Fachtagung Sozialgenossenschaften

„Raum für Eigeninitiative geben“

30.10.2015

Die Fachtagung Sozialgenossenschaften informierte über die Möglichkeiten der Rechtsform eG im sozialen Bereich. Bei der Veranstaltung des Bayerischen Sozialministeriums tauschten sich Gründungsinteressierte mit Vertretern bereits bestehender Genossenschaften aus.

Fachtagung Sozialgenossenschaften 2015
Bei der Podiumsdiskussion (von links): Klaus Alois Hein, Bereichsleiter Beratung Ware und Dienstleistung beim Genossenschaftsverband Bayern, Egon Endres, Vorsitzender des Expertenrates „Sozialgenossenschaften - selbst organisierte Solidarität“ und Ministerialdirigent Markus Zorzi.



Zu Beginn der Fachtagung am 29. Oktober in München wurde die Frage diskutiert, in welchem Verhältnis Sozialgenossenschaften zu bereits existierenden Angeboten von staatlichen Stellen und Wohlfahrtsverbänden stehen. Ministerialdirigent Markus Zorzi erklärte, dass es darum gehe, den Bürgerinnen und Bürgern Raum für Eigeninitiative zu geben. Sozialgenossenschaften stellten eine Ergänzung des bestehenden Systems dar.


Weiterhin ging Zorzi auf die Potenziale von Sozialgenossenschaften ein. Diese lägen vor allem in Bedürfnissen, die sich aus gesellschaftlichen Veränderungen ergeben. So können Sozialgenossenschaften im ländlichen Raum für den Erhalt sozialer Infrastrukturen sorgen, zum Beispiel beim Wohnraum für Senioren. Dies könne auch den zunehmenden Wegfall familiärer Strukturen auffangen. Ein weiteres Betätigungsfeld sieht der Ministerialdirigent beim Thema Inklusion. Sein Fazit: „Es gibt einen bunten Strauß an Ideen und Themen, zu denen Genossenschaften gegründet werden können.“

Auch beim Verhältnis zu den Einrichtungen von Wohlfahrtsverbänden wurde in der Diskussion deutlich, dass Angebote in der Rechtsform eG diese ergänzen und nicht in Konkurrenz treten sollen. Vielmehr seien diese Organisationen oft wichtige Partner von Sozialgenossenschaften.

Beispiele hierfür zeigte Erika Henger, Beraterin beim Genossenschaftsverband Bayern, in ihrem Vortrag. Neben Genossenschaften, bei denen Bürger oder Unternehmen Mitglieder sind, gibt es auch solche, an denen sich Wohlfahrtsverbände beteiligen, wie die SAPV Dachau eG. Die Genossenschaft ist im Bereich Palliativversorgung tätig.

Auch Kommunen können zu den Mitglieder einer Sozialgenossenschaft gehören. Andreas Gaß vom Bayerischen Gemeindetag erläuterte, welche rechtlichen Rahmenbedingungen sie dabei beachten müssen. So seien die Betätigungsmöglichkeiten unter anderem durch die Zuständigkeiten der Kommunen im sozialen Bereich vorgegeben. Gaß empfahl eine enge Abstimmung mit den Behörden der Rechtsaufsicht und der Rechnungsprüfung. Dass Kommunen und Genossenschaften aber durchaus eine gemeinsame Basis haben, machte der Rechtsexperte zum Abschluss deutlich: Denn beide verfolgen unter anderem die Prinzipien von  Selbstverwaltung und demokratischen Entscheidungsprozessen.

Bei den anschließenden Praxisforen stellten bereits aktive Sozialgenossenschaften ihre Arbeit vor. Sie machten das breite Spektrum deutlich: Vom altersgerechten Wohnen, über Gesundheit und Pflege, den Dienstleistungssektor bis hin zum Arbeitsmarkt.


Weitere Informationen

Zukunftsinitiative Sozialgenossenschaften des Bayerischen Sozialministeriums