Fünf Fragen an Stefan Dick, Geschäftsführer der Südstärke GmbH

„Unsere Kunden werden nicht auf dem Trockenen sitzen“

03.09.2019

Die genossenschaftlich geprägte Südstärke GmbH verarbeitet pro Jahr rund 600.000 Tonnen Kartoffeln. Geschäftsführer Stefan Dick spricht im Interview über die aktuelle Ernte und die Sorge der Süßwarenindustrie vor einer Chips-Knappheit.

Herr Dick, der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie warnt, dass wegen Missernten Kartoffelchips knapp werden. Drohen Knabberfans Engpässe?

Stefan Dick: Unsere Vertragslandwirte erzeugen größtenteils und meist sogar ausschließlich Stärkekartoffeln, die andere Ansprüche als Chipskartoffeln haben und auch andere Qualitätsmerkmale aufweisen. Eine mögliche Knappheit von Chipskartoffeln betrifft also die Kartoffelstärke nicht unmittelbar. Die Snackindustrie ist allerdings ein bedeutender Abnehmer für Kartoffelstärkeprodukte und die Südstärke wird dafür sorgen, dass ihre langjährigen Kunden in der Snackherstellung nicht auf dem Trockenen sitzen werden.   

Rechnen Sie mit steigenden Preisen für die Verbraucher?

Dick: Kartoffelstärke ist in den meisten Produkten ein wichtiger aber mengenmäßig geringer Bestandteil, so dass höhere Preise für Stärke nicht zwangsläufig zu höheren Preisen an der Ladenkasse führen. Als Stärkehersteller kommen wir um Preiserhöhungen an unsere Kunden nicht herum: wir haben mit steigenden Personalkosten, massiven Erhöhungen der Energiekosten, insbesondere für Strom, zu kämpfen, und unsere Vertragslandwirte fordern höhere Preise zum Ausgleich ihrer Kostensteigerungen durch neue Auflagen und Erschwernisse im Anbau.


Stefan Dick, Geschäftsführer der Südstärke GmbH: „Wir haben mit steigenden Personalkosten, massiven Erhöhungen der Energiekosten, insbesondere für Strom, zu kämpfen, und unsere Vertragslandwirte fordern höhere Preise zum Ausgleich ihrer Kostensteigerungen durch neue Auflagen und Erschwernisse im Anbau.“

Warum läuft die Kartoffelernte dieses Jahr schlechter und wie hoch fallen die Einbußen aus?

Dick: Wir können zum jetzigen Zeitpunkt noch keine qualifizierte Aussage zur Ernte 2019 machen, da die meisten Stärkekartoffel-Sorten mittelspät bis sehr spät reifen und bei Ertrag und Stärkegehalt noch von einer günstigen Witterung im August und September profitieren können. Wir wissen tatsächlich erst gegen Ende September, wie die Ernte ausfällt und welche Stärkemengen wir produzieren werden.

Gibt es Sorten, die die Wetterkapriolen besser vertragen?

Dick: Eine generelle Aussage ist hier schwierig, weil die Stärkekartoffel-Sorte auch an die Bodenverhältnisse angepasst sein muss und die Bestandsführung durch den Anbauer eine ganz entscheidende Rolle spielt. Wir beobachten aber schon, dass es Sorten gibt, die sich z.B. auf sandigen Böden bei Trockenheit besser schlagen als andere. Unsere Anforderung an die Züchtung enthält auch möglichst gute Hitze- und Trockentoleranz zusätzlich zu hohem Stärkeertrag und breiten Resistenzen gegen Krankheiten. 

Wie ist Ihre Prognose für das kommende Jahr?

Dick: Der Markt für Kartoffelstärkeprodukte bleibt weiterhin aufnahmefähig. Die Südstärke versucht, neue Anbauer zu gewinnen um die Marktchancen durch ein quantitativ ausreichendes Angebot nutzen zu können. Wichtig bleibt eine qualitativ und quantitativ gute Versorgung mit Stärke-Pflanzgut, damit die neu gewonnenen Anbauer 2020 auch gleich loslegen können.

Vielen Dank für das Interview.