare­-Ener­gien­-Gesetzes (EEG) in den Folgejahren, die attraktive Fördersätze für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Ener­gien garantierten. Das motivierte viele Bürger, sich zusammenzuschließen und in entsprechende Anlagen zu investie­ren.

Mittlerweile haben Anpassungen am EEG die Gründungsdynamik aber wieder ausgebremst: 2016 nahm der GVB vier neue Energiegenossenschaften auf, während es 2013 noch 43 und im Spitzenjahr 2012 sogar 51 waren.

In welchen Bereichen sind die bayeri­schen Energiegenossenschaften aktiv?


Die bayerischen Energiegenossenschaf­ten verfolgen vielfältige Geschäftsmo­delle. Der weitaus größte Teil von ihnen ist im Bereich der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien tätig. Hier domi­nieren die 112 Photovoltaikgenossen­schaften als zahlenmäßig größte Gruppe vor Biogas­- und Windgenossenschaften.

Anzahl Energiegenossenschaften in BayernNeben den Erzeugern gibt es auch Netzbetreiber, die genossenschaftlich or­ganisiert sind. Dazu gehören 75 Versor­ger, die Haushalte in ihrer Region mit Wärme beliefern. Dabei kommen Pellet-Kraftwerke zum Einsatz oder es wird die Abwärme von Biogasanlagen genutzt. Ebenfalls zu den Netzbetreibern zählen 35 Elektrizitätsgenossenschaften, deren Wurzeln bis zu 100 Jahre in die Vergangenheit zurückreichen. Sie betreiben Verteilnetze und beliefern Endkunden mit Strom.

Oft überlappen sich die Geschäftsmo­delle. So gibt es Versorgungsgenossen­schaften, die auch selbst Strom erzeu­gen. Darüber hinaus bieten manche Energiegenossenschaften weitere Dienstleistungen wie zum Beispiel Beratung zu Energieeffizienz oder Energiecon­tracting an.

Wo gibt es im Freistaat Energie­genossenschaften?


Überall. Die meisten sind in ländlichen Regionen vertreten, wie die Überblickskarte unten zeigt. Sie verdeutlicht zudem, dass die Dichte an Energiegenossenschaften im Westen und Norden des Freistaats höher ist als im Osten. Auffällig ist, dass sich teilweise Genossenschaften mit dem gleichen Ge­schäftszweck in einer Region bündeln. So gibt es in Nordschwaben und im süd­lichen Mittelfranken viele Nahwärmegenossenschaften, während sich im Südosten die Versorger häufen.

Wissenschaftler der Leuphana Univer­sität Lüneburg führen solche regionalen Unterschiede unter anderem darauf zu­rück, dass Energiegenossenschaften von der Präsenz anderer Energiegenossenschaften profitieren und funktionierende Geschäftsmodelle übernehmen. Eine Rolle spielen aber auch Sonnenschein­dauer, Windverhältnisse oder die Verfüg­barkeit von erforderlichen Rohstoffen wie Holz bei Wärmegenossenschaften.

Wie viele Menschen engagieren sich in bayerischen Energiegenossenschaften?


Entwicklung Mitgliederzahl von Energiegenossenschaften in BayernHand in Hand mit der Zunahme der Energiegenossenschaften ist in den ver­gangenen Jahren auch die Zahl der Mit­glieder enorm gewachsen. Waren es zum Jahresende 2010 mehr als 13.000, zählte der GVB sechs Jahre später bereits über 39.000 Anteilseigner. Mehr als 90 Pro­zent davon sind nach Angaben des DGRV Privatpersonen. Umfragen zu­folge engagieren sich viele von ihnen pri­mär aus ideellen Gründen. Sie sehen sich als Eigentümer „ihrer“ Genossenschaft und üben Mitwirkungs- und Kontrollrechte sehr bewusst aus.

Wie bedeutend sind die Energie­genossenschaften für den Freistaat?


Energiegenossenschaften leisten einen wichtigen Beitrag zur Energieversor­gung und zum Gelingen der von den Bürgern getragenen Energiewende. Das zeigen nicht nur die stark gestiegenen Mitgliedszahlen, sondern auch die wirt­schaftlichen Kennzahlen: Seit 2011 investierten sie mehr als 170 Millionen Euro in eine dezentrale Energieerzeugung im Freistaat. Der Jahresumsatz belief sich 2016 auf mehr als 435 Millionen Euro, wobei die traditionellen Energieversorgungsgenos­senschaften daran den mit Abstand größten Anteil hatten.

Energiegenossenschaften in Bayern im Überblick

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