Energiegenossenschaften vor 100 Jahren

Strom für den ländlichen Raum

06.08.2014

Energiegenossenschaften gedeihen nicht erst seit wenigen Jahren. Vor gut 100 Jahren brachten sie den Strom zu den Menschen in den ländlichen Räumen Bayerns.


Leitungsbauer der Elektrizitäts-Genossenschaft Röthenbach (1919).Leitungsbauer der Elektrizitäts-Genossenschaft Röthenbach (1919).


Energiegenossenschaften boomen. Allein in Bayern wurden seit 2008 insgesamt 188 neue Unternehmen gegründet. Bundesweit waren es sogar über 1.000 neue Strom- ­und Wärme­-eGs. Sie helfen den Bürgern, an der Energiewende teilzuhaben – und zwar dezentral und demokratisch.

Vor 100 Jahren fand in Deutschland schon einmal eine Energiewende statt. Doch anders als heute, wo es darum geht, vom Atomstrom wegzukommen, war um die Jahrhundertwende das Ziel, den Strom überhaupt erst zu den Menschen zu bringen. Denn während die Industriezentren weitgehend an die neu entstandenen Elektrizitätsnetze angeschlossen waren, sah es in Teilen des ländlichen Raums sprichwörtlich „düster“ aus.

Gerade in Bayern, das um 1914 noch von agrarstaatlichen Strukturen geprägt war, gab es vielerorts keine Stromversorgung. Geheizt wurde mit Kohle und Holz. Findige Landwirte kamen auf die Idee, das genossenschaftliche Prinzip, dass sie bereits von Banken, Lagerhäusern und Molkereien kannten, auf ihre Stromversorgung zu übertragen. So kam es in dieser Zeit zu zahlreichen Gründungen von Strom­, Netz- ­und Versorgungsgenossenschaften. „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ hat sich auf die Spurensuche dieser frühen Energiegenossenschaften begeben und aus dem Archiv des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB) einige Fundstücke zusammengetragen.