Flexibel, transparent und demokratisch

Warum sich Gründer für die eG entscheiden

30.03.2016

Auch nach rund 160 Jahren ist die Rechtsform der Genossenschaft lebendig wie eh und je. Das belegen nicht zuletzt die 22 neuen Mitglieder, die der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) vergangenes Jahr aufgenommen hat. Drei Gründer erzählen, warum sie sich für eG entschieden haben.

Erzeugergemeinschaft für Energie in Bayern eG
Die Gründer der Erzeugergemeinschaft für Energie in Bayern eG.



Engagement leicht gemacht - Bürger-Genossenschaft Münnerstadt eG


Einer dieser Gründer ist der Vorstandsvorsitzende der Bürger-Genossenschaft Münnerstadt eG, Hartmut Hessel. Zusammen mit den rund 80 Mitgliedern der Genossenschaft will er historische Häuser in seiner Heimatstadt renovieren und dadurch die Innenstadt wieder zu einem zukunftsfähigen und lebenswerten Ort machen. Die Entscheidung für die Rechtsform fiel ganz bewusst: „Die Genossenschaft macht es den Menschen möglich, sich ohne hohes Eigenkapital als Mitglied zu engagieren und aktiv mitzuhelfen“, sagt Hessel. Das könne eine GmbH nicht leisten.

Die aktive Mitarbeit ist für Hessel das Fundament der Bürger-Genossenschaft Münnerstadt. Vor Kurzem hat die eG ein rund 300 Jahre altes Haus gekauft. Sobald die Planungen abgeschlossen sind, wird es kernsaniert und unter anderem zu einer Begegnungsstätte umgebaut, in der Künstler gleichzeitig wohnen, arbeiten und ihre Werke ausstellen sollen. Dabei baut die Genossenschaft auf ihre Mitglieder: „Die meisten haben schon privat alte Häuser saniert und bringen reichlich Erfahrung mit“, sagt Hessel. Beteiligen wollen sich darüber hinaus auch Ehrenamtliche sowie soziale Einrichtungen.

Wichtig für die Entscheidung zugunsten einer Genossenschaft waren für Hessel auch bereits bestehende Berührungspunkte und positive Erfahrungen mit anderen Genossenschaften, etwa der Friedrich-Wilhelm Raiffeisen Energie Münnerstadt, bei der Hessel Mitglied ist. Das Prinzip der kollegialen Führung und Arbeitsteilung durch mehrere Vorstände in Genossenschaften habe ihn überzeugt.


Werte überzeugen - CoPATH eG


Thomas Richter hatte noch keine Berührungspunkte mit Genossenschaften. Dennoch gründete der Rosenheimer Pathologe zusammen mit einigen Kollegen die CoPATH eG. Sie alle  trieb das Ziel, die wirtschaftlichen Aktivitäten der Praxen besser zu bündeln. Das geschieht zurzeit beim gemeinsamen Einkauf, beispielsweise für Laborbedarf. „Wir planen aber schon weitere Betätigungsfelder“, sagt Richter. Beispielsweise könnte die Genossenschaft teure Geräte zentral leasen.

Auf das Genossenschaftsmodell ist Richter durch die Empfehlung einer Rechtsanwaltskanzlei gestoßen. Die Mitglieder der eG waren schnell gefunden: Sie alle sind bereits in einem Verbund von Pathologen in Südbayern organisiert. In dem erbringen sie diagnostische Leistungen, die für einzelne Praxen alleine zu aufwendig wären. Einen gemeinsamen wirtschaftlichen Betrieb konnten sie, wie auch die Münnerstädter, am besten durch eine Genossenschaft abdecken.

„Weder eine GbR noch eine GmbH hätten bei unserem Modell richtig funktioniert“, so Richter. Einige seiner Kollegen wollen möglichst flexibel bleiben. Auch ideelle Gründe spielten eine Rolle: „Vielen Mitgliedern haben besonders die genossenschaftlichen Werte gefallen.“


Einfacher Beitritt - Erzeugergemeinschaft für Energie in Bayern eG


„Uns hat vor allem überzeugt, dass jedes Mitglied eine Stimme und damit ein gleiches Mitspracherecht hat“, sagt Andreas Engl, Vorstandsvorsitzender der Erzeugergemeinschaft für Energie in Bayern eG. Denn Selbstbestimmung und Transparenz sind für die Mitglieder der Genossenschaft entscheidend: Sie alle unterhalten Photovoltaik-, Windkraft-, Wasserkraft- oder Biogasanlagen, die in Nieder- und Oberbayern erneuerbare Energien erzeugen. Die Kraftwerksbetreiber eint nun der Wunsch, gemeinschaftlich gegenüber Lieferanten, Dienstleistern sowie der Bevölkerung aufzutreten und sich gegenseitig im täglichen Geschäftsbetrieb zu unterstützen. In diesem Zusammenhang wollen sie ihre Leistung in einem virtuellen Kraftwerk bündeln.

Aktuell hat die Genossenschaft schon 20 Mitglieder, die Strom für etwa 11.500 Haushalte erzeugen. Wenn das virtuelle Kraftwerk aufgebaut ist, ermöglicht das einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb ohne EEG-Förderung und damit den Fortbestand der regionalen Energiewende. Und wenn es nach Engl geht, dann wird sich diese Zahl in naher Zukunft noch erhöhen: „Wir hoffen, in diesem Jahr rund 20 bis 30 neue Mitglieder gewinnen zu können“, sagt der Vorstandsvorsitzende.