EU-Einlagensicherung: Ein „regulatorischer Raubüberfall“

30.12.2015

Die EU-Einlagensicherung kommt einem „regulatorischen Raubüberfall“ gleich. Diese Meinung vertritt Theresia Theurl, Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Der regulatorische Raubüberfall sei eine Bezeichnung aus der Regulierungstheorie, schreibt Theurl in einem Blog-Beitrag. Demnach richteten Menschen und Organisationen im Vertrauen auf die Gültigkeit eines Regulierungssystems ihr Verhalten daran aus und investieren langfristig. Durch einen regulatorischen Systemwechsel, wie es eine gemeinsame Einlagensicherung darstellen würde, würden sie aber um die Erträge ihrer Investitionen gebracht oder in höhere Risiken gezwungen.

Vor dem Hintergrund heterogener Sicherungssysteme in Europa und großer Unterschiede in der Qualität der Bankbilanzen bedeutet das nach Einschätzung der Wirtschaftsexpertin: Solange die nationalen Altlasten der Banken nicht bereinigt sind, trägt ein gemeinsames Einlagensicherungssystem zu einer Verschlechterung der Anreizstruktur für Banken und Einleger bei, die zu einem Risikotransfer zulasten von Akteuren in einem Umfeld gesunder Bankbilanzen führen.

Die EU-Einlagensicherung würde so durch die Hintertür zur Verfestigung einer EU-Transfer- und Haftungsunion beitragen, so Theurl.