EZB-Kauf von Kreditverbriefungen

Risiko ABS

22.10.2014

Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft Kreditverbriefungen (ABS), um gegen die niedrige Inflation zu kämpfen und die Wirtschaft anzukur­beln. Hans­-Peter Burghof, Professor am Lehrstuhl für Bankwirtschaft und Fi­nanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim, ist das neue Wertpapier­kaufprogramm der Zentralbank ein Dorn im Auge. Im Interview mit "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt" erklärt er seine Kritikpunkte.


Neubau der EZB-Zentrale in Frankfurt am Main. Foto: PanthermediaNeubau der EZB-Zentrale in Frankfurt am Main. Foto: Panthermedia



Profil: Herr Burghof, was sind Ihre Hauptkritikpunkte am EZB­-Ankaufprogramm für Kreditver­briefungen?


Hans­-Peter Burghof: Das Ankaufpro­gramm der EZB ist Teil ihrer Politik des billigen Geldes. Für einige Länder wie etwa Deutschland ist das Geld aber heute schon zu billig. Der Niedrigzins verführt zu Fehlinvestitionen und zer­stört die Anreize zur privaten Vor­sorge. Den ande­ren Ländern hilft er nur wenig, da sie primär mit strukturellen Problemen und nicht mit zu teuren Krediten zu kämpfen haben. Und wie viele andere Maßnahmen der EZB kommt auch der Ankauf von Kreditverbriefungen vor allem den Großbanken zu Gute, die über ausreichende Volumina verfügen und denen eine solide Einlagenbasis fehlt. Damit werden diese, durchaus beabsichtigt, zum Durchlaufer­hitzer für Zentralbankgeld. Leider ver­stärken sich mit dieser impliziten Sub­ventionierung der Großbanken und der zunehmenden regulatorischen Belastung auch der kleinen Institute die Ungleich­gewichte in der Größenstruktur der eu­ropäischen Bankensysteme, die eine ver­stärkende Rolle in der Finanzkrise ge­spielt haben.

Profil: Können die Großbanken die EZB überhaupt neutral beraten und die ABS-­Papiere neutral bewerten?

Hans-Peter BurghofBurghof: Eine Bewertung ist nie neutral. Sie verfolgt immer einen bestimmten Zweck. Das mussten in der Finanzkrise viele europäische Banken lernen, die sich auf Beratung und Bewertung durch genau die Institute verlassen haben, die jetzt offenbar von der EZB beauftragt werden sollen. Den Teams, die hier bera­ten und verkauft haben, war es egal, ob sie dem Kunden oder der Reputation der eigenen Bank schweren Schaden zufüg­ten. Entscheidend war nur der kurzfris­tige Gewinn. Ob das diesmal anders sein wird? Ich vermute eher, dass auch die EZB erfahren wird, dass man von Ge­schäften, die man nicht aus eigener Kom­petenz durchführen kann, angesichts sol­cher „Dienstleister“ besser die Finger lässt.

Profil: Überschreitet die EZB damit ihr Mandat und wird zur spekulativ agierenden Investmentbank?


Burghof:
Man kann das sehr vornehm ausdrücken: Die EZB übernimmt damit einen immer grö­ßeren Anteil des Intermediationsrisikos der Eurozone. Tatsächlich ist es aber genau dies: Immer mehr europäische Kreditrisiken landen bei der EZB und damit indi­rekt beim Steuerzahler. Der Anreiz, ein solches System zu missbrauchen, ist ge­waltig.


Lesen Sie das Interview mit Hans-Peter Burghof in der November-Ausgabe von "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt".