Fair Handelshaus Bayern eG

Den fairen Handel in der Mitte der Gesellschaft verankern

19.10.2016

Die 1984 gegründete Fair Handelshaus Bayern eG versorgt ihre Mitglieder mit fair gehandelten Produkten aus aller Welt. Ihr Ziel ist es, diesen Handel in der Mitte der Gesellschaft zu veranken. Deshalb plant sie, jedes Jahr zwei neue Weltläden im Freistaat zu eröffnen.


Im Ladengeschäft in Amperpettenbach präsentiert die Genossenschaft unter anderem handgeschöpftes Geschenkpapier, Brotkörbe und Kerzen.


Fair gehandelte Produkte sind beliebt: Gaben die Verbraucher für solche Waren vor zehn Jahren nur rund 120 Millionen Euro aus, waren es im vergangenen Jahr schon über 1,1 Milliarden Euro. Verantwortlich für die hohen Zuwachsraten sind vor allem Supermärkte und Discounter. Dagegen wuchsen die Erlöse bei Weltläden, seit über 30 Jahren die eigentlichen Treiber des fairen Handels, nur in geringem Umfang. „Da steckt noch Potenzial drin“, sagt Markus Raschke, Vorstand der FAIR Handelshaus  Bayern eG.

Die 1984 gegründete Genossenschaft versorgt ihre Mitglieder mit fair gehandelten Produkten aus aller Welt. Zu ihnen zählen vorwiegend 80 der insgesamt 220 bayerischen Weltläden, aber auch engagierte Einzelpersonen. Zudem beliefert das Handelshaus auch Nicht-Mitglieder wie Restaurants. Außerdem veranstalten die Mitarbeiter Führungen für Schulklassen, Kirchengemeinden und andere interessierte Gruppen durch ihren Hauptsitz in Amperpettenbach, ein Ortsteil der Gemeinde Haimhausen im oberbayerischen Landkreis Dachau. Dort lernen sie die Grundlagen des fairen Handels kennen und erleben die Produktvielfalt auf über 1.000 Quadratmetern Verkaufsfläche.

Die Genossenschaft hat sich ein hohes Ziel gesetzt: „Wir möchten den fairen Handel in der Mitte der Gesellschaft verankern“, sagt Raschke. Deshalb plant er, pro Jahr zwei neue Weltläden zu eröffnen. Häufig kann Raschke auf bestehende Strukturen zurückgreifen: Der Vorstand hat beobachtet, dass es in vielen Städten und Gemeinden bereits Initiativen gibt, die allerdings das finanzielle Risiko scheuen. „Hier greifen wir mit unserem Know-how unter die Arme“, sagt Raschke. Mittlerweile betreibt die eG auf diese Weise acht Läden, zuletzt ist ein Geschäft im oberfränkischen Kulmbach hinzugekommen. Auch die bestehenden Mitglieder der Genossenschaft profitieren davon, dass das Handelshaus sein Betätigungsfeld erweitert: Sie erhalten Unterstützung bei der Ladengestaltung oder beim Marketing.

Derzeit läuft es rund. Eine Sache treibt Raschke jedoch um: „Wir überlegen, wo wir uns als Großhändler verorten“, so der Vorstand. Er erwägt daher die externe Überprüfung der Genossenschaft durch die Mitgliedschaft in nationalen oder internationalen Dachorganisationen. Da es immer mehr Wettbewerber auf dem Markt gebe, müsse man sich durch solche Maßnahmen behaupten, so Raschke. Außerdem bekäme das Handelshaus dadurch eine zusätzliche Bestätigung auf dem Weg, mit fair gehandelten Produkten immer nah am Kunden zu sein.


Der Artikel ist in der Oktober-Ausgabe von "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt" erschienen.