Franz König im Interview

Die Zukunft der Energiegenossenschaften

Franz König ist Vorsitzender des GVB-Fachausschusses Energie. Im Interview spricht der gelernte Elektriker über die Arbeit seines Gremiums, Gründungspotenziale von Energiegenossenschaften und die Zukunft des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG).


Franz König, Vorsitzender des Fachausschusses Energie des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB).
Franz König, Vorsitzender des Fachausschusses Energie des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB).



Herr König, seit mehr als einem Jahr haben die bayerischen Energiegenossenschaften einen eigenen Fachausschuss. Warum war es sinnvoll, dieser Unternehmensgruppe ein separates Gremium in der Verbandsstruktur zu geben?


König: Mittlerweile sind die Energiegenossenschaften eine bedeutende Mitgliedergruppe der genossenschaftlichen Familie in Bayern. Allein 2013 wurden 43 neue Unternehmen aus dem Energiesektor vom GVB aufgenommen, insgesamt stehen wir bei 240 Energiegenossenschaften in Bayern. Es ist wichtig, dass sie im Verband Gehör finden. Der Fachausschuss dient zudem dem Austausch untereinander und kümmert sich gemeinsam mit den Verbandsmitarbeitern um die Nachsorge bereits gegründeter eGs.


Stichwort Erfahrungsaustausch: Inwieweit kann beispielsweise eine Netzgenossenschaft im Zuge der Ausschussarbeit von den Erfahrungen einer Erzeugergenossenschaft profitieren – und umgekehrt?

König: Genau das ist das Interessante : Es gibt in der Praxis sehr viele Probleme, die allein aus Unkenntnis über die Arbeit der anderen Seite resultieren. Der Erzeuger weiß nicht, was im Netz geschieht, und den Netzbetreibern fehlt ausreichend Information über die Erzeugerseite. Gerade hier ist der Fachausschuss gefragt, um das Gesamtwissen der Marktteilnehmer abzurunden.


Welche Fragen beschäftigen momentan die Mitglieder des Fachausschusses?

König: Die GVB-Mitgliedsgenossenschaften treibt momentan vor allem die Frage um, wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz künftig ausgestaltet sein wird. Man darf allerdings die Energiewendediskussion nicht allein darauf reduzieren. Es gibt eine Vielzahl von Problemstellungen. Wir haben daher kürzlich eine Arbeitsgruppe "Energiewende" etabliert, in der die ganze Bandbreite genossenschaftlicher Energieunternehmen abgebildet ist.


Wo konnte und will der Fachausschuss künftig thematisch Akzente setzen?

König: Der Fachausschuss hat bei der Abstandsregelung zu Windrädern Stellung bezogen. Für den GVB wurde ein Eckpunktepapier zur EEG-Novelle erarbeitet. Es erfolgten Abstimmungsgespräche mit der Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften beim DGRV sowie Beratungen mit dem Vorstand zur Interessenvertretung der Energiegenossenschaften. In unmittelbarer Zukunft möchten wir uns in die Weiterentwicklung des EEGs einbringen. Wir plädieren hier für eine Neugestaltung, die Bestandsschutz gewährt, aber auch Innovationen eine Chance bietet. Diese könnten wiederum Raum für neue Genossenschaftsgründungen bieten. Dazu haben wir in der Arbeitsgruppe Energiewende auf Basis der "Eckpunkte für den Erfolg der Energiewende" konkrete Ansatzpunkte zur Novelle des EEGs abgestimmt, die vom GVB in die politische Diskussion auf Bundes- und Landesebene eingebracht werden können.


Energiegenossenschaften sind die am schnellsten wachsende Gruppe in der Genossenschaftsfamilie. Wo sehen Sie eher weitere Gründungspotenziale: bei Netzen oder auf der Erzeugerseite?

König: Ganz klar auf der Erzeugerseite. Die Netze sind eine traditionelle Angelegenheit. Viele Betreiber gibt es seit rund 100 Jahren, der Markt ist aufgeteilt. Neugründungen oder Ausgründungen von Netzen, von denen man immer wieder hört, sind sehr selten. Sie sind zum einen sehr teuer und benötigen zum anderen eine ganze Menge Know-how, das schwer zugänglich ist.


Sie sprachen von "Innovationen" im Zuge der EEG-Reform als Chance für genossenschaftliche Neugründungen...

König: Ich denke an die Zeit nach dem EEG. So lange dauert das nicht mehr – die ersten Anlagen werden bald 20 Jahre alt. Ökostrom muss in den nächsten Jahren Marktreife erlangen. Und dann brauchen die Anbieter Vermarkter, Abwickler und Koordinatoren. In diesen Bereichen kann ich mir die Gründung neuer Genossenschaften gut vorstellen.


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