Festveranstaltung in Ingolstadt

Bayerns Volksbanken und Raiffeisenbanken vergeben Journalistenpreise 2015

09.10.2015

Die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken haben die Journalistenpreise 2015 vergeben. Die Gewinner sind Sebastian Heinrich von der Mittelbayerischen Zeitung, Christiane Hawranek und Maximilian Zierer vom Bayerischen Rundfunk sowie Susanne Weiß vom Münchner Merkur/Tölzer Kurier. Sie wurden im Rahmen einer Festveranstaltung in Ingolstadt ausgezeichnet.

Preisträger der Journalistenpreise 2015 der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken (von links): Susanne Weiß, Maximilian Zierer, Christiane Hawranek und Sebastian Heinrich.
Die Gewinner der Journalistenpreise 2015 (von links): Susanne Weiß, Maximilian Zierer, Christiane Hawranek und Sebastian Heinrich.


„Dieses Jahr durften wir uns mit etlichen Einreichungen auseinandersetzen, die alle eine Auszeichnung verdient hätten“, sagte Jürgen Gros, Vorstand des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB) und Mitglied der Jury, in seiner Begrüßungsrede. „Gute, schöne, spannende Geschichten, die für Qualitätsjournalismus stehen.“ Dies zeige, dass junge, engagierte und begabte Menschen weiterhin den Mut haben, diesem Beruf nachzugehen. Und es beweist, so Gros, dass der Gesellschaft der journalistische Nachwuchs nicht abhanden kommt.

Einführungsfilm zur Preisverleihung der Journalistenpreise 2015 (zum Abspielen bitte auf das Bild klicken)


Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Preis


Mit dem Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Preis (8.000 Euro) zum Thema wirtschaftliche Bildung wurde Sebastian Heinrich für seine Reportage „Der alte Mann und die Donau“ aus der Mittelbayerischen Zeitung vom 25. August 2014 ausgezeichnet. Er porträtiert darin einen der letzten traditionellen Donaufischer, der gleichzeitig ein Handelsunternehmen für importierten Fisch betreibt. Die Jury überzeugte, dass Heinrich „ein besonderes, für die Region und die einheimischen Menschen relevantes Thema für seine Tageszeitung entdeckt und großartig aufbereitet hat“.

Die Laudatio für Preisträger Heinrich hielt Robert Arsenschek, Direktor der Akademie der bayerischen Presse in München. Er sprach von einem "packenden, kräftigen und wortgewaltigen" Porträt. Heinrich habe den Fischer als stiller Beobachter begleitet und seinen Text anschaulich und präzise aufgeschrieben. "So soll es sein", sagte Arsenschek anerkennend.


Hermann-Schulze-Delitzsch-Preis


Die Gewinner des Hermann-Schulze-Delitzsch-Preises (8.000 Euro) für Verbraucherschutz sind Christiane Hawranek und Maximilian Zierer. Sie erhalten die Auszeichnung für ihren Funkstreifzug „Unter Beobachtung: Wie Überwachungskameras unser Leben ausspähen“, der am 30. November 2014 im Radioprogramm B5 Aktuell und im Internet als „Webstory“ veröffentlicht wurde. Dabei gehen die beiden Journalisten der Frage nach, ob der Einsatz von Überwachungskameras an Schulen, Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen verhältnismäßig ist oder Sicherheit nur suggeriert. Nach Meinung der Jury ist diese Hörfunk– und Webspezial-Reportage äußerst aufwendig und hartnäckig recherchiert. Das „Dilemma zwischen Sicherheit, Abschreckung und Datenschutz“ sei trefflich herausgearbeitet.

Laudatorin Barbara Brandstetter, Professorin für Wirtschaftsjournalismus an der Hochschule Neu-Ulm, hob die Bedeutung von unabhängigem Verbraucherjournalismus hervor. Er sei gefragt wie nie, aber er sei aufwändig: "Zwei Telefonate reichen für die Recherche nicht aus." Die beiden Preisträger hätten gezeigt, wie man hartnäckig recherchiert und erstklassigen und verständlichen Verbraucherjournalismus betreibt.

Förderpreis für junge Journalisten


Anders als im Vorjahr wurde angesichts zahlreicher hochwertiger Bewerbungen wieder ein Preis an Nachwuchsjournalisten vergeben. Den Förderpreis für junge Journalisten (4.000) zum Themenfeld Nachhaltigkeit nahm Susanne Weiß für ihre Reportage „Dorfläden – eine bedrohte Idylle“ entgegen. Der Beitrag ist im Münchner Merkur am 12. November 2014 erschienen. Weiß setzt sich in ihrem Text mit der Zukunft der Nahversorgung der Menschen im ländlichen Raum auseinander. Die Jury: „Die Geschichte ist ungemein nah am Leser. Sie spürt nach. Und sie arbeitet heraus, dass der Einzelne sehr wohl die Entscheidungsmöglichkeit hat, das Regionale und Lokale zu unterstützen.“

Joachim Braun, Chefredakteur des Nordbayerischen Kuriers in Bayreuth, lobte bei der Preisübergabe die Objektivität der jungen Journalistin. Die 24-Jährige habe nicht Partei ergriffen, sondern den Menschen zugehört und Ihre Beobachtungen so aufgeschrieben, das sie aufrüttelt. Am Ende seiner Laudatio sagte Braun in Richtung der Preisträgerin: "Qualität wird sich durchsetzen. Qualität wird sich halten."

FAZ-Korrespondent Werner Mussler über den Alltag eines Brüssel-Korrespondenten


Abgerundet hat die Verleihung der Journalistenpreise 2015 der Festvortrag von Werner Mussler. Der langjährige Brüssel-Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erlaubte dem Publikum einen Blick hinter die journalistischen und politischen Kulissen der Europa-Metropole. Er berichtete über seinen Schlafmangel wegen der nächtlichen Krisen-Verhandlungen zu Griechenlandkrisen ebenso wie über die zunehmende Bedeutung des Kurznachrichtendienstes Twitter und neue Nachrichtenformate wie Liveblogs. Bei allen Veränderungen in den vergangenen Jahren gibt es nach den Worten von Mussler aber eine Konstante für alle Journalisten: Es zahle sich noch immer aus, vor Ort zu sein, "um die Stimmung zu erschnuppern und den Finger in den Wind zu halten".


Impressionen von der Verleihung der Journalistenpreise 2015