EZB-Kreditdatenbank: Zahlenfriedhof AnaCredit vermeiden

30.06.2015

 

Die Europäische Zentralbank plant, eine innerhalb des Euroraums harmonisierte Kreditdatenbank aufzubauen. So sieht sie eine EZB-Verordnung zur Schaffung eines Analytical Credit Datasets (AnaCredit) vor, deren Veröffentlichung bis zum Herbst 2015 erwartet wird. Voraussichtlich ab Ende 2017 müssen die Banken im Euroraum der Aufsicht umfangreiche Datensätze zu Krediten und Kreditrisiken melden.

Zunächst sollen Ausleihungen an Firmenkunden und die öffentliche Hand im Fokus stehen, später dann auch weitere Kreditarten, darunter etwa Wohnungsbaukredite an private Haushalte. Ab einer Meldeschwelle von 25.000 Euro werden hierbei Informationen zu rund 150 Kreditmerkmalen – zum Beispiel Art des Kredits, Laufzeit, Währung – gefordert. Damit würde sich die Zahl der zu meldenden Kreditmerkmale gegenüber heute verdreifachen. Ungeachtet der Meldegrenze sollen die Banken der Aufsicht zudem notleidende Kredite ab einem Volumen von 100 Euro mitteilen. Da jedem Kredit ein bestimmtes Ausfallrisiko zu Grunde liegt, müssten die Banken die entsprechenden Daten praktisch für sämtliche Darlehen vorhalten.

Laut Deutscher Bundesbank werden in Deutschland derzeit rund 500.000 Millionenkredite gemeldet. Die von der EZB geplante Meldepflicht würde zu einer deutlichen Erhöhung des Meldeumfangs führen. Die Bundesbank schätzt, dass die Zahl der zu meldenden Kredite bei einer Absenkung der Meldeschwelle auf 25.000 Euro allein in Deutschland auf 50 bis 60 Millionen ansteigen würde. Gleichzeitig käme es in der Übergangsphase zu einer Doppelbelastung der Kreditinstitute durch das in Deutschland bestehende Millionenkreditmeldewesen. Es entstünden riesige Datenberge. Deren Nutzen für die EZB ist nicht nur zweifelhaft. Er steht auch bei Weitem nicht im Verhältnis zum Erhebungsaufwand der Kreditinstitute. Mit AnaCredit droht ein Zahlenfriedhof geschaffen zu werden.

Die übermäßige Datenspeicherung geht in erster Linie zulasten der kreditsuchenden Unternehmen und Privatkunden. Denn sie müssten wesentlich mehr Daten als bisher zusammenstellen und an ihre Banken melden. Die EZB denkt sogar darüber nach, den Informationsbedarf bis auf die monatlichen Gehaltsabrechnungen der Kreditnehmer auszudehnen. Ein erheblicher Meldeaufwand und ein gläserner Kreditnehmer wären die Folge. Beides kann jedoch nicht im Interesse von mittelständischen Unternehmen und privaten Kreditnehmern sein.

Deshalb muss die EZB den Umfang der geplanten Datenbank einschränken. Dazu gehören erstens Erleichterungen für kleine Kreditinstitute. Denn die Anforderungen des Kreditmeldewesens müssen dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gerecht werden. Zweitens muss die EZB darauf achten, dass die abgefragten Informationen auf den bei den Banken bereits vorhandenen Datengrundlagen aufbauen und die Datenabfragen von den Kreditinstituten automatisiert durchgeführt werden können. Und drittens muss die EZB den Datenschutz und das Recht der Bankkunden auf ein hinreichendes Maß an Privatsphäre respektieren.