Familienbetriebe in der Landwirtschaft

Genossenschaften fördern bäuerliche Strukturen

05.02.2014

2014 ist das Internationale Jahr der familienbetriebenen Landwirtschaft. Genossenschaften sind seit jeher mit dieser bäuerlichen Organisationsform verbunden. Das bringt viele Vorteile für die Beteiligten.


Vater und Sohn auf ihrem Bauernhof: Die familienbetriebene Landwirtschaft erhält 2014 von den Vereinten Nationen besondere Aufmerksamkeit.


Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat das Jahr 2014 zum „Internationalen Jahr der familienbetriebenen Landwirtschaft“ erklärt. Ziel der UNO ist es, politische Unterstützung für die Förderung bäuerlicher Strukturen zu mobilisieren – insbesondere in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Denn einerseits könnte eine Stärkung kleinerer landwirtschaftlicher Betriebe ein wichtiger Baustein bei der Überwindung der Armut in der Dritten Welt sein. Andererseits sind gerade Kleinbauern massiv von Problemen wie Hunger und Landverlust bedroht – sie haben Unterstützung also bitter nötig.

Eine mögliche Antwort, wie man die Probleme der Bauernfamilien lösen kann, haben die Vereinten Nationen 2012 selbst gegeben: Im Rahmen des „Internationalen Jahrs der Genossenschaften“ zeigten sie, dass landwirtschaftliche Kooperativen eine wichtige Stütze für bäuerliche Strukturen darstellen. Derzeit sind mehr als 500 Millionen Menschen in über 900.000 ländlichen Genossenschaften organisiert. Schätzungen gehen davon aus, dass die internationale Genossenschaftsorganisation das wirtschaftliche Leben von rund drei Milliarden Menschen prägt.


Familienbetriebene Landwirtschaft in Deutschland


Die landwirtschaftlichen Familienbetriebe in Deutschland sehen sich großen Herausforderungen gegenüber. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft hält an und damit verbunden das Höfesterben. Zudem macht auch der gesellschaftliche Wandel vor den Toren der Bauernhöfe nicht halt und stellt das Modell des über Generationen weitergegebenen Familienbetriebs auf eine harte Probe. Zumindest bei den wirtschaftlichen Herausforderungen können landwirtschaftliche Familienbetriebe auch in Deutschland auf die Unterstützung durch Genossenschaften setzen. Das belegte jüngst eine Studie im Auftrag der EU-Kommission.

Im Rahmen von Kooperationen können landwirtschaftliche Familienbetriebe Skaleneffekte nutzen und Marktzugänge generieren, die sie selbst als Einzelbetriebe nicht erreichen können. So sind Kooperationen im Bereich des Bezugs- und Absatzgeschäfts genossenschaftliche „Klassiker“. Bayern ist beispielsweise überzogen mit einem Netz von Kreditgenossenschaften mit Warengeschäft, Raiffeisen-Waren GmbHs und Absatzgenossenschaften.


Neue Formen familienbetriebener Landwirtschaft durch Genossenschaften


In Zukunft sind neue Genossenschaftstypen denkbar. Durch Kooperationen mehrerer Betriebe ist es zum Beispiel möglich, Flächen geschickter oder in der Tierzucht Stall- und Arbeitsressourcen besser zu nutzen. Landwirte können damit der „Arbeitsfalle“ entgehen, unter der viele landwirtschaftliche Wachstumsbetriebe leiden: Sie haben zu viel Arbeit, um sie allein zu bewältigen und zu wenig, um einen Angestellten zu beschäftigen. Erste solcher Genossenschaften – etwa die Zeller Milch eG im Freistaat – arbeiten bereits nach diesem Muster. Das an die „Agrargenossenschaft“ angelehnte Modell könnte zum Vorbild für viele weitere Wachstumsbetriebe werden. Das Fazit: Die Geschichte der gewinnbringenden Symbiose von bäuerlichem Familienbetrieb und Genossenschaft ist auch in Deutschland noch lange nicht fertigerzählt.