Energiewende und politische Hürden

Wie Genossenschaften Steine in den Weg gelegt werden

08.09.2014

Bürger gründen Genossenschaften, um die Energiewende vor Ort zu gestalten. Doch politische Hürden machen es ihnen nicht immer leicht: Sie können Projekte unter Umständen sogar gefährden. Zwei Beispiele von Genossenschaften aus Niederbayern und Mittelfranken zeigen, was das bedeutet.


Solaranlage der BürgerEnergieGenossenschaft Geisenhausen auf dem Dach des örtlichen Nettmarkts.Solaranlage der BürgerEnergieGenossenschaft Geisenhausen auf dem Dach des örtlichen Supermarkts.


BürgerEnergieGenossenschaft Geisenhausen


In Niederbayern entstand im Jahr 2012 die BürgerEnergieGenossenschaft Geisenhausen. Die Ankündigung der bayerischen Regierung, dass 1.000 bis 1.500 Windräder im Freistaat gebaut werden sollen, motivierte Franz Wolfsecker, einen von drei Vorständen, die Energiewende in dem niederbayerischen Markt voranzutreiben. Da erneuerbare Energien immer mit einem Eingriff in die Umgebung verbun­den sind, brauchten die Initiatoren breite Akzeptanz für das Vorhaben. Dafür sollte eine Genossenschaft mit ihren demokratischen Prinzipien sorgen. Rund 330 Bürger ließen sich bisher als Mitglieder gewinnen. Die Genossenschaft setzt vor allem auf Sonne und Wind: Das Dach des Nettomarkts im Ort ist zum Beispiel mit einer Solaranlage der Bürgerenergiegenossenschaft bestückt.

In der Solarhochburg gibt es durchaus Potenzial für andere Energieformen, wie erst kürzlich ein kommunales Energiekonzept bestätigte. Daher plant die Genossenschaft, ein Windrad zu bauen. Eine Machbarkeitsstudie ist in Arbeit. Den Grund hat sie sich schon gesichert. Die aktuellen Forderungen der Staatsregierung bezüglich der Abstandsregelung könnten das Pro­jekt jedoch gefährden. Wolfsecker fühlt sich betrogen: „Erst fordert uns die Regierung dazu auf, neue Anlagen zu errichten. Jetzt werden wir ausgebremst.“ Der Vorstandsvorsitzende sieht für die Erzeugung erneuerbarer Energien viel Potenzial, aber immer weniger Möglichkeiten, dieses zu aktivieren.

Bürgerenergiewerke Schnaittachtal und Umgebung


Ähnlich ergeht es den Menschen im mittelfränkischen Schnaittach. Ende 2011 haben Bürger der Gemeinde im Nürnberger Land die Bürgerenergiewerke Schnaittachtal und Umgebung eG gegründet. Ihr Ziel, die Region selbst mit Energie zu versorgen, haben die heute 220 Mitglieder sofort begonnen umzusetzen. Die Bürgerenergiewerke haben bereits fünf Photovoltaikanlagen auf Dächern errichtet. Eine Freiflächenanlage ist auf dem Gelände einer ehemaligen Erdaushubdeponie geplant.

Solaranlage der Bürgerenergiewerke Schnaittachtal und Umgebung eGSolaranlage der Bürgerenergiewerke Schnaittachtal und Umgebung eG


Die Genossenschaft will es nicht bei der Nutzung der Solarenergie belassen: So sind noch ein Blockheizkraftwerk und zwei Windanlagen geplant. „Wir brauchen keine Stromladungen aus dem Norden, wir erzeugen unseren eigenen Strom vor Ort“, sagt Gebhardt und argumentiert damit auch gegen die geplante Stromtrasse, die direkt durch Schnaittach verlaufen würde.

Allerdings wird die Errichtung neuer Anlagen durch die politischen Rahmenbedingungen immer schwieriger: „Die Konditionen begünstigen Großkonzerne“, so Gebhardt. Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien betreffen jedoch unmittelbar die Menschen vor Ort. „Wir sollten die Verantwortung lieber wieder in die Region holen und die dortigen Wirtschaftskreisläufe stärken“, so Gebhardt.



Über die beiden Genossenschaften berichtet "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt" ausführlich in der September-Ausgabe.