Evocare Telemedizin

Reha im Wohnzimmer

19.05.2016

Die Genossenschaft EvoCare nutzt die Möglichkeiten der Digitalisierung, um mit Telemedizin die Behandlung zu erleichtern.

EvoCare Telemedizin eG
Eine Therapeutin erklärt einer Patientin, wie das EvoLino-Gerät funktioniert.

Es gibt Tage, da wäre man besser im Bett geblieben: Zum Termin gehetzt, die frisch gewischte Treppe übersehen – Hüftfraktur. Eine Operation sowie mehrere Wochen Reha inklusive Nachbehandlung sind die Folge. So eine Prozedur ist für die Betroffenen schmerzhaft und unangenehm.

Eine neue Möglichkeit, den Genesungsprozess voranzutreiben, bietet die Behandlungsmethode der EvoCare Telemedizin ETC eG. Hierbei wird durch ein telemedizinisches Verfahren die Interaktion zwischen Therapeut und Patient nach der Klinik nahtlos zu Hause weitergeführt. Die Therapie findet im eigenen Wohnzimmer statt und ermöglicht tägliche Behandlungseinheiten, ohne dass der Patient zum Therapeuten kommen muss. Das Verfahren kommt beispielsweise nach einem Schlaganfall, einem  Herzinfarkt oder einer Hüftoperation zum Einsatz. Möglich ist auch die Prävention bei    Rückenbeschwerden oder Übergewicht. 

Zulassung erhalten

Die EvoCare Telemedizin ETC mit Sitz in Nürnberg ist Vorreiter auf diesem Feld. Erst kürzlich hat sie eine wichtige Hürde auf dem Weg zur Etablierung der neuen Behandlungsform genommen: Die Deutsche Rentenversicherung und andere Kostenträger haben die Evo-Care-Behandlung zugelassen und in ihr Versorgungsangebot aufgenommen. Davor wurde sie in einem komplexen und langwierigen Verfahren geprüft. Die eG musste beweisen, dass die Behandlung im Vergleich zu den herkömmlichen Verfahren qualitativ mindestens gleichwertig und wirtschaftlich ist. Bis es soweit war, vergingen über zehn Jahre. „Die Deutsche Rentenversicherung hat einen sehr guten Ruf und ist dafür bekannt,  besonders gründlich zu prüfen. Dass wir diese Zulassung erhalten haben, ist ein Meilenstein in der Telemedizin und  in großer Pluspunkt bei den Verhandlungen mit weiteren Partnern“, sagt Achim Hein, Generalbevollmächtigter der Evo-Care.

Bereitgestellt wird die telemedizinische Behandlung von den Mitgliedern der Genossenschaft. Dazu gehören Kliniken, Praxen oder Pflegedienste, die sich auf diesem Weg ein neues Angebot aufbauen. Die benötigten Qualifizierungen und Geräte erhalten sie von EvoCare.

Im Idealfall lernen Patienten die Evo-Care-Behandlung schon in der Klinik kennen. Dort erhalten sie leihweise das Therapiegerät „EvoLino“ (siehe Foto). Dieses übermittelt die Anweisungen und Übungen des Therapeuten an den Patienten. Über den Bildschirm ruft er seinen individuellen Therapieplan und die Übungen ab und führt sie kontrolliert aus. Das Spektrum reicht von Bewegungstraining,  Sprachtherapie und kog nitiven Übungen bis hin zum Ernährungs coaching. Das EvoLino-Gerät zeichnet die Übungen auf. Therapeuten und Ärzte werten die Ergebnisse aus und passen die Behandlung dann täglich an die aktuellen Bedürfnisse an. Die Inhalte der Übungen sind durch Studien überprüft.

Dank EvoCare setzen die Patienten nach der Entlassung aus der Klinik die Behandlung gleich fort. Dabei stehen sie in engem Kontakt mit den Therapeuten, die sie bereits aus der Klinik kennen. Der stationäre und ambulante Sektor des Gesundheitswesens werden auf diese Weise miteinander verbunden und Pausen zwischen Reha sowie Nachsorgebehandlung vermieden. Darüber hinaus ist der Patient zeitlich flexibel. Diese Vorteile erleichtern die rasche Genesung und Rückkehr an den Arbeitsplatz.

Versorgungslücken schließen

Laut EvoCare-Gründer Hein profitieren auch Senioren, die zur Behandlung keine langen Fahrten auf sich nehmen müssen und ohne großen Aufwand zu Hause Vorsorgeübungen machen können. Vor allem in strukturschwachen Regionen mit  tendenziell schlechter Versorgung schließe die EvoCare-Behandlung Lücken und helfe älteren Menschen dabei, länger ohne fremde Hilfe in der gewohnten Umgebung zu leben.

Die Resonanz auf das neue Behandlungsangebot ist positiv. Hein zufolge machen 80 bis 90 Prozent der Patienten die verordneten Übungen – unabhängig vom jeweiligen Alter und  Geschlecht. Die älteste von ihnen ist übrigens eine 85-Jährige. Wichtig sei vor allem, dass die Patienten mindestens alle zwei Tage einen neuen Übungsplan bekommen, der den aktuellen Stand berücksichtigt. Das erfordere eine gute Ausbildung und die engagierte, aktive Betreuung durch die Therapeuten.

Die EvoCare-Erfahrungen werden aktuell in regionale Versorgungskonzepte für Kommunen eingebunden. „Durch die Digitalisierung steht das Gesundheitswesen vor einem Umbruch. Wir gestalten diesen aktiv mit, indem wir Angebote schaffen, die auf die Bedürfnisse unserer Mitglieder zugeschnitten sind“, sagt Hein.


Der Artikel ist in der Mai-Ausgabe 2016 von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.